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Wortlos verließ Regine das Zimmer. In der Einsam- | der Lilien zu spüren, die damals geblüht. Dann sah sie ihres Stübchens durchdachte sie noch einmal das in seinen Armen durch den Tanzsaal fliegen, hörte ihn über Gesprochene. Onkel Palzins Mappe mit italienischen Bildern gebeugt
ty TJ* t’t^t braf 2ir sie liebte, von dem Lande ihrer Sehnsucht erzählen, das er durchstudirt
Die Vorstellung davon toarjo überraschend und wunderbar, und durchgenossen hatte mit der ihm eigenen Empfänglichkeit . ,®’e J”an ^rer Ite„mtt tion H^ing Wie manchen kleinlichen Kummer hatte sie vergessen gelernt eigentlich verwandt war, blieb allen Betheiligten etwas über dem Anschauen antiker Götterfunken oder eines Stiches schleierhaft. Aber als Namensvetter hatte er von jeher im nach Rafael! Er kannte jene unsterblichen Werke selb t
er war j^esmal erschienen, wenn nicht nur wie sie, den dürftigen Abdruck, und er wußte alle
ihn Geschäfte von seinem schonen Gute in einer östlichen ihre Fragen zu befriedigen B Ue
Provinz nach Berlin führten. Er kannte Regine von ihrer ns» n{, ~
Kindheit an und verfolgte ihr Wachsen und Entfalten mit wS“ b°ft tion ^^enberg herüber gekommen, andächtigem Staunen, wie daheim die Entwickelung des ^^^ge«en Garnison. Am letzten Tage
schönen, persischen Rosenstockes, den ihm sein Freund geschenkt. £ " Waldw b" OnkA mll°den SSJT T--Ä1" Er kam nur wenig mit jungen Mädchen zusammen. Regine der fröhlichen
war für ihn das einzig beqehrenswerthe Weib der Erde ^wma und dem redseligen Lottchen von Palzin, in dem einen, wie er es war. Kaum wagte er, die Hand nach ihr auszu- I (x;p X.. . cefr«au^ fetnen ^lsen besucht!
strecken. Dennoch war das Nest, das er ihr zu bieten hatte, Jedicht v2m ^ckw°Ettla^d “U§ ®
weich und warm, und seine eigene Persönlichkeit brauchte er I
auch nicht zu Verachten. »Eine stille Zelle
Eine niittelgroße, sehnige Gestalt, ein frisches, von der Da/ist" mew^eid "
Luft gebräuntes Gesicht, kurz geschorenes, dunkles Haar, ein und weiter: ~ '
paar Augen vom reinsten Blau, welche treuherzig und früh- „Ich hab' mein Leben
lich unter den langen Wimpern hervor in die Welt schauten An Gott gegeben
— so sah er aus. Ein kindlich heiteres Gemüth, ein Mann £nb das ist sein,
von rastloser Tätigkeit und geringen Ansprüchen sich selbst Doch denk i? immer"'
das war Felix von Helling. Er amüstrte sich stets gut, I £>’ mär' es mein!"
ob er nun im Panoptikum war oder Bolles Michwirthschaft f
mit verständnißvollem Auge inspicirte, ob er im Opernhause I Mit wunderbarer Warme hatten Lossens Blicke auf ihr bie Cavalleria rusticana hörte oder daheim mit den Freunden I peruBt/ a § 'te bie Verse sprach. ^Welch klägliches Schicksal," beim Grog saß und Schnurren von Mamsell Christinchen, I !?9te er bann, „wenn man sich wie dieser Mönch durch eigene der Perle seines Haushaltes, erzählte. Er war immer be- I Unvernunft um sein Glück gebracht hat, durch ein Verkennen quem, störte nie, plauderte amüsant, mochte alle Menschen ber 9ütiSen WW des Schöpfers, der uns nur noch in dem gerne leiden. Regine dachte, daß er ein Mädchen, welches I jöetbe/ das wir lieben, zur eigenen Vollendung kommen läßt!" keine Ansprüche auf Geist erhob, gewiß beglücken würde, I Als bald darauf ein Unwetter losbrach, hielt er sorglich aber sie selbst — den Schirm über sie und sagte leise und innig: „Wer doch
Es gab nur einen,. dem sie jemals angehören konnte, immer so schützend neben Ihnen gehen könnteWieder hatte Var drei Jahren, als sie eben erwachsen, allein die Ver- I sie dabei jener seltsam warme Blick getroffen, der sie be- wandten Palzin aus ihrem Landgute besuchte, hatte sie ihn I seligte. Beim Abschiednehmen aber bat Lossen um die Er- kennen gelernt, Lothar von Lossen, den geistvollen, eleganten I laubniß, sie und ihre Mutter aufsuchen zu dürfen, wenn er Offtzrer, der Alles so wunderbar gut verstand, das Reiten, I im Winter zur Turnschule commandirt werde. Warum nur das Tanzen, am besten aber — das Unterhalten. I war er dann doch nicht gekommen, trotz ihrer freudigen Bern, über außergewöhnliche Dinge, nur über jahung, warum hatte er sie immer vergeblich warten lassen
Mustk, Malerei, Bücher. Aber was er sagte, hatte einen nun schon drei Jahre lang, bis sie darüber die harmlose besonderen Reiz für sie gehabt. Er war eine feinfühlende I Fröhlichkeit ihrer ersten Mädchenjahre verlor? Sie seufzte. Natur, die jedes Kunstwerk voll auf sich wirken ließ, und Hatte er jenes erhoffte Commando nicht erhalten und seitdem fern scharfer Verstand lieh ihm die Fähigkeit, den gewonnenen I keine Möglichkeit zu einer Anwesenheit in der Reichshauptstadt Eindruck klar zu zergliedern und in die rechten Worte zu gefunden?
SÜE!' Mensch reich beanlagt, hatte viel Sie ahnte nicht, daß ein ganz anderer Grund ihn von
Verlanaen naT JS'sJÄm stets wachsendem ihr fern hielt. Erst nach ihrer Abreise hatte der Lieutenant
Aber ?br Än TJr 9 r!UE ®eJ u"b Phantasie, von Lossen erfahren, daß Fräulein von Helling nicht die
Aber rhr Er assen der Dinge geschah noch mehr unbewußt, reiche Erbin fei, für welche er sie gehalten, sondern nur die
V°n seinen Lippen hörten sie Manches, das sie selbst unklar nöthigste Zulage besaß. Sofort verlor sich ihr Rei in
gefühlt hatte, und zum ersten Male fand sie in seiner I seinen Augen. Denn sich einzuschränken daru war Lothar
Ausdruck ru Uerleide^n derselben von Lossen nicht der Mann. ^Den edelsten Rebensaft, das
r • r „ feinste Tabakskraut, eine mit künstlerischem Feingefühl aus-
rtlta yM fäatj es, daß sie im Reden Lieblingsstellen I gestattete Umgebung, große Gedanken in schöner Form — t?n ae^u£ernbn6 lebenbrgen Widerhall das Alles wußte er nicht nur zu schätzen, nein, das brauchte
Dann balf « e'h?Lf« P® Melo« »tebtt8e6en konnte, er, um in Stimmung zu bleiben. Freilich war ihm die Sternen bet PitShir Jl J bon neuen Ausildung seines Geschmackes in diesen verschiedentlichen
Mcht ^mmer^gegangen waren. Richtungen theuer zu stehen kommen. Sie hatte den größten sich stets stimmten sie uberem, aber fte verstanden Theil des stattlichen, väterlichen Vermögens verschlungen, mr;-' , und die letzten Schulden bezahlte der grollende Alte nur
ihrer ^rinnornnn9 e"'-. glückseligen Tage noch in unter der Bedingung seiner Versetzung aus der Garde in das
ior fi» toÄ ?enett! fie Alles Linienregiment in Falkenberg -aber dort konnte er un-
romantisch verklärt § ersten Liebe so möglich Wurzel fassen und all sein Sinnen und Trachten
überaossen in^en siemit2hm2'"^nPark, vom Mondlichte strebte zur Hauptstadt, zur Garde zurück. Dazu konnte ihm übergossen, m den ste Mit ihm von der Veranda hinabgeschaut aber Regine mit ihren geringen Mitteln nicht verhelfen.
«Iren einen Ball gegeben, und noch meinte sie den Dust | begabte Mädchen weislich zum Schweigen und vermied sorg-


