Der Majoratsherr.
Roman van Nataly e. Sschstruth.
(Faachtzunz.)
„Willst Du Feuer oder brennst Du noch?"
Gert seufzt. „Ich brenne lichterloh, Väschen!"
Die kleine Gräfin musterte ihn von oben bis unten. „Majestät sollte seine Lieutenants imprägniren lassen!" weint sie trocken.
Gert fällt aus der Rolle und lacht schallend auf: „Famoser Witz!"
Dann schweigen Beide.
Fränzchen gähnt. „Erzähl mir eine forsche Geschichte, boy! irgend so was von Chinesen und Seeräubern, die liebe ich besonders. Hast Du mal so einen Kerl zu Gesicht bekommen? Hast Du mal an einem Stinkpott gerochen? Ich glaube nämlich nicht so recht an dessen Effect!"
Gert steckte sich eine neue Cigarrette an. Gewaltsam rafft er sich zusammen. Er: muß die nöthige Stimmung schaffen.
„Eine Seeräubergeschichte?" — schwärmerisch schüttelt er den Kopf. „Ach, Fränzchen, danach ist mir momentan wahrhaftig nicht zu Sinnen! Ich bin in so ganz anderer Stimmung, — so freudvoll und. leidvoll . . . gerade so. . . na, Teufel ja, als ob man nur lyrische Gedichte recitiren könnte! soll ich?"
Donnerstag den 30. Dreember
&
as hat das Jahr gebracht? Des Glückes Pracht? — Nimm Dich in Acht!
Trag's mit Bedacht!
Bracht' es Dir Leid?
Leid weiht und feit,
Leid heilt die Zeit.
Wie die Jahre auch zerrinnen, Richt verlieren, nur gewinnen Kannst Du durch den Flug der Zeit. Reicher wird Dein Innenleben, Klarer, freudiger Dein Streben, Heller strahlt die Ewigkeit.
Luise Hitz.
Sie wischte sich nicht' gerade schmeichelhaft über den Mund. „Danke, mir ist schon übel! d. h. Pardon, wenn eS Dir Freude macht, schieß los! Kannst Du denn überhaupt solch Zeug auswendig?"
„Aber, Fränzchen! das gehört doch zu einem verliebten Menschen! z. B. so ein Heine-Gedicht! was liegt da sür Musik drin! wenn einem so träumerisch weh um daS Herz ist, man immer an die Geliebte denkt, — hangend und bangend in schwebender Pein, — welch ein Trost ist dann solch ein stimmungsvolles Gedicht!"
„Ra, sag mal eins auf!"
Gert kommt in Verlegenheit. Eigentlich fällt ihm kein einziges ein, die „Wacht am Rhein" und „Heil Dir im Siegerkranz" paffen nicht in die Situation. Doch — Heine! wie fängt es nur gleich an? — Er hat ein so miserables Gedächtniß! — Oh, Triumph! Das ist furchtbar sentimental! Er legt das Gesicht in düstere Falten und beginnt mit viel Pathos:
„Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht!"
— — „Hab ihn hören plumpsen!" fährt Fränzchen ebenso schwärmerisch fort, — und dann brechen Beide in ein dröhnendes Gelächter aus, nein, es ist absolut keine Stimmung zu erzielen! Eine Weile necken sie sich in gewohnter Weise hin und her.
Fränzchen wirft ihm den Cigarrenstummel an den Kopf und ruft: „Play I"
Er antwortet prompt mit der seinen: „Aut!" „Wollen wir Tennis spielen?"
„Nein, ich spiele fürerst Klapperschlange!"
„Alle Wetter, wie ist daS?"
Sie dehnt die Arme. „Das ist realistische Nachahmung der Natur. Nach Tisch ringelt man sich zusammen und verdaut!"
„All right!"
„Nachher fahre ich die neuen Füchse ein. Kommst Du mit?"
Gert erschrickt, er vertrödelt die beste Zeit. Noch einen Ansturm, es muß gesiegt werden!"
„Ach, Fränzchen!" seufzt er, aber es war mehr ein Stöhnen.
Sie blickt erstaunt auf.
„Was fehlt Dir?"
„Fränzchen!" er faßt wie beschwörend ihre Hand: „Ach, wenn Du wüßtest, wie es mir zu Muthe ist!"
Da richtet sie sich hoch auf und sieht ihm — sich dicht


