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Samstag dm 2. April. /L
ommt Dir ein darbend Menschenkind Entgegen rothgewemt,
0? Erbarm' Dich seiner Roth geschwind, Du, dem die Sonne scheint!
Es ist ein Altar, von dem Herrn
Zum Opfer Dir gesandt;
Leg' nieder Deine Gabe gern
Und mit verschwieg'ner Hand.
Der Amtmann von Rapshagen.
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
XX
„Wir haben ihn!"
Doctor Holten, der jetzt nicht mehr für nöthig hielt, sich unkenntlich zu machen, deshalb den Mantel über den Arm geschlagen trug und auch den großen Filzhut abgenommen hatte, begrüßte mit diesem etwas doppelsinnigen Ausruf den Lenker eines am ersten Kreuzwege im Walde haltenden Wagens und der Angeredete fragte denn auch-
„Wen?"
„Vorläufig den Papagei," antwortete der Herr, welcher am Nachmittag die auf die Ausgrabung des Papageis bezüglichen Verhandlungen mit Krischan geführt hatte und der von seinen Begleitern Herr Ewert genannt ward.
„Steigen die Herren jetzt schnell auf," sagte der Kutscher, der Niemand anders war als der Amtsrath Wenzel selbst, „meine Pferde find des langen Wartens recht müde und meine Damen werden sich auch wundern, daß ich in so später Stunde aus Greifswald heimkehre. Es entspricht das Alles nicht meinen Gewohnheiten."
„Kommt auf Rechnung Ihres Gastes, den Sie ordentlich in der Umgegend herumkutschiren müssen," erwiderte Ewert, sich mit einer nicht mehr für den jungen Mann be- wundernswerthen Leichtigkeit zum Amtsrath auf den Bock schwingend, während die beiden anderen Herren im Wagen Platz nahmen. „Ich hofie, die Belästigung .hat die längste Zeit gedauert und ich kann an einem der nächsten Tage abreisen."
„Sind Sie Ihrer Sache denn wirklich so ganz sicher,
; Herr Ewert?" sagte der dritte Herr, welcher bisher noch - nicht gesprochen hatte.
- Der Amtsrath zog gerade die Zügel an, schnalzte mit ; der Zunge und die Pferde setzten den Wagen mit einem Ruck in Bewegung, wodurch der Angeredete für einen Augenblick am Antworten verhindert ward. Erst als der Wagen auf dem weichen Waldweg glatt und mit wenig Geräusch dahinfuhr, wandte er sich um und entgegnete':
„Ich hoffe, Material genug gesammelt zu haben, Herr Amtsrichter."
Der mit dem Titel Bezeichnete nickte. „Das haben Sie allerdings, aber es wird mir dennoch schwer, an so viel sträflichen Eigennutz, an eine solche rasfinirte Bosheit zu glauben." 0
„Das macht Ihrem Herzen alle Ehre, Herr Amtsrichter," nahm Doctor Holten das Wort, „wenn Sie aber alle That- sachen aneinander reihen: die durch die Sachlage durchaus ? nicht gerechtfertigte, sehr hohe Lebensversicherung, die große i Heimlichkeit, mit der sie betrieben ward, wie die Geheim- ; Haltung der Verlobung meiner armen Schwester, die schlaue : oder sagen wir auch brutale Weise, mit der Göbener jeden ; ^orkehr zwischen ihr und mir verhindert hat, und endlich j die Aussagen der Leute, welche ihn an jenem Sonntag • Cantate gesehen haben —"
i //3a/ ia/ das sind alles Verdachtsgründe, die uns ja i °uch veranlaßt haben, der heutigen Expedition zuzustimmen, obwohl sie streng genommen, nicht ganz in Ordnung war!" fiel der Amtsrichter ein.
„Warum nicht?" fragte Holten lebhaft. Statt des Amtsrichters erwiderte Ewert:
„Wir befanden uns sozusagen in einer Zwickmühle. Ohne eine Beschuldigung gegen den Amtmann zu erheben, dursten wir eine Ausgrabung des Papageis nicht verlangen und ohne die Beweise, welche wir an der Leiche zu finden hoffen, konnten wir ihn nicht beschuldigen."
„Es ist doch aber nicht etwas so Erhebliches, einen verscharrten Papagei auszugraben," bemerkte der Amtsrath.
„Es hätte dazu immerhin der Erlaubniß des Amtmannes Göbener, auf dessen Grund und Boden er eingescharrt lag, bedurft, und ich bezweifle stark, daß er diese gutwillig gegeben hätte,1 bemerkte Ewert. „Nach Allem, was ich in Erfahrung gebracht, haben wir es mit einem sehr geriebenen Fuchs zu thun."
„Und wenn Ihre Vermuthung sich nicht bestätigt, oder durch Autopsie des Vogels kein Beweis geliefert werden kann ?" wandte immer noch sehr bedenklich der Amtsrichter ein


