Der Majoratsherr.
Roman von Nataly v. Eschstruth.
(Fortsetz«,,.)
Und wenn schwarze Schatten dazwischen treten wollen, die Eltern? — Tante Johanna und Fränzchen? Wenn der Freier ihnen nicht reich genug und vornehm scheint für die schöne Erbin von sechzehn Ahnen? Wird Carl Hellmuth ihren Eltern einen Schwiegersohn wie den Majoratsherrn von Niedeck ersetzen? — Pia preßt die Lippen zusammen und hebt voll stolzer, herber Entschlossenheit das Haupt: „Ja, denn Carl Hellmuth wird ihr Kind glücklich machen!"
Horch . . . eine Nachtigall hebt vor dem Fenster drunten ihr süßeS Liebeslied an!
Wie oft hat Pia solchem Klang gelauscht, ruhig, heitern, kühlen Herzens, verständnißloS.
Heute faßt und begreift sie den Jubel und Schmerz, welcher die kleine Brust zu zersprengen droht. Langsam tritt sie an das Fenster.
Der Mond taucht die ganze Gegend in Silberglanz und: ruhig hin fließet der Rhein . . .
Sie athmet in tiefen, wonnigen Zügen die frische Nachtluft und blickt voll schwärmerischer Sehnsucht nach den Bergen hinaus, wo feine, weiße Nebel wie wallender Duft um die Ruinen wehen.
Sie ahnt nicht, wie reizend ihr mondbeschienenes Antlitz, das lächelnde, liebverklärte, aussteht. Sie sieht nicht, wie eine hohe dunkle Männergestalt jählings einen Schritt aus dem Schatten Vortritt, als wolle sie voll leidenschaftlichen Entzückens die Arme zu der Geliebten heben.
Die jung erschlossenen Fliederdolden duften schwül — und die Flußwellen rauschen leise, träumerisch gegen das Ufer.
Nr. 140.
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ahre Liebe weiß immer das rechte Wort, Wahre Güte ist immer am rechten Ort, Wahre Freude kommt immer zur rechten Zeit, Wahre Größe hat immer Gelegenheit.
Frieda Schanz.
Capitel 18.
Jetzt wird es Frühling! Der Himmel ist blau. Die Wege sind trocken, die Lüfte sind lau — Jetzt kommt der Frühling I Die Vöglein im Wald Zwitschern und locken ihr Weibchen wohl bald! Jetzt wird es Frühling, die Bäume schlagen [au8 Und ich bring meint’ Schätzer! ein’ Veilchenstrauß.
Schwäbisches Lied.
Obwohl man auf dem Dampfschiff für den nächstfolgenden Tag Regen prophezeit hatte, stieg die Sonne dennoch voll strahlender Pracht hinter den Bergen empor, und der Rhein glitzerte mit eiligen Wellen dahin wie ein Strom geschmolzenen Goldes.
Pia ward durch besonders lebhaftes Sprechen und Rufen auf dem Corridor geweckt. Leises Lachen und Flüstern folgte und dann hörte sie die Stimme des Hausmädchens, welche einem Reisenden entschuldigend zuflüsterle: „Das hat gewiß die kleine Amerikanerin gethan, die macht ja gern mal einen Scherz!"
Einen Scherz, welchen Fränzchen in Scene gesetzt hatte? Pia konnte sich eines gelinden Schreckens nicht erwehren. Was hatte der kleine Unband wieder verbrochen? Sie sah nach der Uhr, es war noch ziemlich früh, nebenan in dem kleinen Salon hörte sie Tante Johannas Kammerfrau hantiren.
„Dorette!"
Die Thür ward ein wenig geöffnet und die Alte schaute vorsichtig herein. „Haben das gnädige Fräulein gerufen?!" „Ja, Dorette. Was ist für ein Lärm im Corridor, was hat Comtesse pepirt?"
Die Gefragte lachte ebenso entzückt und nachsichtig, wie die verblendeten Eltern.
„Ach, der alte Witz, gnädiges Fräulein! Sie hat nur die Stiefel und Schuhe vor den Zimmern vertauscht!" „Meine auch?"
„Gewiß, aber die hatte sie glücklicherweise nur dem Herrn Assessor hingestellt!"
Fräulein von Nördlingen ward dunkelroth: „Sie haben sie hoffentlich wieder zurückgeholt, ehe Herr Hellmuth erwachte?"
Die Alte schüttelte lachend den Kopf.
„So ein Jägersmann ist bei Zeiten aus den Federn, gnädiges Fräulein, ich kam aber dazu, wie er die Schühchen in der Hand hielt und sie anstarrte wie ein Wunder, und konnte den Jrrthum gleich aufklären! Was doch ein junger Herr leicht begeistert ist! Du meine Zeit, wenn ich an sein


