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WWIenn Du Dich selber machst zum Knecht, kSjJT Bedauert Dich Niemand, geht Dir's schlecht-
Machst Du Dich aber selbst zuni Herrn,
Die Leute sehen es auch nicht gern.
Bleibst Du aber, wie Du bist,
So sagen sie, daß nichts an Dir ist. Goethe.
Muttersohn.
Roman von Arthur Zapp.
(Fortsetzung.)
Und nun . . . nun stand immer seine Schuld zwischen ihm und jeder Lebensfreude, nun war er sein ganzes Leben lang zur Lüge und Heuchelei verdammt, nun war jede Stunde seines künftigen Lebens eine geheime Marter, eine stille Qual . . . nun war er der Elendesten einer!
Ganz darniedergeschmettert sank er in seine Kniee und preßte sein zuckendes Gesicht auf das Polster des Sophas,- seine Verzweiflung machte sich in einem ungestümen Weinen Luft. Er hörte nicht, wie die Thür leise geöffnet wurde. Erst als er eine Hand auf seiner Schulter fühlte, fuhr er erschreckt empor. Seine Mutter stand vor ihm und sah ihn erstaunt, erschreckt an.
„Aber was hast Du denn, Ottochen?" rief sie außer sich, als sie seine Thränen sah. „Was ist Dir denn, mein lieber Junge? Heute an Deinem Ehrentage und weinen! Hast Du vielleicht Schulden, Ottochen?"
Er konnte dem Drange nicht widerstehen, der ihn zu der Jmmerguten, Jmmermilden zog, die mit ihm fühlte wie kein anderer Mensch auf Erden. Er warf sich an ihre Brust und weinte und schluchzte von Neuem.
Sie drückte ihn an sich und tätschelte mit zitternder Hand seinen Kopf,- wie sie es ehemals mit dem weinenden Kinde so oft gethan und mit schmeichelnden, besänftigenden Koseworten redete sie auf ihn ein: So weine doch nicht, Ottochen! Mein lieber, guter Junge! Wir werden's ja bezahlen, wir werden ja Rath schaffen. Nur weine nicht so, mein Liebling, mein lieber, guter Otto !"
Der Gedanke durchzuckte ihn, ihr Alles zu sagen, seiner schwer gepreßten Brust Luft zu machen, ihr der alle Zeit zur Nachsicht und Verzeihung Bereiten anzuvertrauen, was
; ihn bedrückte. Aber als er sich nun aufrichtete und in ihr angst verzerrtes Gesicht sah, das in banger Spannung an seinen Lippen hing, da sank ihm der Muth. Nein, nein, er kann es ihr nicht sagen das Furchtbare, Entsetzliche. Es würde die Ahnungslose zerschmettern, tödten. Und so zwang er das Geständniß, ivas ihm auf die Lippen treten wollte, wieder hinab und heuchelte eine unbefangene Miene.
„Nichts, nichts ist, Mutter," sagte er, „es ist nur, weil ich so über Alles nachdachte. Und da kam mir der Gedanke, ob es doch nicht am Ende unrecht von mir gewesen, zuzulassen, daß Ihr ... . Du und Vater, meinetwegen so viele Opfer gebracht habt. Und ich weiß nicht, ob ich's Euch mal werde vergelten können. Vielleicht . . . vielleicht wär's doch besser gewesen, wenn Ihr mich nicht hättet studiren lassen, wenn ich ein einfacher Mensch geblieben wär', so wie Carl. Vielleicht wär' das auch für mich besser gewesen, und ich wär' ein glücklicherer Mensch geworden als ich heute bin, und wir Alle wären glücklicher, Mutter!"
„Jh, warum nicht gar, — sagte sie und ihr Gesicht erhellte sich mit einem Male und sie lächelte glücklich zu ihm auf, — und wenn's nochmal so viel gekostet hätte! Mir wär's nicht leid, nicht eine Minute! Nein, nein! Deshalb mach Dir nur keine Skrupeln, mein Goldjunge! Das ist ja das höchste Glück für die Eltern, wenn sie ihre Kinder was Rechtes werden lassen können." Auch Vatern reut's nicht, wahrhaftig nicht. Hast Du's gehört, was er vorhin zu mir gesagt hat? Er ist ja so stolz auf Dich, so stolz! Nein, nein! Nun lege Dich nur hin und schlafe Dich nur aus! Es sind ja nur die aufgeregten Nerven bei Dir. Du hast zu viel studirt. So, so! Nun geh' nur in's Bett, mein lieber, mein guter, goldener Junge!"
Sie half ihm den Rock und die Weste ausziehen. Dann ging sie hinaus. Aber ein Viertelstündchen später hörte Otto sie leise, auf den Zehen in sein Zimmer zurückschleichen. Er hatte schon die Lampe ausgelöscht und lag im Bett und stellte sich schlafend, als sie sich nun lauschend über ihn beugte.
XV.
Am anderen Tage in-der Mittagstunde ... die kleine Familie hatte sich eben zu ihrer einfachen Mahlzeit niedergesetzt . . . erschien Helene ganz unvermuthet. Sie war ganz außer Athem, ihr Gesicht war blaß, ihre Mienen verstört. Otto'n durchfuhr ein eisiger Schreck. Eine beklemmende Ahnung stieg in ihm auf.
„Ist was passirt? Ist Fritzchen krank?" fragte die Mutter theilnahmsvoll. Die Gefragte schüttelte mit dem


