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Sin paar Minuten lag sie mit geschlossenen Augen, -ann richtete sie sich auf und fügte hinzu:
„Adolf hat keine Schuld! Drin Vater hat'S gethan Am — die Lebensversicherung!"
Frau Büttner fühlte sich von einem eiskalten Schauer erfaßt, die Sinne drohte« ihr zu vergehen, mit der größten Anstrengung hielt sie sich aufrecht.
„Welche Lebensversicherung?" fragte sie.
Es kam keine Antwort. Frau Göbener rang keuchend «ach Athem, die Augen traten ihr weit aus den Höhlen hervor, die Glieder flogen; ein heftiger Krampfanfall -schüttelte ihren schwachen Körper.
Jetzt mußte Frau Büttner doch zu den Leuten ihre Zuflucht nehmen, deren Hilfe sie vor wenigen Minuten verschmäht hatte.
Sie lief an das noch immer offenstehende Fenster und schrie mit lauter, gellender Stimme: „Anneliese, Hanne, schnell, schnell ! Meine Mutter stirbt!"
Die Gerufenen und zwei von den Taglöhnerfrauen kamen schnell und doch für die Ungeduld der verzweifelnden Tochter «och viel zu langsam die Treppe hinauf, standen aber ebenso rathlos wie diese an dem Lager der dem Anschein nach mit dem Tode ringenden Frau.
„Der Doctor, der Doctor!" schrie eine von den Frauen und Frau Büttner sagte sich an die Stirn fassend:
„Daß mir daS erst gesagt werden muß! Großer Gott, ich werde noch wahnsinnig. Jochem soll in die Stadt reiten And den Doctor Frederich holen!" befahl sie, „und mein Bruder soll auch herauskommen. Und schickt auch Boten zu meinem Manne und nach Fuchsberg/ sie müssen es ja «uch wissen, was hier geschehen ist."
Die Frauen eilten davon, bald verkündete Hufschlag, der vom Hof herauftönte, daß die Befehle, welche Frau Büttner gegeben, ausgeführt wurden. Die Boten waren unterwegs, welche die Kunde von der Verhaftung ihres Vaters zu den Geschwistern tragen und sie an das Sterbe- Lett der Mutter rufen sollten, denn die Tochter konnte nicht Mehr zweifeln, daß eS mit ihr zu Ende ging.
Der Krampfanfall war vorüber, aber er konnte jeden Augenblick wiederkehren, und inzwischen lag sie da mit geschloffenen Augen, eingefallenen Zügen, auf welche der Tod schon sein Siegel gedrückt zu haben schien, und Frau Büttner wagte gar nicht zu wünschen, daß diese- fliehende Leben «och einmal zurückkehren möge. —
War die Mutter nicht glücklich zu preisen, wenn sie de« Leid, der Schmach, die über die Familie hereingebrochen, entrückt ward?
(Fortsetzung folgt.)
Einiges über den Ziegenmelker.
<Bortrag in einer Ausschußsitzung des Gießener Thierschutzvereins.)
Der Ziegenmelker, der eigentlich den richtigen Namen Rachtschwalbe oder Tagschlaf führt, ist ein Zug- oder Wandervogel- er kommt von seiner weiten Reise Anfangs Mai in Deutschland an; er verläßt uns wieder im September und dehnt nach Lenz seine Wanderung bis in die Mitte von Afrika auS. Den Namen Ziegenmelker hat man demselben ehedem in einer Zeit, in der der Aberglauben in voller Blüthe stand, fälschlich beigelegt, weil man damals glaubte, daß er den Ziegen und Kühen die Milch aus dem Euter sauge, was demselben aber ganz unmöglich ist, denn sein Schnabel ist nicht zum Saugen geschaffen. Daß im Alter- thum ein so höchst dummes Märchen, daS schon Aristoteles mit noch anderen thörichten Dingen erzählte, entstand und Beifall sand, nimmt nicht Wunder, daß sich dieser Aberglaube -aber bis in unsere aufgeklärte Zeit in manchen Gegenden Anter dem Volke erhalten konnte, ist ganz unbegreiflich. Aus dem oben Gesagten geht hervor, daß diesem Vogel der
Name Ziegenmelker fälschlich beigelegt wurde, und ich werde denselben daher von jetzt ab mit seinem richtigen Namen „Nachtschwalbe" bezeichnen.
Die Nachtschwalbe, die ein echter Nachtvogel ist, trägt rin einfaches, aber doch schönes Kleid- dasselbe ist oben aschgrau mit sehr vielen dunkelbraunen Punkten, mit einzelnen schwarzen Strichen versehen, und die Unterseite ist rostfarbig und schwarz gewellt. Das Männchen hat an der Spitze des Schwanzes auf jeder Seite einen weißen Fleck, der dem Weibchen fehlt. Auch befinden sich auf jedem Flügel nach der Spitze zu drei weiße Federn und die Federn des Unterschnabels sind weiß gesäumt. Der Schnabel derselben ist kurz, hat eine nagelsörmig hackige Spitze, aber sie kann denselben weit bis hinter die Augen aufsperren, und er ist daher geeignet, unsere dickleibigsten Nachtschmetterlinge ganz zu verschlingen. Zu Gesicht bekommt man diesen Vogel höchst selten, denn am Tage ruht er meist festschlafend am Boden unter einer Hecke oder auf einem niedrigen Aste, zusammengekaucrt und ganz unkenntlich, und nur einem sehr scharfen Auge ist es möglich, denselben zu entdecken. An Größe kommt die Nachtschwalbe einer Schwarzamsel gleich, ihre Länge beträgt 28 Zentimeter - ihre Flugweite 44 Zentimeter, und ihr Flug ist während der Nacht, weil ihr Gefieder weich, leise, gewandt und schnell. Die Füße derselben sind kurz und schwach, und das Gehen auf dem Boden oder Aesten fällt ihr daher sehr schwer. Das Vaterland der Nachtschwalbe erstreckt sich in Europa vom Mittelmeer bis nach Schweden, und bei uns in Deutschland bewohnt sie am liebsten Tannenwälder, in deren Nähe sich Wiesen, Wasser und Viehweiden befinden.
Das Brutgeschäft beginnt bei der Nachtichwalbe so in der Mitte des Monats Mai, aber von einem Nestbau kann bei ihr nicht die Rede fein, denn das Weibchen legt gewöhnlich zwei längliche Eier in eine zufällige Vertiefung am Boden zwischen Gestrüpp oder unter Haidekraut. Die Brütezeit, die etwa 14—16 Tage dauert, wird von den beiden Alten abwechselnd höchst sorgfältig ausgeführt, und die häßlich breitköpfigen Jungen, die mit einem grauen Flaum bedeckt sind, werden nicht nur von den beiden Eltern treu bewacht, sondern auch reichlich mit Nahrung, die ausschließlich nur aus schädlichem Ungeziefer bestebt, versehen.
Nun will ich zum Schlüsse noch anführen, was der genaue und gewissenhafte Naturbeobachter Dr. Karl Neuß in seinem vortrefflichen Werke über Vogelschutz von der Nachtschwalbe berichtet:
„Wenn unsere verschiedenen Schwalben, die Rauch», Mehl- und Thurmschwalben, die man mit Recht edle Thiere nennt, am Abend ihr fleißiges nützliches Tagewerk für die Menschen beendet haben, so beginnt die gefräßige Nachtschwalbe ihre in hohem Grade nützliche Thätigkeit, denn in der Abend- und Morgendämmerung und in mondhellen Nächte» streicht sie beständig auf der Suche nach Nahrung umher. Ebenso wie die Fledermäuse vertilgt auch sie dann große in der Dämmerung umherschwirrende Käfer, darunter auch sehr viele Maikäfer und namentlich Nachtschmetterlinge, deren Raupen bekanntlich unsere Bäume und Gemüse am ärgsten verwüsten, und all' das kleine, schädliche Geschmeiß von Motten und Mücken, Bremsen und Schnaken findet ebens» sein Grab in dem weiten Rachen der Nachtschwalbe, die nur deshalb auch bis in die Gehöfte und Ställe streicht, weil sich eben dort jene Kerbthiere am zahlreichsten ansammel». Lasse man sie also ruhig gewähren- sie stört Niemaud's Schlaf- sie melkt und blendet unsere Hausthiere nicht- sie frißt weder Körner, noch Fleisch- sie verursacht aber auch gar keinen Schaden- sie arbeitet vielmehr in der Nacht zum Nutzen für die Menschen, die sie zum Danke verleumden und verfolgen — sagt Karl Vogt sehr treffend, und wir müssen uns dem Gesagten anschließen und alle unsere Leser bitten, soviel als möglich zum Schutze dieses ungemein nützlichen Vogels beizutragen."
Mögen sich besonders meine verehrten Herren Zollegen


