fuhr dem ihm anbefohlenen Orte zu. Plötzlich befand er Armin!! Ke sich ans einer Fläche, auf der Stöße von Brennholz auf- \ vergessen..

dem Sterbebette wurde er wieder und dachte nach, dann betrachtete den Gasflammen mehr, dazwischen

stöhnte laut.

Nachdem er den Insassen seines Wagens los war, fuhr er mit derselben Trostlosigkeit zurück, je näher er dem Ziele kam, desto größer wurde seine Unruhe und er hieb auf die Pferde ein, daß sie dahinrasten, als seien sie wild geworden. Nur noch Mieze lebend antreffen, das war sein Wunsch und darum vorwärts, vorwärts!--

Er fuhr in den Hof, sprang vom Bock und eilte hinein, aber zu spät die Augen des Kindes hatten sich schon für

abgelenkt durch das Lärmen der Nachtzügler wie die wohl ihr Heim ausfinden würden, er wieder die gelblichen, unruhig flimmern- in den Laternen und allerlei Kleinliches

Modern. Der kleine Armin (der zur Strafe tags­über in der Kinderstube bleiben muß):Jetzt will ich doch 'm st sehen, ob Papa nicht in der Zeitung hat einrücken lassen: Armin!! Kehre zurück zu den Deinen!! Alles vergeben und

immer geschlossen.

Wilhelm setzte sich auf den Bretterstuhl, stützte beide Ellenbogen auf die Kniee und vergrub sein Gesicht in den Händen. Sein Schmerz war grenzenlos. Nachdem er wohl eine Stunde geseflen hatte, stand er auf, ging ans Fenster und blickte hinaus in die Nacht. Da fiel ihm ein blendender Strahl in die Augen. Was war das? O jeh, das war | das Licht von der Wagenlaterne. Erschreckt eilte er hinaus i und fand das Gefährt noch an derselben Stelle, an der er ] e§ verlassen und vergessen hatte. Die Thiere, die vordem schaumbedeckt von der Hetze nach Haus gekommen waren, standen jetzt klappernd und zitternd da. Wilhelm führte sie in den Stall, fuhr sich verzweifelt durch die Haare und stöhnte: O Herr, zu allem Unglück kommt auch noch die Roth, jetzt jagt er mich fort, die Pferde sind hin. Dann ging er hinein, tröstete Mile und versuchte zu schlafen.

Acht Tage waren darüber vergangen, Mieze war be­graben und die Vernachlässigung der Pferde hatte Wilhelm die Kündigung eingebracht. Das war nun zum Verzweifeln, um so mehr, als er nicht wußte, wie er das Mile beibringen sollte, auf die mußte jetzt doch auch Rücksicht genommen werden, vielleicht nahm auch der Herr in einer guten Laune sein Wort zurück. Ja, bei einer guten Laune wollte er ihm seine traurige Lage einmal recht zu Herzen führen und diesen Entschluß führte der Kutscher auch aus, als er ge­legentlich zum Herrn befohlen wurde. Die Unterredung zwischen Beiden blieb erfolglos. Der Herr blieb bei der Kündigung, nachdem er ihm mit herzlosen Worten klar gemacht hatte, daß ihm ein Kutscher, der bei jeder Klermg- keit kopflos sei, nichts nützen könne. Wilhelm nahm gebückt, seine Mütze unruhig zwischen den Händen drehend, darauf seinen Auftrag entgegen, der darin bestand, Streu von einem großen Platze zu holen. Er machte sich fertig und

Hninovistisches.

Eine anstrengende Stellung. Frau A.:Ihr Herr Bruder ist also Gymnasiallehrer geworden. Wie gefällt es ihm denn in seiner neuen Stellung?" Frau L.Ganz gut; er hat freilich viel zu thun, er giebt 26 Stunden."Frau A.: Täglich?"

* * *

tauchte wieder das traurige Bild in seiner Stube auf, bis er einen Augenblick nicht mehr wußte, ob ihm ein böser Traum geweckt.

Er fuhr sich über die schweißbedeckte Stirn und kam wieder zur Besinnung, daß Alles wirklich so ist.

gestapelt waren, und nachdem er die ihm angewiesene Streu aufgeladen hatte, blickte er um sich, er sah Holz, viel Holz. Da tauchte ein Gedanke in ihm auf: Könntest Du wohl eine Klobe, nur eine davon nehmen? Hier so viel und zu Hause nichts. Der Gedanke verließ ihn nicht mehr; scheu sah er um sich und erblickte Niemand. Dann schlich er an einen der Holzstöße heran, faßte eine Klobe, zog daran und sie gab auch wirklich nach, von Angst erfüllt, schob er sie wieder zurück, doch nein, was kommt es denn auf die eine Klobe an. Wieder gewahrte er keinen Menschen, trat abermals einen Schritt näher, zog hastig mit einem Ruck die Klobe hervor da hielt er das Gestohlene im Arm und als er sich noch immer unbeachtet sah, schob er das Holz unter die Streu und fuhr scheinbar ruhig hinaus.-- t .

Ein Stück des Weges fuhr er noch Schritt, doch immer schwerer wurde ihm die Last; ihm war es, als sei er selbst vor den schweren Wagen gespannt, er keuchte. Die Menschen auf der Straße schienen ihn alle anzusehen, und als er an der nächsten Straßenecke einen Schutzmann stehen sah, malte ihm seine Phantasie schon Fürchterliches aus. Von Gewissens­qualen gehetzt, jagte er nun durch die Straßen und athmete erst auf, als er die Landstraße erreicht hatte. Da, o Schrecken, wieder eine Gestalt, sie kam näher, es war em Gensdarm. Wieder fuhr er in schnellstem Tempo. Die Klobe hatte sich bei der hastigen Fahrt hervorgeschoben und fiel unglücklicherweise in dem Augenblick herunter, als der Wachtmann vorüberging; das raubte dem Armen nun ganz die Besinnung und als Jener ihn anrief:Heda, die

I Klobe"-- mehr hörte der Kutscher nicht, da hielt er,

sprang vom Wagen und rannte wie von Furien gehetzt seldein. Der Gensdarm sah einige Augenblicke wie gebannt dem sonderbaren Vorfälle zu und glaubte, der Mensch sei verrückt geworden, dann aber lief er, so schnell er konnte, hinterher. Wilhelm war die Mütze vom Kopf gefallen, er wandte sich danach um und gewahrte dabei den Verfolger; jetzt war er ganz außer Fassung, flog mehr als er lief und ein entsetzliches Bild stieg vor seinem geistigen Auge auf. Er sah das Gefängniß, hörte deutlich Dieb, Dieb, rufen. Barmherziger Himmel hilf mir, rette mich", stöhnte er. Plötzlich hemmte ein das Feld quer durchschnetdender Fluß seinen Lauf das war Rettung doch Mile und die Kinder, dann wieder die Schande, alles verwirrte sich in seinem armen Kopfe noch ein kurzer Kampf, dann em Sprung in die Tiefe und---Wilhelm hatte es

I überstanden.---------"7

Das Wasser zog große Ringe um ihn, der Kopf tauchte noch einige Mal auf und als der Gensdarm das Ufer er­reichte, sah er, wie zum letzten Male die Wogen über dem Unglückseligen zusammen schlugen.

Indessen waren die Pferde instinctiv dem Hause zuge­laufen und als Mile den Wagen rasseln hörte, schrckte sie die Kleinen hinaus und sagte:Geht dem Vater entgegen, sagt ihm, der Storch hat einen kleinen Bruder gebracht.

lieber sei. Nein, für so etwas hatte der Lebemann kein Verständniß, und darum, sich aufgerafft!"--

Wilhelm umarmte Mile, warf noch einen tiefschmerz- lichen Blick auf sein Kind und ging in den Stall. Hier steckte er seinen Körper in eine Livree und bald saß er auf dem Bocke eines eleganten Coupees; dann fuhr er den Be­rauschten nach seiner fern gelegenen Wohnung.

Während der Fahrt saß er mit fieberhafter Unruhe und allerlei wirre Gedanken durchdrangen sein Hirn. Er gedachte der Nachttouren, die er so oft bei Wind und Wetter für die Herren hatte machen müssen; das war freilich nicht angenehm, aber was that's? ,

Wenn er dann nach Hause kam, lag doch Alles in guter Ruh, aber heute, wenn er heute zurückkehrt, er mochte es gar nicht ausdenken; und dabei trat Mieze auf immer deutlicher vor seine Augen, dann

«ed-ction: Ä. Scheyda. Druck und Vertag der Brühl'schen Uuiversitäts-Buck- und Steindruckerei (Pietsch & ©djftjia) in ®lc$en.