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hat man nicht

Dieser anmaßende Ton der großen Dame kommt

n

,Mr. Phelps

Ihnen nicht zu," wüthete die Directorin.

eine Gouvernante."

(Fortsetzung folgt.)

Ihre Schönheit Scenen. Bellas

in der einfachsten Toilette elegant aussah. wurde ihr Martyrum. Es kam zu heftigen Stolz bäumte sich auf.

In Ihrer Stellung, Miß Kränzele,

Mädchen im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren, Töchter wohlhabender, theils reicher, aber nicht feiner, vornehmer Leute. Der Uebermuth des Geldstolzes zeigte sich schon bei diesen Kindern. Der geringe Respect, welchen sie für die Lehrerin an den Tag legten, schwand fast ganz, als Mr. Phelps, der selbst wie ein Dockarbeiter sprach, wiederholt vor den Schülerinnen Bellas Aussprache des Englischen tadelte. Mit stummem Vorwurf traf ihn ihr Blick, da machte sich plötzlich der alte Zauber ihrer Augen geltend. Mr. Phelps änderte sein ganzes Verhalten gegen sie. Desto schroffer wurde nun die Directorin. Sie fand mit einem Male, daß Bella sich zu elegant kleide, daß sie zu gefallen suche. In ihrer Verblendung mißkannte sie, daß Bella selbst

Ursache, hochmüthig zu sein," sagte Mrs. Phelps in be­leidigendem Tone.Es kommt aber Alles von Ihrer Putz­sucht. Ich werde diese Extravaganzen nicht mehr dulden. Sie werden sich künftig einfacher kleiden."

Ich werde mich kleiden, wie ich will!" entgegnete Bella empört.

O, werden Sie?" eiferte Mrs. Phelps.Mir scheint, Sie wollen nur Männer fesseln!"

Dazu hätte ich wohl keine Gelegenheit," versetzte Bella ironisch.Es ist so albern als unwahr!"

wird Sie wegen Widerspenstigkeit sofort entlassen!"

Mr. Phelps stand dabei, öffnete hilflos den Mund, brachte aber kein Wort hervor.

Bemühen Sie sich nicht weiter," schloß Bella den Streit mit tiefer Entstrüstung.Ich bin ganz bereit, dies unerträgliche Joch abzuwerfen."

Sie stellte Ihre Thätigkeit auch ohne Weiteres ein.

Miß"Noung,einederkörPerlichentwickelsten Schülerinnen, hatte bei einer anderen Veranlassung zu Aergerniß mitleidig gesagt:Kommen Sie zu uns, Miß Kranzler, Mama wünscht

Zn Todesgefahr.

Novellette von Peroy Wince.

------- (Nachdruck verboten.)

Die gesammte vornehme Welt Londons war zur Kunst­ausstellung geströmt; unter den Besuchern schien nur ein einziger weder Vergnügen noch Interesse an den Gemälden zu finden.

Auf einem Stuhl im Garten sitzend, die Beine aus­gestreckt und den Hut tief in das Gesicht gezogen, bot Guy Merivale gleichsam ein Bild der Verzweiflung. Sein eleganter Anzug wie sein tadelloses Aeußere deuteten darauf hin, daß er den besseren Kreisen d.r Gesellschaft angehörte.

Er war im Auswärtigen Amt beschäftigt, woselbst er eine untergeordnete Stellung bekleidete, pecuniär von einem Onkel unterstützt. Der plötzliche Tod desselben hatte ihm indeß diesen Zuschuß geraubt.

Während er so in sich versunken dasaß, ging ein junges Mädchen mit blauen Augen und blondem Haar an ihm vorüber, geführt von einem alten, elegant gekleideten Herrn, anscheinend ihrem Vater; das junge Mädchen schien sich in ziemlicher Erregung zu befinden.

Aber Mabel," bemerkte der alte Herr,Du wirst Dich doch vor dem Gedränge nicht fürchten, es ist ja bei Weitem nicht so schlimm, wie der Carnevaltrubel in Florenz."

O, sprich nicht von Florenz, Vater," erwiderte sie, ich kann nicht an Italien denken, ohne mich an jene ent­setzliche Gerichtsverhandlung zu erinnern, in der ich gegen Ferrari, der unfern Kutscher erstach, Zeugntß ablegen mußte."

II.

Bella Kranzler kam mit der bestimmten Erwartung in die Riesenstadt an der Themse, daß es ihr unschwer gelingen werde, eine ihrer umfassenden Bildung entsprechende Unterhalts­stellung zu finden. Darin irrte sie sich. Ihr Selbstgefühl erlitt die stärksten Slöße. Sie sah hunderte von deutschen Mädchen aus besseren Klassen auf fruchtloser Stellenjagd. Viele sah sie vom Elend ergriffen. Ihr selbst blieben, da sie keine mächtigen Empfehlungen an bestimmte, einfluß­reiche Persönlichkeiten brachte, die Häuser der Aristokratie fest verschlossen, denn diese Aristokratie hält sich viel ex­clusiver als die deutsche. Wochen lang haschte'sie vergeblich nach einem angemessenen Unterkommen. Endlich, als ihre bescheidenen Geldmittel schon zur Neige gingen, glückte es ihr, in der Alles verschlingenden Fluth des Londoner Lebens einen rettenden Strohhalm zu erfassen: sie wurde als Lehrerin für Französisch und Deutsch an eine Privatschule engagirt. Die Besoldung war karg, ein elendes Kämmerchen wurde ihr als Wohnung angewiesen.Sie werden sich ja meistens in der Schulstube aufhalten!" sagte ihr die sehr häßlich und schlammig aussehende Gattin des Directors Mrs. Phelps. So verhielt es sich auch. Beim ersten Tagesgrauen wurde ihr ein Klingelzeichen zum Aufstehen gegeben und erst Abends spät konnte sie sich zur Ruhe zurückziehen. Sie mußte das Schulzimmer es gab nur eins in Ordnung halten und Mrs. Phelps bürdete ihr alle Correcturen, auch die englischen auf. Da sie früher den Wahn gehegt hatte, in England den Hauch der Freiheit belebend in sich aufnehmen zu können, empfand sie das dienende Sclaventhum desto bitterer.

Trotzig beugte sie sich unter das kaudinische Joch, aber in diesem Trotze schien auch eine Herausforderung gemeinen Hercschersinnes zu liegen. Die Scholaren waren junge

geboten. Sie traf mit fliegender Hast ihre Reisevorbereitungen, um nach England zu gehen und dort eine Stellung zu suchen.

Noch einmal, kurz vor ihrer Abreise, versuchte Arno sie umzustimmen. Er sprach mit ihr unter vier Augen.

Die wahre Freundschaft muß sich doch bewähren dürfen," sagte er,und wann denn dringender als bei entscheidenden Lebenswendungen?"

Nicht in unserer demüthigendeu Verfassung," entgegnete sie,wo ich ... wo Sie . . ."

Ich weiß, was Sie sagen wollen, theuerste Bella," fing er ihre stockende Rede auf;und bei Gott! jetzt wäre für Sie der Moment gekommen, wo Sie zeigen könnten, daß edle Frauenliebe auch mit Demuth sich vereinigen läßt! Jetzt wäre Verständigung Erlösung! Sprechen Sie das erlösende Wort, Bella! Lassen Sie uns frei und offen vor die Gesellschaft treten und den Lebensbund schließen!"

Halten Sie ein, Arno!" bat sie, ihr Antlitz bedeckend. Stellen Sie mir nicht ein Bild vor Augen, das meiner Seele den Abschied noch schwerer macht! Ich muß kämpfen, ich muß! Demuth und Demüthigung in den Augen der Spötter, das sind zwei verschiedene Dinge. Meine Tod­feindin, die Müllern (sie betonte spöttisch das Wort) würde ja fort und fort ihr Müthchen an mir kühlen und mir keine Ruhe lassen! Selbst als Ihre Gattin wäre ich unter den jetzigen Umständen gesellschaftlich unmöglich. Vielleicht. . ."

Nun vielleicht . . .?" fragte er gespannt.

Später," ergänzte sie und reichte ihm mit abgewandtem Gesicht, um ihre Thränen nicht sehen zu lassen, die Hand. Leben Sie wohl, Arno!"

Der Abschied war herb, besonders auch von ihrem Vater.

Ich sehe," sagte er,Du bist trotz alles Elendes noch mein stolzes Kind. Dein Character ist unbeugsam. Nun wird der Alte bald einsam stehen, die Kinder ziehen davon, eins dahin, das andere dorthin ein bitteres Loos!"

Papa, mache mich nicht weich!" bat sie, seine Hände ergreifend.Es muß sein! Aber wir wollen auf ein schöneres Wiedersehen hoffen. Vielleicht führt uns das Glück bald wieder zusammen, vielleicht . . .!"