Ausgabe 
1.5.1898
 
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handel sind die Arrowroot liefernden Knollen von Maranta arundinacea wichtig geworden. Die Savannen, welche der Viehzucht ergiebiges Weideland bieten, sind durch Einführung deS Guinea- und ParLgrases (Panicum maximnm und P. molle) verbessert worden. Die Thierwelt Cubas, welche zur westindischen Subregion der neotropischen Region gehört, ist sehr arm an einheimischen größer» Säugethieren. Affen und Hirsche sind eingeführt, ebenso ist der auf Cuba ver­wilderte Hund ein Nachkomme des eingesührten Hundes. Wirklich einheimische Säugethiere sind eine Reihe zum Theil characreristischer Fledermäuse, ferner eine Art Aguti (Dasy- procta cristata) und andere stattliche baumbewohnende Nager; die merkwürdigste Erscheinung aber bieten zwei zur Gattung Schlitzrüßler (Solenodon) gehörige Insectenfresser, da die Jnsectensresser in Südamerika völlig fehlen und ihre nächsten Verwandten sich in Madagaskar finden. Die Küsten Cubas werden von einer Robbe besucht, die der Mönchsrobbe des Mittelmeeres nahe verwandt ist. Die Vogelwelt setzt sich zusammen theils aus für Cuba charakteristischen Arten, theils aus Arten, die der neotropischen Region eigen sind, theils aus nordamerikanischen Vögeln, die aber auf Cuba zum größten Theil nur Zugvögel sind. Von den Reptilien sind bestimmte Geckonen, Nattern und Riesenschlangen für Cuba und die übrigen Antillen characteristisch, zahlreich sind Schild­kröten und von den Amphibien eine Laubfroschgattung. Die Süßwasserfische schließen sich denen Südamerikas an, die sehr zahlreichen Landmollusken dagegen zeigen merkwürdigerweise nähere Beziehungen zu Asien und Afrika. Die Jnsectenwelt zeichnet sich ,durch Retchthum und Pracht, zum Theil auch durch characteristische Formen aus.

Die Bevölkerung betrug 1887: 1,631,687 Köpfe (88.,600 männlich, 749,087 weiblich), darunter 528,798 Farbige und 44,000 Chinesen. Die indianischen Urbewohner sind längst dem harten Druck erlegen, den die Spanier auf sie ausübten, und die heutige Bevölkerung setzt sich wesentlich aus den seit 1511 eingewanderten Weißen und den seit 1524 als Sclaven eingeführten Negern zusammen. Vollblutneger heißen Morenos, Mulatten Pardos. Nachdem 1872 alle von Sklavinnen gebornen Kinder für frei erklärt worden waren, schaffte man 8. Mai 1880 die Sclaverei gänzlich ab, und zwar ohne den seitherigen Eigenthümern eine Entschädigung zu gewähren. Doch sollten die Neger noch 8 Jahre in einem gewissen Ahbängigkeitsverhältniß zu ihrem frühern Herrn stehen- 1892 wurde auch dies für die letzten 25,000 Neger ausgehoben. Da die freigelassenen Neger wenig Lust zur Arbeit zeigen, hat man chinesische Kulis eingeführt. Unter der weißen Bevölkerung besteht ein wesentlicher Gegensatz. Den auf der Insel gebornen Kreolen ist die spanische Herr­schaft tief verhaßt, da sie sich zurückgesetzt und alle Staats­ämter und einträglichen Posten in den Händen der Spanier sehen, welche ganz im Geiste der Centralregierung das Land zu eignem Vortheil ausbeuten. Daher die häufigen Er­hebungen gegen die Regierung ins Werk gesetzt von einer wachsenden republikanischen Partei, welche Anschluß an die nordamerckanische Union anstrebt. Die römisch-katholische Kirche, bis 1869 die einzig zu Recht bestehende, steht unter dem Erzbischof von Santiago de Cuba und dem Bischof von Havana. In neuester Zeit hat man aber sämmtliche Kirchen­güter confiscirt, die Geistlichen zu Staatsbeamten gemacht und andern Confessionen die Bildung von Kirchengemeinden gestattet. Das Unterrichtswesen liegt sehr darnieder. Aller­dings hat Havana seine Universität und verschiedene höhere Schulen, aber an Elementarschulen ist Mangel, und selbst unter den Weißen ist die Zahl der Analphabeten sehr groß.

Ackerbau ist die Hauptbeschäftigung, doch sind nur 7s/3 Procent der Oberfläche unter Cultur, 27 Procent sind natürliche und künstliche Wiesen, der Rest Wald. Am wichtigsten ist der Anbau von Zuckerrohr, Namentlich in der Vuelta Arriba, dem obern District, an der Nordseite der

Insel, in der Region der berühmten rothen Erde, während der District der Vuelta Abajo an der Südseite namentlich Tabak erzeugt. Nächstdem ist Kaffee im östlichen Departe­ment am wichtigsten, auch wird Baumwolle, Cacao und Indigo, Reis an einigen Stellen, Mais aber in ausge­dehntem Maß gebaut. Die großen Pflanzungen werden meist in kleinen Parzellen an Pächter vergeben, welche die ganze Rohrernte an eine Centralfabrik abliefern. Einige solcher Fabriken können über 400,000 Centner Zucker im Jahre erzeugen. Auf diese Weise hat sich die nach der Sclavenemancipation und durch die Ausstände herunterge­gangene Zuckerprodnction von 623,538 Tonnen in 1888 bis auf 725,000 Tonnen in 1891 gehoben.

(Fortsetzung folgt.)

Humoristisches.

Verunglückte Probe. Onkel:Neulich hatte ich meinem Neffen einen Hundertmarkschein in ein Studienhest gelegt- hat er den gefunden?" Hauswirthin:Natürlich! Wie er Nachts heimkam, da hat er den ganzen Studirlisch umgeschmissen, und da ist der Hundertmarkschein heraus gefallen."

* *

Sicherer Beweis. Ches:Na, haben Sie das Geld von Müller bekommen?" Commis:Leider nein. In der Straße wohnten eine Menge Müllers und keiner wollte uns etwas schuldig sein. Einer warf mich sogar die Treppe hinunter". Chef:DaL war der richtige. Gehen Sie sofort wieder zu ihm!" * *

Im Gerichtssaal.Angeklagter, Sie haben den Mann mit Ihrem Bierglas geschlagen!"Geschlagen? Keene Idee! Bloß eenen Salamander hab' ich auf ihm jerieben!"

*

Ein zweideutiges Versprechen.Tausend Dank, Herr Nachbar, daß Sie mir mit dieser kleinen Summe aus meiner großen Verlegenheit geholfen haben- nie werde ich Ihnen diese Wohlthat vergessen- ich werde ewig Ihr Schuldner bleiben!"Oh, das wollen wir nicht hoffen!"

* ch

Aus -en Lustigen Blättern.

Ein Phlegmatikus. Gattin:Sieh doch mal, in der zweiten Etage des gegenüberliegenden Hauses brennt es und die Leute scheinen keine Ahnung davon zu haben. Ich werde schnell mal hinüberlaufen!"Gatte: Ach, was willst Du da erst hinübergeh'n, laß nur ich kann ja den Leuten eine Postkarte schreiben!"

Literarisches

DaS Thierrrich. Bearbeitet vonvr. L. Heck, PaulMatschie, Professor Dr. v. Martens Bruno Dürigen, Dr. Ludwig Staby und E. Krieghoff. Erscheint in 120 Lieferungen zum Preise von je 10 Pfg. und umfaßt ca. 140 Druckbogen mit 1455 Abbildungen und 12 Tafeln in feinstem Farbendruck. Auch zu beziehen in 4 gehefteten tzalbbänden zum Preise von je 3 Mk. oder in 2 hochfeinen Leinenbänden zum Preise von 15 Mk. Verlag von I. Neumann in Neudamm.

Von der in Stuttgart im Verlag von Carl Grüninger er­scheinenden ,Musikalischen Jugendpost" liegt uns das erste Quartal vor; dasselbe enthielt wieder eine Reihe dem jugendlichen Fassungsvermögen angepaßter belehrender und unterh ltender Artikel, Erzählungen, Humoresken und Märchen, sowie Gedichte mit hübschen Illustrationen, kurzweilige Anecdoten, Räthsel rc. Ferner 24 Seiten Musikbeilagen, bestehend aus melodiösen Clavierstücken, Liedern mit Clavierbegleitung und Duos für Clavier und Violine.

stedaction: I. Hermann *11«. »ruck und Verlag der Brühl'schen Universitätr-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen