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Augen Vergessen trinken und was sie ernstlich wollte, hatte sie noch immer gekonnt.

Die Nacht war still dahingeschwunden. Kalt und nüchtern dämmerte der junge Tag herauf und mit ihm begann für sie ein neues Leben.

(Fortsetzung folgt.)

Sollen wir warm oder kalt oder gar bei offenem Fenster schlafen?

Von Dr. Otto Gotthilf.

------- (Nachdruck verboten.)

Was Speise und Trank für den Magen, das ist reine Luft für die Lunge,- was Gift für jenen, das ist zmreine Luft für diese." Möchten doch alle dies überaus wahre Wort des großen hygienischen Practikers Dr. Niemeyer beherzigen! Was nützen alle Reconvalescenten - Anstalten und Kurhäuser sür Lungenkranke, welche jetzt von wohlthätigen Menschen und Vereinen vielfach auf dem Lande und in Luftkurorten errichtet werden, wenn das Uebel nicht an der Wurzel gefaßt wird, wenn man nicht die Entstehung der Lungenkrankheiten mit Rath und That zu verhindern sucht? Das ist ein Gebiet, auf dem die Hygieniker noch weit mehr in Wort und Schrift wirken sollten/ es ist eine Aufgabe, wahrlich des Schweißes der Edeln werth und fruchtbringender als der ewige Bazillen­sport. Dabei muß man die nackte Wahrheit ganz unverblümt darstellen, denn es ist doch entschieden besser, die Hygiene sagt bittere Wahrheiten, als wenn nachher die medicinische Wissen­schaft bittere Arzeneien geben mutz.

In unbegreiflicher Leichtfertigkeit vergiften sich täglich Tausend und Abertausende ihre Lungen und damit ihr Blut und ihren ganzen Körper durch Einathmung von verdorbener Luft. Daher die enorme Verbreitung aller Arten von Lungen­krankheiten, vom einfachen Lungencatarrh bis zur Lungenschwind sucht, ganz abgesehen von dem vielen Siechthum, welches sich nicht in der Lunge localisirt, sondern von dort aus den ganzen Körper in Mitleidenschaft zieht. Leider bilden meist gerade die wichtigsten Räume der Wohnung höchst gefährliche, unheil­schwangere Lufthüllen, nämlich die Schlafzimmer. Wer dies nicht glaubt, mache einmal frühmorgens einen Rundgang und überrasche seine Bekannten noch im Bett oder in der Schlafstube, bevor die Fenster geöffnet sind. Da dringt einem dann ein so widriger, verpesteter Dunst entgegen, daß einem fast der Athem vergeht. Und in dieser Atmosphäre bringen die Leute ungefähr acht Stunden lang zu, also nahezu den dritten Theil ihres ganzen Lebens. Ist es da ein Wunder, wenn sie morgens mit trägen Gliedern und trüben Sinnen erwachen, wenn es ihnenwie Blei in den Gliedern liegt?"

Wodurch wird nun die Luft gerade in den Schlafzimmern so verdorben? Zunächst fällt in der Nacht jene bedeutende Ventilation ganz weg, welche am Tage im Wohnzimmer durch gelegentliches Oeffnen des Fensters beim Hinausschauen und durch das häufige weite Aufmachen der Thüren beim Hinaus- und Hereingehen statfindet. Ferner ist wissenschaftlich bewiesen, daß wir im Schlafe weit mehr Sauerstoff einathmen und mehr Kohensäure ausscheiden als im wachenden Zustande. Der im Schlafzimmer befindliche Sauerstoff, die wahre Lebenslust, wird also schneller verbraucht, und der giftigste Bestandtheil, die Kohlensäure, fortwährend in reichlicherem Maße der Luft bei­gemischt. Jeder einzelne Schläfer athmet während der Nacht ungefähr 300 Liter Kohlensäure nebst Wasserdampf und mehr oder weniger riechende Zersetzungsstoffe durch Haut und Lungen aus. Diese verpestete Lust nebst sonstigen gasigen Beimischungen wird die ganze Nacht hindurch von den im Schlafzimmer be­findlichen Personen immer von neuem ein und wieder ausge- athmetLso daß die Schläfer ihrem Athmungsorgane eigentlich

nur ihren eigenen Lungenschmutz und den ihrer Mitschläfer darbieten.

Wie können wir nun der höchst gesundheitsschädlichen Verunreinigung der Schlafzimmerluft vorbeugen? Einzig und allein durch fortwährende Ventilation während der ganzen Nacht. Selbstverftänlich ist es vor allem nöthig, daß man zum Schlaf­zimmer einen möglichst großen Raum wähle und daß recht wenig Personen in einem Zimmer beisammen schlafen. Darauf können wir aber nicht näher eingehen, weil dies hauptsächlich vom Wohlstände abhängt und unsere Vorschriften für alle Verhältnisse, die guten wie die ärmlichen, paffen sollen.

Eine genügende Ventilation ist am schwierigsten im Winter herzustellen, weil dann mit der frischen Luft durch das geöffnete Fenster zugleich die Kälte eindringt. Diese ist nun zwar an und für sich nicht schädlich, denn wir können uns im Bette durch Nachtjacke und mehrfache Bedeckung schützen, aber doch darf sie nicht so bedeutend sein, daß der ausgeathmete Wasser­dampf sich an den Wänden niederschlägt, weil die dadurch ent­stehende Feuchtigkeit und Modrigkeit ungesund ist. Wir sollen eben kühl und lustig, jedoch nicht eiskalt schlafen,- sich des letzteren zu rühmen, wie Manche zu thun pflegen, ist eine hygienische Thorheit. Im Winter ist daher in gesuundheit- licher Beziehung am besten, das Schlafzimmer mit einem Kachel­ofen (natürlich ohne Ofenklappe) zu Heizen und je nach der draußen herrschenden Kälie einen oder zwei Fensterflügel theil- weise offen zu halten. Damit die Fensterflügel in der gewünschten Stellung verharren uud auch nicht etwa durch Zuklappen stören, klemme man in den Spalt ein Stück Holz oder Kork und binde die beiden Griffe (Haken) fest aneinander. Hierauf wird die Fensterrolle heruntergelasseu oder die Zuggardine zusammen­gezogen, damit nicht directer Wind den Schläfer treffen, noch das Mondlicht ihn belästigen kann. Hat man keinen Ofen im Schlafzimmer oder scheut man die Kosten des Heizens, so lasse man die Thüre zum erwärmten Nebenzimmer die ganze Nacht hindurch weit auf und halte dort mehrere Fensterflügel offen. Bei Doppelfenstern ist es zweckmäßig, unten außen und oben innen zu öffnen. Jedenfalls muß irgendwo auch im Winter ein Fenster offen sein, damit die verdorbene, ungesunde Binnen­luft sich fortwährend durch reine Außenlust genügend erneuern kann. Denn es ist ein törichter Muhmenklatsch, daß die Nacht­luft schädlich sei, und die schrecklichen Schauergeschichten, welche von schweren Erkrankungen nach Einathmung von Nachtluft be­richtet werden, sind weiter nichts als wahnwitzige Ammen­märchen.

(Schluß folgt.)

Humoristisches.

Ein lieber Kerl. Junger Arzt (zum Diener): In der verflossenen Nacht wurde ich dreimal durch die Glocke geweckt, doch war Niemand da, wenn ich das Fenster öffnete und nachfragte. Weißt Du nicht, wer es gewesen sein könnte?" Diener:Das war ich, Herr Doctor, ich wollte Ihnen eine Freude bereiten."

* *

Fraue n-Oekonomie.Ich weiß nicht, Ella, wie Du es mit Deinem Haushaltungsgeld nur hältst! Gebe ich Dir viel, dann brauchst Du viel, gebe ich Dir weniger, dann kommst Du auch aus!"Das ist sehr einfach, lieber Rudolph: Wenn Du mir viel Geld giebst, dann bezahle ich nebenbei meine Schulden, die ich mache, wenn Du mir weniger giebst!"

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Schön gesagt. A.:. . . Wie geht's dem Kaufmann Müller, der war ja in seine Cassirerin furchtbar verliebt, nannte sie nur seinen Engel." B.Der Engel ist ihm mit der Casse durchgeschwebt.

Redaction: 8L Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Kietzen.

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