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wünschen sollte — es konnte ihr ja nur noch sehr wenig, nur noch das Extravaganteste Freude machen. Was hatte sie nicht Alles schon genossen, — Reisen durch ganz Europa! — Ihr Haus war überfüllt an Kunstschätzen, ihr Schmuck war der einer Prinzessin/
Man pries ihr Familienleben als besonders glücklich, gefällige Freundinnen fanden ihre Kinder engelschön — sie kannte keinen Menschen, der ihr widerspräche, wenn sie ein Urtheil fällte. Sie hatte keine Pflichten, die sie drückten, wie diejenigen Frauen, die in einem Herrscherhause lebten; sie konnte die Etikette abschütteln und ungebunden sein, wenn sie wollte. Und man würde immer noch behaupten, daß sie das gut kleidete. Bah, wie sie diese Heuchelei haßte — wenn sie einmal Jemanden fände, der ihr die Wahrheit sagte, der grob mit ihr wäre — oder der sie liebte — selbstlos, bis zur Vergessenheit — oder wenn sie so lieben könnte — sie —. Das Blut schoß ihr heiß zu Herzen, es klopfte ihr in den Schläfen, eine plötzliche Schwüle nahm ihr den Athem — lächerliche, phantastische Einfälle — .sie war Ebba Lund, die kühle Frau, welche über Allem stand.
(Fortsetzung folgt.)
Cuba,*)
die größte der westindischen Inseln, von den Spaniern Anfangs Juana, dann Ferdinanda und wegen ihrer Schönheit und Fruchtbarkeit die Königin oder Perle der Antillen genannt, zwischen dem Mexikanischen Golf, der Floridastraße, dem Windwärtscanal und der Caribischen See und zwischen 19« 49'—23° 13' nördlich Br. und 74« 10'-84« 55' westlich L. v. Gr-, 1300 Kilometer lang und 40—160 Kilometer breit, mit einem Areal von 112,191 Quadratkilometer (2037,5 Quadratmeter), mit den zugehörigen Inseln (Isla de Pinos (3145 Quadratkilometer), Los Colorados, Romano, Laberinto de doce Leguas u. a.) aber von 118,833 Quadratkilometer (2158 Quadratmeter). Die Küsten, ohne die Buchten und Vorsprünge 3190 Kilometer lang, wovon 1684 auf die Süd- und 1506 auf die Nordküste entfallen, sind theilweise mit Corallen- riffen umsäumt oder auf weite Strecken hin sumpfig, doch hat Cuba 40 gute Häfen, unter denen die von Havana, Matanzas und Santiago die schönsten und geräumigsten sind. Die wichtigsten Caps sind Punta de Maifi im Südost, Cabo de Cruz im Südwest und Cap San Antonio im Nordwest. Ueber die flache, breitscheitelige Landhöhe, welche die Wasserscheide zwischen den nach Norden und nach Süden fließenden Gewässern bildet, steigen vereinzelte, bis über 500 Meter hohe Gebirge empor, die fast sämmtlich von Westen nach Osten streichen. Im äußersten Westen erreicht die Sierra de los Organos im Pan de Gaijabon 600 Meter, weiter östlich steigen die Mornes de l'Escambray im Portrarillo bis zu 1200 Meter an. Im äußersten Südosten erstreckt sich die Sierra Maestra 370 Kilometer weit vom Cabo de Cruz bis zur Maisispitze (Pico de Tarquino 2560 Meter). Im Süden schroff vom Meer ansteigend, fallen diese Alpen Cubas im Norden sanfter nach der fruchtbaren Ebene des Cauto ab. Die geognostischen Verhältnisse von Cuba lassen die Insel als eine Fortsetzung der vom südlichen Mexiko und aus dem Golf von Honduras über die Caymaninseln herüberstreichenden, zum Theil unter dem Meer versunkenen Gebirgskette erscheinen. Der Südabfall der Sierra Maestra besteht aus kristallinischen Schiefern, eigenthümlichen Breccien und Massengesteinen (Granit, Dioriten)- an sie lehnen sich am Nordabhang des Gebirges, bis in die Nähe von Holguin sich er
*) Den vorstehenden, gegenüber den kriegerischen Verwickelungen zwischen den Vereinigten Staaten und Spanien zeitgemäßen und interessanten Artikel entnehmen wir mit Erlaubniß der Verlagshandlung der neuen Auflage von Meyers Conversations-Lexikon. In dem Werke besitzt das deutsche Volk einen Schatz, den zu hüten und für die allgemeine Bildung fruchtbar zu machen Jedermann sich zur Pflicht und Ehre rechnen muß.
streckend, flachgelagerte, Braunkohlen führende Tertiärablagerungen,- dann folgt ein Syenit- und Serpentinzug, der von lichten, theils dem weißen Jura, theils wegen der Führung von Hippuriten der Kreide zugerechneten Kalksteinen begleitet wird und sich durch die ganze Insel bis Havana erstreckt, allenthalben reich an Kupfererzen, Chromeisen und Gold. Die Nordküste ist von tertiären Kalksteinen umsäumt, aus welchen sich in langen Rücken glaukonitische Kiesekalke, Mergel und Sandsteine, oft reich an Asphalteinlagerungen, hervorheben. Gneis, Talkschiefer und älterer dunkler Kalkstein finden sich auch westlich von Trinidad,- schwarze Thonschiefer und Quarzite von vermuthlich Paläozoischem Alter bilden den westlich von Mantua gelegenen nördlichen Theil der Insel. An Mineralquellen fehlt es nicht, doch werden sie wenig benutzt- auch entbehren sie noch aller comfortabeln Badeeinrichtungen. Von den 150 Flüssen der Insel ist nur ein einziger, der in der Sierra Maestra entspringende Cauto, auf eine größere Strecke (150 Kilometer) schiffbar. Er mündet in den Gran Bajo de Esperanza. Das Klima ist ungesund. Die Monate von Mai bis October (hauptsächlich October) sind regenreich, weniger die übrigen. Regenmenge zu Havana 118 Zentimeter, Jahrestemperatur 25,g«, kältester Monat Januar, 22,2,«, wärmster August, 28,0°, mittlere Jahresextreme 37,8® und 12,9« C. An der Nordostseite ist der Nordostpassat Regenwind. Cuba liegt in der Gegend, wo die westindischen Cyklone, von Osten kommend, nach Nordosten einbiegen. Während vom Juni bis October Havana als eine der gesundesten Städte der Welt angesehen wird, besitzt es im Winter das lieblichste, mildeste Klima.
Die Pflanzenwelt Cubas zeigt in den bis zu den Gipfeln der Berge reichenden tropischen Waldungen den dem westindischen Archipel eignen pflanzenphysiognomischen Character mit der Eigentümlichkeit, daß die Fichten hier bis in die heiße Region herabsteigen. In ihren Formen schließt sich die Vegetation derjenigen des Festlandes des tropischen Amerika an. Von den durch den Golfstrom verbreiteten Pflanzen besitzt unter den Antillen Cuba die meisten Arten. Die herrschenden Baumformen mit der Belaubung des Lorbeers oder der Oliven treten in einer besonders mannigfaltigen Mischung der Familien auf. Neben den gewöhnlichen Gruppen der Lauraceen finden sich Vertreter von Sapotaceen, Rubiaceen, Urtikaceen, Guttiferen, Mhrtaceen, Melastomaceen, Tiliaceen, Anonaceen u. A. Palmen sind weniger mannigfaltig. Neben der Fächerpalme Sabal mnbraculifera ist die durch ihre Stammhöhe ausgezeichnete Kohlpalme (Oreodoxa oleracea) zu neunen. In einer Meereshöhe von 1200—2300 Meter beginnen die Farnbäume, an den tiefem Standorten begleitet vom amerikanischen Pisang (Heliconia) und von Bambussen. In den weniger feuchten Gegenden herrschen Leguminosen, Sapindaceen und Terebinthaceen vor. Zu den ansehnlichsten Bäumen gehört der Baumwollbaum (Eriodendron anfrac- tuosum), der ebenso wie die aromatische Mhrtacee Pimenta vulgaris, deren Früchte als Nelkenpfeffer in den Handel kommen, den trocknen Boden bevorzugt und der Mahagonibaum (Swietenia). Groß ist die Menge der Sträucher von der Myrten- und Oleanderform, ebenso sind die Euphor- biaceen reich vertreten (Groton Phyllanthus), im höchsten Theile des Gebirges Erioa-Arten. Lianen und Epiphyten sind gleich mannigfaltig in den feuchten Wäldern wie an trocknen Standorten. Dort herrscht mehr die holzige Liane, hier die weichere Convolvulus-gorm. Unter den Epiphyten ragen hervor Bromeliaceen, Kakteen und Eious-Arten- Epiphytische Orchideen kommen überall vor- Kakteen nur auf den dürren Landstrichen. Bedeutende Veränderung hat die Vegetation durch den Anbau erfahren. Im Westen von Cuba dienen zwei Drittel des Landes der Erzeugung von Culturgewächsen: Zuckerrohr, Baumwolle, Kaffee und Tabak. Der ebenfalls cultivirte Melonenbaum Carica Papaya scheint einheimisch zu sein, vielleicht auch einige in die europäische Cultur übergegangene Kakurbitaceen, wie die Kürbisarten Cucurbita maxima, Pepo und moschata. Für den Welt-


