70
was man ihm auf dem Polizeibureau gesagt. Er wagte nicht, den Blick zu der Jammernden und Weinenden zu
Morgen will ich hin . . . uach Moabit . . . mit dem Untersuchungsrichter sprechen, — fugte er s-mem Bericht hastig hinzu. — Der wird einen schärferen Bück haben, als die Polizei, der>ird sich überzeugen lassen, daß Carl
Frau Köster stand neben ihr, beugte sich zu ihr hinab und bemühtestsich^sie Qnbere Seite und unterstützte die
Bemühungen seiner Frau mit allerlei Trostgründen.
„Seine Unschuld wird sich Herausstellen. Er kann s ja nicht gewesen sein . . . unmöglich ! Das trau' ich meinem Sohne nicht zu. Es handelt sich ja nur um em paar Tage Untersuchungshaft."
Otto konnte den Jammer nicht länger ertragen. Er entfloh in fein Zimmer und hier stand er doch wieder an der Thür und preßte sein Ohr lauschend an das Schlüsselloch. Die Klagen Helene's drangen ihm wie Dolchstöße m das Der; und mehr als einmal legte er die Hand auf die Klinke und der Impuls durchzuckte ihn, hinauszurreten und, der Weinenden zuzurufen: „Tröste Dich, trockne Deine Thranen, I Dein Carl ist unschuldig, ich bin's gewesen, ich!
Aber immer im letzten Augenblick versagte ihm der Muth. Es ging über seine Kraft, hier im Angesicht seines Vaters, seiner Mutter sich selbst als Dieb zu bezeichnen. I Morgen vor dem Untersuchungsrichter würde er Alle» ge- I stehen, morgen! * #
Helens aber schien für den Trost wenig empfänglich.
„Was meinst Du denn, Ottochen?"
Wie gelähmt hatte Otto dagesessen, wahrend heiße Fieberschauer seinen Körper durchrannen. Jetzt fuhr er auf UI,b L'L^H^ur Polizei- .stieß er kurz mit heiserer Stimme hervor, während er seine Blicke starr aus den Fußboden heftete, als ob sie sich scheuten, denen der
Cr s'Mit diesem Bescheid wurde Otto abgefertigt, und ihm blieb nichts übrig, als sich auf den Rückweg zu machen. Seine Schritte wurden diesmal kleiner als auf dem §™toe9- Ja, sie klebten förmlich an dem Trottoir, als er sich letz der Rüqenerstraße näherte. Was sollte er ihr sagen? E maüe sich ihren Schmerz, ihre Verzweiflung aus. und eine furchtbare Angst vor ihrem Anblick, ein heftiger Widerwillen, seinen Weg fortzusetzen, befiel ihn. Einmal machte er sogar Halt und that°ein° paar Schritte in die. entgegengefttzt Richtung. Aber schließlich kehrte er doch wieder um. Was nützte es ihm, wenn er es hinauszögerte, einmal mußte er ja doch nach Hause gehen und Carls Frau unter die Augen
Als er nun oben ankam, stürzte ihm Helene in fiebernder Erwartung entgegen. '
Otto zuckte mit den Achseln und stockend erzählte er,
uchlg die Unschuld Ihres Bruders Herausstellen wird, aber vorläufig sind die belastenden Momente so erhebt ch, daß ich eine Haftentlassung mit meiner Berusspfücht nicht vereinbaren könnte. Daß Ihr Bruder am Tage vor der That in Ihrer elterlichen Wohnung war, um eure Summe in der genauen Höhe des gestohlenen Betrages von ^hrxm Vater zu leihen, ist Thatsache."
„Ein unglücklicher Zufall," — stöhnte Otto und zog sein Taschentuch, um die feuchte Stirn abzutrocknen.
„Nicht minder belastend," fuhr der Richter fort, oyuc von dem Zwi chenruf des jungen Mannes Notiz zu nehmen, „ist der Umstand, daß sich Ihr Bruder gerade zu der Zeit als der Diebstahl geschehen sem mußte, in der Wohnung stirer Eltern befand. Was hatte er da zu thun r
Er kam, um die heftigen Worte, die er am Tage zuvor während eines Streites mit dem Vater geäußert, zurückzunehmen."
Der Richter lächelte. , m .
„Das sieht," sagte er, „sehr nach einem Vorwand aus, den Sie, Herr College, wenn Sie der Sache mehr ob,ecttv gegenüberständen, ebensowenig für stichhaltig haften wurden, wie ich es thue. Ihr Bruder war bei diesem Besuche . . . das geht aus den Aussagen Ihrer Mutter klar hervor . . . auffallend unruhig und hastig. Eine Tasse Kaffee, die lh
| von Ihrer Mutter angeboten wurde, schlug er ab und schor
Der Untersuchungsrichter hörte den jungen Mann mit wohlwollender Aufmerksamkeit an. Otto schilderte mit warmer Beredsamkeit die Jugend seines Bruders, seinen offenen treuherigen Character, seine Rechtlichkeit und sein
V Herr »«,/' W*
Bruder ist völlig unschuldig. Ein schweres Unrecht ge- schicht ihm. Das betheuere ich Ihnen, das schwöre ich Ihnen bei Allem, was mir heilig ist."
„Ihr warmes Eintreten für Ihren Bruder macht Ihrem Herzen alle Ehre," versetzte der Richter, „und ich
Anderen zu begegnen.
Helene erhob sogleich ihr Gesicht.
Ich danke Dir," Otto sagte sie herzlich. — „®u erweisest mir und Carl einen großen Gefallen. warte
M-i'° 3« gS*„;b.6"M im Sauf« d°r M»
b,ne ",A-
ÄÄ. D-.
die Sache bearbeitete, war nicht mehr anwe,end. Otto' Bitte, mit dem Jnhaftirten sprechen zu dürfen, wurdenicht be^ willigt. Am Nachmittag wurde Carl nach Moabit in öa; Unte?suchungsgefängniß überführt und die Angelegenhei dem Untersuchungsrichter übergeben werden. An den möge
Kopfe und brach in Thränen aus. Aber es war nur ein momentanes krampfhaftes Ausschluchzen, in de sich d stundenlang verhaltene Aufregung Luft machte Sie brauchte nur ein paar Sekunden, um sich wieder zu fassen.
Carl ist seit halb neun Uhr fort und ist noch nicht Zurück," berichtete sie. - „Statt seiner erschienen vorhin zwei Criminalbeamte bei mir und durchsuchten unsere ganze Wohnung." , ,Ktcuc. .... —, „ .. -
" Der alte Köster fuhr in die Hohe. . « . ( Sie war auf einen Stuhl, der am Tisch stand, gesunken,
„Durchsuchten Eure Wohnung. . wiederholten mit ben Händen verhüllt nnd weinte laut
seine zuckenden Lippen. Der große, s d., h I ftnnh neben ihr. beugte sich zu ihr hinab unl
am ganzen Körper und seine Augen öffneten sich wett und starnen in sassungslosem Schreck auf Helene. ,,^a, wa^ bat denn das zu bedeuten? .
Es kann doch nur wegen der Geschichte sem, m der j er als Zeuge vorgeladen ist," erwiderte Helene, sich die । letzte Spur ihrer Thränen aus den Augeu wischend und sah I bleich, aber gefaßt zu dem Vater hinüber. Ich begreife nicht, wie pe auf diesen wahnsinnigen Gedanken kommen, daß Carl . ." sie schauderte und schlug ihre Hande vor das Gesicht und stöhnte aus tiefster Brust-
Du meinst doch nicht . . .?" stammelte der Alte.
Daß sie ihn für den Dieb halten," ergänzte Helene, die Hände vom Gesicht sinken lassend. „Freilich muß ich das denken, denn warum sonst wie Hausplchung und warum . er müßte doch längst zurück sein. _ .
Sie ließ stch in den ihr zunächst stehenden Stuhl sinken, stemmte die Ellbogen uns den Tisch und stutzte ihren Kopf tU ÖEgrau Köster hatte sich bisher, in stummen Erschrecken ihre Hände ringend, schweigend verhalten, ^etzt wandte sie


