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chnurrt Dir stets des Glückes munt're Spule, O, wie wenig lernst Du all' die Zeit!

Doch nimmt Dich das Unglück in die Schule Siehe, über Rächt bist Du gescheit!

Der Amtmann von Rapshagen.

Criminal-Roman von F. Arnefeld.

(Fortsetzung.)

Als er, sobald der Diener das Zimmer verlassen hatte, sich wieder an die Tochter wandte, klang es aber sehr bestimmt:

Gehe auch Du auf Dein Zimmer, Meta."

Vater, es handelt sich um mein Lebensglück!"

Die Augen des jungen Mädchens füllten sich mit Thränen. Sie lagen unter zarten, blaugeränderten und von goldig schimmernden Wimpern eingefaßten Lidern, waren nicht sehr groß, aber von einem sehr seltenen Grün­blau, das auf einem wie Perlmutter schimmernden Grunde schwamm, und sie hatten in diesem Augenblick einen so rührenden Ausdruck, daß es dem Amtsrath recht schwer ward, seine abweisende Haltung zu bewahren. Nicht unfreundlich, aber fest sagte er:

Glaube mir, mein Kind, es fällt mir nicht leicht, anscheinend hart gegen Dich zu sein, aber Du mußt schon das Vertrauen zu Deinem Vater haben, daß sein fünfzig­jähriger Kopf besser zu erwägen vermag, was zu Deinem Glücke dient als Dein zwanzigjähriger."

Ohne ihr Zeit zu einer Entgegnung zu geben, verließ er schnell das Zimmer und schloß dessen Thür mit fester Hand.

Auf dem Wege vom Speisezimmer bis nach seinem Wohn- und Arbeitszimmer, welcher durch gewölbte, mehrfach gewundene Gänge führte, ging mit dem Amtsrath eine große Veränderung vor.

Es schien, als wandele sich plötzlich der zärtliche, be sorgte Vater in den Herrn, der seit vielen Jahren gewohnt war, einer Schaar von Leuten zu gebieten und unweigerlichen Gehorsam zu finden,- in den Mann, der fest und selbstbe­wußt in den eigenen Schuhen stand und des wohlverdienten Ansehens, das er ringsum im ganzen Kreise und darüber hinaus genoß, mit Stolz, aber ohne Hochmuth, eingedenk war.

Straff richtete sich die hohe, kraftvolle Gestalt auf. Die breite, feste Stirn mit dem kurz gehaltenen, leicht er­grauten Haar, die von starken Brauen überwölbten scharfen Augen und die stark gebogene Nase, wie das feste Kinn, zeugten von Dhatkraft, und auch der Mund, um den ein Zug lagerte, der auf Nachgiebigkeit schließen lassen konnte, drückte jetzt unbeugsame Festigkeit aus.

Noch eine Minute zögerte er, als müsse er nochmals mit sich zu Rathe gehen, dann legte er die große, kräftige Hand auf den Drücker der schweren, tiefdunklen Eichenthür und trat ein.

Das Arbeitszimmer des Amtsraths Wenzel war ein großer, viereckiger Raum mit gewölbter Decke und einer bis zur halben Wandhöhe reichenden glänzend gebahnten Täfelung aus Eichenholz, die ebenso tief nachgedunkelt war wie die massiv eichenen Thüren und Umrahmungen der Fenster, von denen zwei nach dem Park und zwei nach dem Schloßhof gingen. Der übrige Theil war hellgrau getüncht und hatte nur einen einzigen Bilderschmuck, das Brustbild der ver­storbenen Gattin des Amtsraths im weißen Kleide, mit einer Rose im Haar, das im vergoldeten Rahmen über dem mit schwarzem Leder überzogenen, gradlehnigen, allem An­schein nach recht harten, unbequemen Sopha hing.

Einige sehr schöne Geweihe, vom Amtsrath eigenhändig erbeutet, zeugten von dessen Jagdliebhaberei, auf die auch ein wohlgefüllter Gewehrschrank deutete, welcher in der einen Ecke, gegenüber dem alterthümlichen Ofen aus weißen blaubemalten Kacheln stand. Außerdem waren die Wände bedeckt von Speeialkarten der Provinz und der Kreise, Repositorien und Wandbrettern, angefüllt mit mächtigen Folianten, Aetenheften, Büchern und Zeitschriften, meist land- und forstwissenschaftlichen Inhalts, Getreide- und Wollproben und dergleichen. Aehnliche Dinge lagen und standen auf dem vor dem Sopha befindlichen viereckigen Tisch.

In der tiefen Nische eines der nach dem Schloßhof gehenden Fenster stand der sehr breite Schreibtisch mit Rohrgeflecht, davor breitete sich ein großes, glänzendes Fell auf dem braungebeizten Fußboden aus, sonst war im Zimmer kern Teppich vorhanden.

In diesem schmucklosen Raum, der außerdem nur noch einige Rohrstühle und einen eisernen Geldschrank enthielt, erledigte der Amtsrath alle auf die Verwaltung der Domäne bezüglichen Angelegenheiten und empfing diejenigen Personen, welche lediglich in Geschäften zu ihm kamen, sowie solche, deren Besuch er von Anfang an einen rein geschäftlichen Character zu geben wünschte.