Ausgabe 
2.7.1898
 
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Die Keime Deiner Ewigkeit.

Tiedge.

etttaue Gottes Vaterhänden, Wenn er den frömmsten Wunsch versagt; Was hier beginnt, wird dort vollenden. Wo Dir ein neues Leben tagt. Es ruh'» im engen Raum der Zeit

Felsgarten.

Roman von Clara Bücker.

------- (Nachdruck verboten.)

I.

Lächelnd sahen die beiden Damen dem linkischen Burschen zu.

Adieu für heute, lieber Heine," hatte die schöne Frau Tauchlitz gesprochen und ihm dabei die Hand geboten.

Gleichzeitig legte er die Rechte hinein, ohne seine um die Peitsche geballte Linke vom Rücken zu nehmen.

Du bist und bleibst ein Bauer," tadelte die Mutter ihn und zog den Arm der Freundin wärmer an sich.

Weiter gingen Beide, stolze, vollentwickelte Gestalten mit schönen, rothwangigen Gesichtern.

Neben dem Wirthschaftshofe am Hause hielt der Wagen, zu dem Frau Wulffen ihren Besuch geleitete und bet dem ihr ältester Sohn Franz mit den kleinen Töchtern der Freundin bereits wartete.

Die modisch und sylphenhaft. gekleideten Mädchen, denen die Locken mit derselben Absichtlichkeit in die verzärtelt rosigen Gesichtchen geschoben, mit der die rosa Hutbänder geschlungen, die Schärpen drapirt und die Schühchen gestickt waren, benahmen sich so allerliebst, daß sie Frau Wulfsens mütterliches Empfinden sehnsüchtig stimmten. Neben ihren beiden Bengeln, gesund und kräftig, Gott sei Dank, aber wahrlich nichts weiter, könnte solch ein Kleines schon noch blühen; ach, sie würde es Herzen und lieben.

Auf ein Wort ihrer Mama winkten die Kleinen mit den Händchen.

Leb wohl, Heine. Besuch' uns bald."

Fahrt man!" schrie der, ohne sich vom Fleck zu rühren.

Desto cavaliermäßiger verabschiedete der fünfzehnjährige ! Franz die Gäste, winkte wie seine Mutter dem davonrollenden \ Gefährt nach und ging dann mit ins Haus; absichtlich warf ;

er keinen Blick nach dem jüngeren Bruder, der im Garten allein blieb.

Beide Hände auf dem Rücken stand Heinrich Wulffen noch auf derselben Stelle. Er sah in die Baumwipfel. Waren sie vorhin von der untergehenden Sonne röthlich bestrahlt, daß sie leise rauschend nur desto grüner im Farben­reiz des Himmels über sich aussahen, so hüllten sie jetzt bläuliche Schatten ein; die einzelne Zweig- wie Blattform trat zurück, dunkel, aber eindringlicher flüsternd standen sie um Heinrich her. Ihre Sprache weckte ihm eine tönende Antwort im Herzen, die ihn bewegte, obwohl er immer noch in die Betrachtung vertieft war, weshalb seine gute, allezeit fröhliche Mutter zwei Freundinnen gegenüber sich stets fröhlicher und freundlicher gab. Nöthig hatte sie es doch ganz und gar nicht!

Die Eine, Frau von Scheven, war Hausdame beim Onkel Wulffen auf Hohenried, aber Alle hatten sich um sie, als sei sie Königin na, er wahrhaftig nicht, wenn der Vater ihr auch die Hand küßte, und der Onkel, der sonst so knurrig war, ihr den Ehrenplatz im Hause gab. Und Frau Tauchlitz blieb mit sammt ihren beiden Mädeln unaus­stehlich, das mußte doch Jeder sehen!

Heinrich blickte ungestüm um sich und gerade in das Gesicht der Sphinx, die aus grauem Sandstein hier im Garten lagerte. Der Onkel hatte sie von seinen Reisen mitgebracht, und den Eltern geschenkt, er entsann sich dessen genau, obwohl er damals noch ein Knirps gewesen war und nur staunend zu dem Ungethüm hatte aufsehen können, das der Vater coloffal und die Mutter Prächtig genannt harte.

Im Laufe der Jahre gewöhnte er sich an diese Ver­körperung fremdländischer Gedanken. Der geheimnißreiche, hoheitsvolle Frauenkopf flößte ihm Zutrauen ein; eine rücksichtslos nackte Brust verrieth höchste Unerschrockenheit, wohingegen der Löwenleib mit seiner furchtbaren Kraft ihn gleichsam verwarnte: Wenn sie dir auch gefällt, tückisch bleibt sie doch !

Nun traf sein erregter Blick die steinerne Ruhe der Räthselhaften.

Warum sind die Menschen so lügnerisch? Weshalb verstecken sie ihre Herzen? Weißt du's etwa? Nicht? Mir scheint, sie sind dir ähnlich; du heuchelst deine Kraft auch bloß, als könntest du wunder was, dabei zwinge ich dich, Lügnerin du!"

Und er ließ die Peitsche über den frauenhaften Nacken sausen.

Allein der Stein rührte sich nicht, geheimnißvoll lächelte