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sinn bei einer ursprünglich gesunden Körperübung für's ganze Leben zugezogen hat. War die Ueberanstrengung sehr bedeutend, so kann auch Plötzlicher Tod durch Herzschlag eintreten. Die medizinische Literatur des In- und Auslandes erzählt leider viele traurige Geschichten davon. Namentlich berücksichtige man bei jeder Fahrt, daß man auch wieder zurückfahren muß, verbrauche also bei dem Hinwege nur die Hälfte seiner Kräfte und warte nicht erst, bis man ganz ermüdet ist. Gerade auf dem Heimwege kommt am meisten Herzschlag vor.
Während beim männlichen Geschlechte von ärztlicher Seite immer wieder auf die großen Gesundheitsschädlichkeiten des Krummsitzens auf dem Rade hingewiesen werden mnß, ist dies beim weiblichen viel weniger der Fall. Wahrscheinlich spielt hier die Eitelkeit eine große Rolle. Einer Dame ist eben viel daran gelegen, sich in möglichst schöner Haltung zu zeigen.
Merkt nun eine Frau, daß ihr das Radfahren irgendwie nicht gut bekommt, namentlich daß in gewissen regelmäßigen Functionen ihres Organismus Störunzen eintreten, so unterlasse sie sofort das Radfahren für immer. Wir können darauf hier nicht näher eingehen, wollen nur bemerken, daß bei Vernachlässigung dieser Angelegenheit schwere, bleibende Leiden entstehen können.
Nun noch ein Wort über die Kleidung der Radfahrerinnen vom hygienischen Standpunkte. Zunächst sei betont, daß das Radfahren nicht der damit verbundenen Sportkleidung wegen ausgeübt werden soll. Diese Bemerkung mag Vielen mindestens überflüssig erscheinen, aber doch ist das nicht der Fall. Man beobachte nur einmal in den Großstädten Kleidung und Benehmen vieler Radfahrerinnen. In Paris giebt sich die Radfahrerwelt zu bestimmten Zeiten in einem Restaurant ein Rendez-vous. Da verspürte nun mal vor einiger Zeit die neugierige Polizei das Verlangen, die Herrschaften sich etwas genauer anzusehen. Und siehe da, gerade unter den in recht fesche Sporttoilette gekleideten Damen befanden sich viele, welche gar kein Rad besaßen, überhaupt noch nie auf einem gesessen hatten. So weit kann es die weibliche Gefallsucht und Eitelkeit bringen. Ich will hiermit keineswegs irgend einer verehrten Leserin dieses Blattes im geringsten zu nahe treten, möchte aber nochmals jeder einzelnen Dame an's Herz legen, bei Anfertigung der Sportkleidung sich nur von hygienischen und Bequemlichkeitsgesichtspunkten leiten zu lassen und alle Eitelkeitsgelüste tapfer zu unterdrücken.
Als Grundprinzip einer zweckmäßigen Damenkleidung für das Radfahren ist nur die einzige Lösung denkbar, daß das ganze Gewand in einem Stück hergestellt wird und so jede Nothwendigkeit einer besonderen Befestigung und Aufhängung wegfällt, gleichviel ob nun die untere Hälfte hosenartig hergestellt oder zu einem vorn geschlossenen, hinten offenen Rocke wird. Auch müßte das Jnnenfutter aus Seide oder Satin bestehen, damit das Knie sich leicht darin bewegen kann. Jedes beengende Kleidungsstück sei vollständig der bannt, also vor Allem Gürtel und Corsett. Frauen, die letzteres absolut nicht entbehren können, sollen jedenfalls ein sehr kurzes nehmen und dasselbe nicht schnüren. Ein Gürtel aber darf nie getragen werden. Zu den intimeren Kleidungsstücken eignet sich Wolle viel besser als Leinwand, da sie Staub und Schweiß leichter aufnimmt und beim Fcuchtwerden nicht das unangenehme Gefühl der Kälte erzeugt.
Wenn die radfahrenden Damen sich nach all' den angegebenen hygienischen Regeln richten, dann werden sie auch unzweifelhaft bald großen Vortheil an ihrem Gesundheiis- zustande verspüren. In dieser Weise betrieben, jeder Mode- thorhcit entkleidet, ist das Radfahren noch besonders den Salondamen zu empfehlen, welche durch reichliche Nahrung und bequemes Leben allmälig in jenen pathologischen Zustand gerathen, der sie durch Neivosität, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Verstimmung re. kennzeichnet. Mögen diese es auch
nur der Mode wegen mitmachen, schadet nichts, sie haben hygienischen Nutzen davon. Freilich pflegt ihr stets schnell erweckter Enthusiasmus wie für alles Andere, so auch hierfür nicht lange anzuhalten. Sehr hübsch hat dies der Londoner „Punch" illustrirt, als er vor einiger Zeit eine im Park radelnde Maud abbildete, die zu ihrer ebenfalls radelnden Freundin Dorothy sagt: „Mein Gott, wenn nur das dumme Radfahren schon aus der Mode wäre, — ich hab's so satt — Du nicht auch?"
VermEehtrs.
Ei« neues Volksinstrument für Hausmusik. Aus der Schweiz, wo neue, practische Erfindungen immer rascheren Eingang finden als anderswo, erfahren wir, daß dort ein leicht erlernbares, handliches und billiiges Musikinstrument ganz erstaunliche Verbreitnng gefunden habe. Es ist die so genannte Accordzither. Besonders in industriellen Dörfern und Flecken kann man an stillen Feierabenden aus vielen Häusern wohllautgetränkte Melodien in harfenähnlichen Tönen erschallen hören, deren Entstehung der allein versteht, der das Instrument kennt. Mit der gewöhnlichen Zither hat es nur die äußere Form und Construction gemein, seine besonderen Vorzüge aber verdankt es drei neuen Vorrichtungen, wodurch bewirkt wird, daß man 1. ohne Notenkenntnisse jedes Volkslied und einfache Musikstück zu spielen, 2. die Begleitung dazu leicht zu finden und 3. das Instrument selber zu stimmen vermag, alles ohne Anleitung eines Lehrers. Eine Menge deutscher und amerikanischer Fabriken bemühen sich, der steigenden Nachfrage nach dem neuen Instrument zu genügen, indessen hat eine Dresdener Firma ihre Con currentinnen in jeder Beziehung so sehr überholt, daß man in Fachkreisen immer die Müller'sche meint, wenn man von Accordzithern überhaupt spricht. Das Haus I. T. Müller in Dresden-Striesen giebt auch ein eigenes, reizend ausgestattetes Accordzither-Büchlein heraus, das auf Verlangen Jedermann gratis und franco zugesandt wird, auch in den meisten Musikinstrumenten-Handlungen zu haben ist. Außer einem herzigen Briefe des steierischen Volksschriftstellers Rosegger und einem illustrirten Scherze: „Der Triumph der Accordzither" enthält das niedliche Werklein eine Menge höchst günstiger Urtheile von Fachmännern und Laien, die Beschreibung der verschiedenen Formen des Instrumentes und eine Inhaltsangabe über die zugehörige, ungemein reichhaltige Musikliteratur. Wir empfehlen jedem Liebhaber herzerfreuende Hausmusik, der keine Gelegenheit hat, die Müller'sche Accordzither anzusehen und zu hören, sich das Büchlein kommen zu lassen.
Ein nobler Schwiegersohn. Fräulein (zum Diener, der ein Bouquet vom Bräutigam abgegeben Hal): „Hier haben Sie eine Mark — aber vertrinken Sie das Geld mcht sofort!" — Bursche: „O nein, Fräul'n! Dafür soll ich ja Wurst mitbringen — hat der Herr Baron g'sagt!"
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Günstige Gelegenheit. Zimmerherr (der zufällig in die Küche kommt, wie die Hauswirthin sich von einer Zigeunerin wahrsagen lassen will): „Lassen Sie das alte Zigcunerweib doch laufen, Frau Müller!" — Hauswirthin: „Ach wo, die soll mir mal prophezeien, wann ich von Ihnen mein Geld kriege!"
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Unverbesserlich. „Ah, Herr Professor! Wie geht's? Noch immer so zerstreut?" „Danke, nein — hat sich vollständig gelegt." „Aber, Sie haben sich ja keinen Hut aufgesetzt." — „So? Ja, — na, — den hat eben meine Frau vergessen, mir aufzusetzen."
Nrdaction: T. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


