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Orten polizeilich verboten sei«, so bleibt doch noch genug Sär« übrig, der bei gutem Wille» abgestellt werden könnte. Hier kann aber nur die planmäßige Erziehung zu gegenseitiger RücksichtSnahme helfen. Was mich heute in meinem eigenen Treiben nicht geniert und waS ich deshalb mich auch nicht verpflichtet fühle, in Mcksicht auf den Nachbarn zu unter» laffen und zu mäßigen, kann, wenn ich es unter veränderten Umständen morgen von Anderen über mich ergehen laffen muß, zur Qual und Plage werden. Hier kann nur die Beherzigung deS Sprichwortes helfen:
„WaS Du nicht willst, das man Dir thu', Das füg' auch keinem Andern zu."
SU Preiskonkurrenz für Kochrecepte, im September d. K. von der Liebigs Fleifch-Extraet-Compagnie auS- oeichrieben, hat äußerst zahlreiche Betheiligung gefunden- wie wir erfahren, kommen sämmtliche 100 Preise (20 bis 250 Mk., insgesammt 4000 Mk.) zur Auszahlung und außerdem kauft die Compagnie noch manches nicht prämiirte Recept zu dem f. Z. festgesetzten Honorar. Dem Preisgericht, bekanntlich auS Damen vom Lette-Berein bestehend, ist es gelungen, bis zu dem angesetzten Termin die Prüfung zu beschaffen, und wie gründlich diese vorgenommen worden, dafür zeugt, daß kein Recept für die Prämiirung in Frage kam, ehe eS nicht durch praktisches Kochen in der Kochschule deS Lette-Berein« erprobt worden wäre.
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ES ist eine bedauerliche Thatsache, daß unser Obst immer, »och nicht sorgfältig genug verpackt wird. Es liegt das. daran, daß eine gute Obstverpackung theuer ist und daß die Großhändler behaupten, fie erzielten für ungenügend verpackt-- Obst, wenn es auch unansehnlich geworden, immer noch beffere Preise wie.für gut verpacktes Obst, bei dem sie die theuren Verpackungskosten mit bezahlen müssen. Um nun dem Cön- sumenten tadelloses Obst ohne allzu große Mehrkosten zu verschaffen, "wird eS nöthig sein, eine billige und gute Verpackungsart zu finden, bei deren Anwendnng die Aepfel, um diese handelt eS sich im wesentlichen,. einmal nicht leiden, zweitens aber auch nicht allzu sehr vertheuert werden. In gründlicher Weise ’tmtb die ganze Berpackungsfrage von Aepfeln in der neuesten Nummer des practischen RathgeberS im Obst- und Gartenbau erörtert. Es ist höchst sntereffant, wie da die Ansichten praktisch erfahrener Männer auseinander- gehen — aus der Diskussion sind aber klar die Schwierigkeiten zu erkennen, die zu überwinden sind. Wir können Allen, die sich für die wichtige Frage interesstren, rathen, sich die betreffende Nummer des unermüdlichen Blattes komme» zu laffen, sie wird auf Wunsch gern umsonst zugeschickt von bew SeschästSamt in Frankfurt a. d. Oder.
Literarische»
D« höchste» Record von allen Modenzeitungen hat die wett, — di« ächte, Lipperheibe'sche Modenwelt. Jede der zweimal «oxatlich erscheinende» Nummern mthält aus 16 Seiten großen Formate« etwa: 25 Toiletten nebst Confeetton für Erwachsene, 8 bis 10 Kleider ,c. für Kinder — meist auf künstlerisch ansprechenden, dabe, klar und deutlich gezeichneten Bildern, Darstellungen von wrrthschaft- lichen Neuheiten, Möbeln rc. Nicht genug damit, sorgt ein trefflich xrdigiries Unterhaltungsblatt für gediegene Seetüre und bietet Gelegenheit zu lebhaftem, ebenso amüsantem als lehrreichem AustauB von Anschauungen und Erfahrungen aus dem Kreise der Leserinnen. Schließlich hat jede derselben das Recht, sich zu jeder in der Zeitung enthaltenen Darstellung ein nach ihrem Maß gefertigtes naturgroßes Schnitt- inuster gegen Erstattung der Spesen von 30 Pfg. kommen zu laffen. Der Abonnementspreis dieser reichhaltigsten aller Zeitungen beträgt »ierteljährlich 1,25 Mk.
Zu« Jahreswechsel.
ES senkt sein Haupt so erdenmüd Der alte Jahresgreis, Denn schon in seine Arme zieht Der Tod ihn sanft und leis'. ES blickt der Greis voll Wehmuth noch Auf die entschwund'ne Zeit- Wie war so inhaltsreich sie doch, Do voller Lust und Leid!
Das ganze Häuflein Mensche» drunt', T'- DaS so geschäftig eilt Dort auf dem weiten Erdenrund, Hat sich darein getheilt. — Der Eine zog das große Loos- Der ward ein reicher Mann. Dem Anderen'fiel in den Gchooß Das Glück. — Er nahm's nicht an. — Es glänzten Augen hell und klar, Es küßte mancher Mund, Und nebenan lag auf der Bahr' Ein Mensch zur selben Stund. — Biel Frohes sah der würd'ge Greis, Doch mehr noch sah er Noth Und Jammer in dem großen Kreis Der Menschheit- sah den Tod Ein reiches Erntefest begeh'»- Sah manches Auge, feucht Bon Thränen, auf zum Himmel fleh'», Der Alte seufzt- ihm deucht Trotz aller Noth doch undankbar Der Jubel, der erschallt Dort drunten in der frohen Schaar, Der ihm im Ohre hallt Wie Donner und wie HohngebrauS.
» Der Menschen Jubel gilt Nicht ihm! Ihn treibt man nur hinaus. Im Herzen aber überquillt Das Weh ihm doch in stiller Nacht. Dort draußen vor dem Thor Sieht er in voller Jugendpracht Ein Bürschlein steh'n- ein Chor Bon Genien begleitet ihn: Die Hoffnung und das Glück! Doch Sorge auch mit trübem Sinn Und Täuschung mit dem Blick Der Falschheit. — Alle schmeicheln jetzt Dem künft'gen Herrscher schon Und auch die Menschheit nicht zuletzt Stimmt ein, sich selbst zum Hohn. — Doch so ein Greis ist Pessimist, Zu schwarz steht er vielleicht, Der Tod hat seine Stirn geküßt, Sein Lippenpaar gebleicht - Da sieht er Alles trüb und grau, Sieht nirgends Licht und Freud', Sieht nichts von all' dem HoffnungSthau, Der uns befruchtet heut'.
Wir hoffen auf das neue Jahr.
Wir weihen ihm dies Glas! ,
Wir bringen als Willkommen dar Ihm dieses edle Naß.
Ein Prosit ihm! Es lebe hoch
Die Zukunft, Liebe, Glück! , -
Werft ab mir nur des Trübsinns Joch! Schaut vorwärts, nicht zurück!
O. Czilinskh-
A-dactk«: «. Scheyda. — SmJ uub «erlag der Brühlffche» Nuiversttiits-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Echeyda) tu Eteßm.


