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„Dieser elende Schurke," entgegnete ihr Vater, „vor dem brauchst Du Dich doch nicht mehr zu fürchten. Ferrari ist ja auf Lebenszeit auf die Galeere geschickt worden."
Das Mädchen seufzte und erwiderte: „Und doch kann ich den Gedanken an ihn nicht los werden. Als er den Saal verließ, wandte er sich zu seinen Freunden, die für ihn als Entlastungszeugen aufgetreten waren, und rief: „Gedenket Eures Freundes, Brüder, und rächt mich an jenem englischen Mädchen dort."
„Ah, bah! Das waren leere Drohungen, mein Kind." „Trotzdem erfaßte mich die Furcht, als sie mit einander flüsterten und ein schwarzbärtiger Italiener seine Hand hochhielt, seine dunklen Augen auf mich richtete und ausrief: „Du sollst gerächt werden, Bruder, sie wird uns nicht entwischen."
„Aber Kind, ängstige Dich doch nicht deswegen. In England brauchst Tu Dich vor den Racheschwüren eines Italieners nicht zu fürchten. Zu Deiner Beruhigung will ich Dir jedoch verrathen, daß der Mann, den Du neulich für meinen Sccretär hieltest, ein Detektiv ist, der uns überall hm folgt."
„Und ich habe ihn stets für Deinen Secretär gehalten." „Nicht ganz," lachte der alte Herr, „bis jetzt habe ich noch keinen finden können."
Guy Merivale, der das junge Mädchen mit großem Interesse beobachtet hatte, stand jetzt auf und ging in Vas Restaurant, wo er sich in einer Ecke an einem Tische nieder- licß. Er hatte kaum Platz genommen, als auch das junge Mädchen und ihr Vater eintraten und Beide an einem Nebentische Platz nahmen, den Rücken ihm zugewendet.
„Die können sich jetzt auf eine halbe Stunde entfernen, Davis, wenn Sie wollen, können Sie auch speisen gehen," bemerkte der alte Herr zu einem Manne, der iynen unmittelbar gefolgt war.
Das Restaurant war fast leer- doch so spät es auch bereits war, Merivale verspürte keine Neigung, irgend welche Vergnügungen aufzusuchcn. Er bezahlte seine Zeche, stützte den Kopf auf die Hand und überließ sich seinen trüben Gedanken. Wäre er weniger vertieft gewesen, so hätte er wohl bemerken müssen, daß der Kellner vom Nebentische ihn aufmerksam beobachtete.
„Sieh' da," murmelte dieser für sich, „der Mann schläft, rasch an's Werk."
Im selben Augenblick rief auch Mabels Vater den Kellner. Nachdem auch er bezahlt, bemerkte er zu seiner Tochter, daß er sich nur noch ein paar Cigarren kaufen wolle, in einer Viertelstunde sei er wieder zurück. „Dann," fügte er hinzu, „werden wir gehen und uns das Concert anhörcn."
Kaum hatte dieser das Restaurant verlassen, als Mabel, in ihren Stuhl zurückgelehnt, bald in einen leisen Schlummer versank, aus dem die Stimme des Kellners sie plötzlich mit den Worten aufschreckte: „Wollen das Fräulein nicht diesen Liqueur nehmen?"
„Nein, ich danke," versetzte Mabel kurz, „ich danke."
Er trat noch näher an sie heran und zischte ihr in's Ohr: „Sie werden diesen Chartreuse rrinken, mein Fräulein, Sie werden auch nicht schreien und sich bewegen, oder ich steche dies hier Ihnen in's Herz."
Mabel sah, wie vor ihren Augen ein Stilet blitzte, indeß der Kellner fortfuhr: „Haben Sie Florenz vergessen? Erinnern Sie sich noch Ostia Ferraris?"
Langsam bewegte das junge Mädchen den Kopf und blickte den Italiener mit stieren Augen an, während eine Leichenblässe ihr Gesicht überzog. Sie erkannte die Augen, die sie im Gerichtssaal zu Florenz angeblitzt und sah, daß sie verloren war.
„Weshalb wollen Sie, daß ich das Glas austrinke? Ich weiß, es ist Gift darin."
„Und wenn dem so ist," antwortete er höhnisch, „so können Sie mir nur dankbar sein, es fließt dann wenigstens kein Blut. Schnell, schnell, trinken Sie, bevor der alte Herr zurückkommt, oder Sie zwingen mich, den Dolch zu gebrauchen."
Am ganzen Leibe erbebend, nahm sie das Glas und setzte es langsam an ihre Lippen.
In demselben Augenblick sah sie, wie das Gesicht des Italieners sich verzerrte, eine starke Hand packte ihn von hinten und schleuderte ihn zurück.
Es war Guy Merivale. Er hatte von seinem Tische aus seine hübsche Nachbarin beobachtet und gesehen, wie ihr Gesicht leichenblaß geworden war, gleichzeitig hatte er bemerkt, daß der Kellner unter seiner Serviette ein Stilet bereit hielt. Lautlos war er von seinem Stuhle aufgcstanden und hatte sich an den Italiener herangeschlichen, ehe dieser etwas merken konnte.
Wenige Secuuden später kehrte Mabels Vater in Begleitung des Detectivs zurück, und während der erstere sich erschreckt über das Mädchen beugte, packte der letztere den Italiener, der nun sofort den Händen der Polizei übergeben wurde.
„Ihr Name, mein Herr?" fragte der alte Herr, sich zu dem jungen Manne wendend.
„Guy Merivale," versetzte dieser.
„Mr. Merivale, haben Sie innigen Dank." Und thränenden Auges fügte der alte Herr hinzu: „Gott segne Sie, Sie haben mir mein einziges Kind gerettet."
Dann schüttelte er ihm wieder die Hand und fuhr fort: „Sie werden meinen Namen kennen, ich bin Lord N . . . Es ist mir bekannt, daß Sie im Auswärtigen Amt beschäftigt sind und ich freue mich, daß uns das Schicksal zusammengeführt hat, denn ich bin ein alter Freund Ihres Vaters, darum will ich auch einen Theil des Dankes schon heute an Sie abtragen. Ich weiß, daß Sie sich in Ihrer augenblicklichen Stellung nicht wohl fühlen, daher biete ich Ihnen eine andere- ich gehe in den nächsten Tagen als Gesandter nach den Balkanstaaten und würde mich freuen, wenn Sie als mein Privatseeretär zu mir kommen würden- wollen Sie diese Stellung annehmen?"
„O, Mylord, wie soll ich Ihnen danken?"
„Still, still, keinen Dank, kommen Sie jetzt zu meiner Tochter."
Dann trat er an das junge Mädchen heran, das sich bereits einigermaßen erholt hatte, und bemerkte zu diesem: „Liebe Mabel, in Deinem Retter gestatte ich mir, Dir Guy Merivale vorzustelleu, in welchem ich nicht nur den Sohn eines alten Freundes, sondern auch meinen neuen Seeretär gesunden habe." —
Wenige Monate später verkündeten Londoner Zeitungen die erfolgte Verlobung der beiden jungen Leute.
GeineZnnÄtzig-s.
Gebackene Tomaten. Ein Dutzend schöne, reife Tomaten wäscht man, befreit sie von den Stengeln, schneidet sie horizontal durch und entfernt die Samenkörner. Dann stellt man die Hälften, mit der offenen Seite nach oben, in eine niedere, ausgebutterte Steingutschüssel, füllt die Tomaten mit feingehacktem Schinken, streut Salz und Cayennepfeffer, ebenso geriebenen Parmesankäse und Semmelbröseln darüber und bäckt sie bei guter Oberhitze eine Viertelstunde. Dann werden sie mit einem Schäufelchen einzeln aus oer Schüssel gehoben, auf erwärmter Platte angerichtet und, mit einigen Tropfen „Maggi" beträufelt, servirt. Sollten sie viel Saft gezogen haben, läßt man sie in der Schüssel und trägt sie in dieser auf.
Redaktion» U> Schk-da. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Stcindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Bießm.
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