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Und was verbietens Dir?" fragte Sabine schwer athmend.

Die Pflicht gegen mich selbst."

Ich kenne nur eine Pflicht des Mannes. Das ist die Pflicht, für sein Weib zu sorgen."

Und ich kenne nur eine Pflicht des Weibes, das ist die Pflicht, den Mann zu fördern und nicht zu hemmen," klang es zurück.

Aber was soll denn aus mir werden?" schrie Sabine auf.

Sabine," sagte Röder leise und traurig,wie der Sieger von Gethsemane, als er zu seinen Jüngern kam und sie schlafend fand, kannst Du nicht eine Stunde mit mir hungern?"

Nein, das kann ich nicht, das will ich nicht! Hörst Du, ich will nicht, will nicht!"

Thränen stürzten aus ihren Augen, sie stampfte mit dem Fuß auf und ballte die Hände.

So gehe dorthin, wo Du findest, was Du zu Deinem Leben brauchst!" Röder stand hoch aufgerichtet mit flammenden Augen.

Sabine starrte ihn an. Sie sah nur den grausamen Zug um seinen Mund, der Zug der Grausamkeit des Genies.

Sie wandte sich und ging, die Füße schleppend, zur Thür. Die Klinke sprang ein. Röder starrte auf die Thür, das Blut jagte in seinen Adern . . .

Es war im Winter desselben Jahres.

Die Foyers des Lessingtheaters leerten sich langsam. Auf den Gesichtern der heimkehrenden Besucher prägten sich Befriedigung und Erhobensein aus.

Ach, dieser Röder," sagte ein großer, schlanker Herr mit dunklem, graumelirtem Vollbart zu seinem Collegen, einem Kritiker, während sie sich die Pelze überwarfen," ein ganzer Mann."!"

Hm," entgegnete der Andere,ein großer Erfolg."

's ist ihm zu gönnen," fuhr Jener fort,vor zwei Wochen starb seine Frau an Herzkrämpfen."

War er verheirathet? Er wohnte doch meublirt?"

Erst nachdem seine Frau im Frühjahr zu ihren Ver­wandten gegangen war, um sich zu erholen."

Von des Lebens Gütern allen ist der Ruhm das höchste doch," declamirte der Andere.

Jener zuckte die Achseln.

Röder stand am Fenster seines Zimmers und preßte die heiße Stirn gegen die Scheiben.

Sabine, Sabine, warum glaubtest Du nicht?" klang es klagend in ihm.

Ist Radfahren fiit Frauen ungesund?

Von Dr. Otto Gotthilf.

------- (Nachdruck verboten.)

Für vollständig gesunde Frauen ist ein sehr mäßiges und nicht lange ausgedehntes, gleichsamin homöopathischen Dosen" ausgeübtes Radfahren hygienisch ebenso nützlich wie für Männer. Den BegriffFrauen" müssen wir hier aber auf alle jene weiblichen Personen streng begrenzen, welche die Entwickelungsjahre schon einige Zeit hinter sich haben, also jedenfalls, um einmal ungefähr ein Lebensalter anzu­geben, das achtzehnte Jahr überschritten haben. Nur auf Solche ist auch Alles in dem Folgenden Gesagte zu beziehen, während der hygienische Einfluß des Radfahrens auf jüngere Mädchen in einer anderen Abhandlung dargelegt werden soll.

Für Frauen bildet das Radfahren zunächst eine vorzüg­liche Körpergymnastik. Und gerade diejenige Kategorie von Frauen, welche uns Männern als die idealste vorschwebt, die stets rührige, schaffende Hausfrau, welche von Dichtern und Rednern in Vers und Wort hoch gerühmt wird, gerade sie bedarf einer gesunden, körperlichen Bewegung gar sehr. Zwar hat sie auch daheim in der Häuslichkeit viel Bewegung, oft mehr als ihr lieb ist, jetzt in der Küche, dann in der

Kinderstube und nachher an der Nähmaschine. Aber das ist keine Körperbewegung oder Gymnastik in hygienischem Sinne. Die Küche mit ihrem Rauch und Kochdunst, die Kinderstube mit den Staubwolken und dem Lärmen, das Arbeitszimmer, wo sie bei einförmig abspannender Handarbeit meist in ge­bückter Haltung stundenlang sitzt, das sind keine Orte, wo die Lunge ihr Lebenselement (pabulum vitae), frische, ozon­reiche Luft in vollen, tiefen Zügen einathmen kann, wo die Nerven gestärkt und die Sinne belebt werden können. Aber draußen in der frischen Luft und freien Gottesnatur in mäßigem Tempo dahinzuradeln im Frühling und Herbst durch Feld und Flur, wo ein belebendes Frühlingsahnen Geist und Körper durchbebt oder ein wohliges Herbsteswehen die Glie­der erfrischt, im Sommer auf schattigen Wegen oder des Morgens der lachenden Sonne entgegen und Abends dem glutrothen Abendroth einen Abschied zuwinkend, das erhebt die Seele, erfrischt den Geist, stählt die Nerven und stärkt die Muskeln, läßt die Pulse höher fliegen und das Blut schneller durch die Adern fließen! Die energische Muskel­arbeit zwingt zu tieferen Einathmungen; dadurch wird dem Blute mehr Sauerstoff, mehr Nahrung zugeführt, welche allen Organen, Nerven und Muskeln, zu gute kommt. Deshalb ist mäßiges Radfahren besonders gut bei leichteren Graden von Nervosität und Bleichsucht. Auch die von den Frauen so sehr stiefoäterlich behandelten zusammengeschnürten Lungen werden durch die tieferen Athemzüge gekräftigt und bis in die Spitzen hinein ausgedehnt, so daß es als wirksames Vorbeugungsmittel gegen die Katarrhe der Lungenspitzen an­zusehen ist. Daher ist Radfahren allen Lungenschwachen und Flügellahmen" sehr zu empfehlen. Meist zeigt sich noch eine günstige Einwirkung auf die Stimmung und das Selbst­vertrauen ; der Unternehmungsgeist und die Kaltblütigkeit gegenüber Gefahren werden gehoben.

Alle diese gesundheitlichen Vortheile können aber nur eintreten, wenn das Radfahren nicht zum Sport ausartet, d. h. wenn es nur in vernünftiger, mäßiger Weise ausgeübt wird. Eine Uebertreibung ist unter allen Umständen durch­aus schädlich. Jede Dame, welche sich dem Radfahren widmen will, sollte zunächst mit aller Offenheit, ohne jede Selbst­täuschung, mit sich selbst ernstlich zu Rathe gehen, weshalb sie es zu lernen wünscht. Geschieht es wirklich nur der Ge­sundheit oder des Vergnügens wegen, dann ist es gut; stecken aber, wenn auch erst in zweiter Reihe, Emanzipations­gelüste, Eitelkeit oder Gefallsucht dahinter, dann soll sie sich characterfest zeigen und es bleiben lassen. Denn beim Vor­herrschen solcher Gründe pflegen bei den Damen alle Rück­sichten auf Gesundheit und Wohlergehen vollständig vernach­lässigt zu werden. Hat sie sich nun zum Radfahren aus ver­nünftigen Gründen entschlossen, so prüfe sie sich weiter, ob sich nicht bei ihr, wenn auch nur bisweilen, irgend welche körperliche Leiden oder Störungen in den Funktionen ihres Organismus einstellen. Ist dies der Fall, so muß sie ganz entschieden erst den Arzt zu Rath» ziehen.

Um die Luftwege nicht durch Einathmen von Staub und etwaigen Fremdkörpern zn schädigen, sollten die Rad­fahrerinnen nie staubige Wege benutzen, namentlich nicht bei windigem Wetter. Fahren sie in Begleitung von Herren, so mögen sie sich nie dazu verleiten lassen, es mit jenen um die Wette thun zu wollen, sondern müssen stets ein mäßiges Tempo einhalten, was am besten dadurch geschieht, daß sie die Führung an der Spitze übernehmen. Sie sind dann auch besser geschützt gegen etwaige Ungezogenheiten des Publikums, welche immer nur an den Letzten verübt werden, und jede Unregelmäßigkeit an ihrer Maschine, ein Verwickeln des Kleides oder ein Um- und Unfall wird sofort bemerkt. Sehr gefährliche, wenn auch nicht plötzlich eintretende, so doch allmälig sich geltend machende Folgen hat das übermäßig schnelle Fahren. Es bewirkt dies eine Ueberanstrengung des Herzens, welche zur Herzerweiterung und schließlich zu Klappenfehlern führt. Das sind dann sehr gefährliche, leben« I bedrohende Leiden, die man sich durch unverzeihlichen Leicht-