Ausgabe 
30.1.1897
 
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heit schlafend.

(Schluß folgt.)

Gemeinnütziges

verständlich.

Billa, die sein Fuß sonst nie betreten. Lodtenstille herrschte überall, nach langem Suchen fand er sie endlich hinter einem chweren Vorhang auf einer Ruhebank in berückender Schön-

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Die Gewohnheit, im Bett zu lese«, ist weit ver­breitet und wird besonders viel im Winter gepflegt, weil man die Behaglichkeit der Bettwärme mit der angenehmen Seetüre verbinden will. Sie ist aber zu verwerfen, weil sie mancher­lei Gefahren birgt. Der Schlaf überkommt einen bekannt­lich unmerklich, die Lampe bleibt häufig brennen, stört bett Schlaf in solcher Nähe vor den Augen, kohlt zuletzt und der Dunst davon fällt schwer auf den Athem. Vielfach ist schon das Tischchen umgeworfen worden, und ein Brand entstanden, der für den Schlafenden in erster Linie gefährlich wird. Ferner ist die liegende Stellung für die Augen nicht geeignet, die Buchstaben stehen zum Auge und die Lampe zu den Buchstaben in einem ganz schiefen Winkel. Das Lesen strengt durch die Dauer die Augen zu viel an. Kommen noch Nebenumstände dazu, so kann das den Augen sehr gefährlich werden. Ein Fall berichtet von der Erblindung eines Herrn durch das Lesen im Bett. Dte liegende Stellung ist auch deswegen ungünstig, weil durch ste der Kopf und die Augen stärkeren Blutzufluß und somit die Augen auch noch einen Druck von Innen erhalten. Auch werden die Gedanken zur Nachtzeit, wo das Gehirn Ruhe braucht, zu sehr angeregt und das Einschlafen dadurch wie auch durch das Licht widernatürlich verzögert.

Als erwärmendes Getränk znr Winterszeit eignet sich nichts besser, als eine Tasse kräftiger Fleischbrühe. Der starken Anregung durch alkoholhaltige Getränke folgt bald Erschlaffung. Thee und Kaffee sind harmloser, wirken aber gleichfalls auf die Nerven. Dagegen Fleischbrühe weist nur gute Eigenschaften auf,- sie stärkt und erquickt zugleich. Und wie leicht und rasch ist sie heutzutage bereitet: In kochendes Wasser ein wenig Fleisch-Extraet gethan (etwa eine Messerspitze voll auf die Tasse gerechnet- Liebigs Fleisch- Extract ist äußerst ausgiebig und daher auch das billigste)- eutsprecheud Salz dazu und, wenn zur Hand, ein Stückchen Butter- das läßt man einmal durchkochen, und dann bietet es eine herrliche Labung für den, der durchfroren in sein Heim zurückkehrt. Auch beim späten Arbeiten an den langen Winterabenden, namentlich bei geistiger Thätigkeit, leistet sie vortreffliche Dienste. *

Wie erkennt man, oh Bntter mit Margarine versetzt ist? Die Butter wird eine Nacht hindurch der frischen Luft ausgesetzt - zeigt sie am Morgen eine gleichmäßige gelbe Farbe, so ist sie rein, nimmt man aber weißliche Streifen in der Butter wahr, ist sie mit Margarine versetzt.

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Vier Regeln über die Wahl der Dienstboten. 1. Nimm nie ein Mädchen, welches sich über seine letzte Herrschaft tadelnd ausspricht. Sie wird auch über Dich bei anderen Leuten aussprechen. 2. Nimm nie eine Person, welche Alles zu verstehen vorgiebt. Sie wird wenig ober nichts verstehen. 3. Nimm nie eine, welche vorher aus­machen will, was sie zu thun hat, und was nicht. 4. Ver­dirb Dir ein gutes Dienstmädchen nicht dadurch, daß Du es zu Deiner ständigen Vertrauten machst. Daß Du sie andererseits gut und freundlich behandeln sollst, ist selbst-

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Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) 'N ®«Wn-

Doktor Dun streift lächelnd mit den Augen eine kleine, noch frische Narbe auf des Capitäns Stirn.

Sie sind ein entsetzlicher Realist, Doetor!"

Eine kostbare, mit Juwelen gezierte Equipage fährt lang­sam an den beiden Herren vorüber, zwei Damen, Eingeborene, lehnen im Fond.

Die eine, alt, verschrumpst mit Schmuck beladen, die andere, jung und von berauschender, wunderbarer Schönheit. Die Wogencolonne stockt, die Equipage hält dicht vor den betden. Capitän Henrieourts Augen hängen wie gebannt an dem Mävch n, dessen nur von einem Schleier bedecktes Gesicht em Meisterstück der Schöpfung scheint. Einen Augenblick be­gegnen die glänzenden, schimmernden Sonnenaugen den seinen, ein Etwas liegt darin noch ein feuriger Blick, der Wagen fährt weiter.

Wer ist sie, Doetor?"

Doetor Dun, der stumm das Mienensprel beobachtet, sagt zögernd:

Suchen Sie sich jeden Gedanken an die schöne Mira aus dem Sinn zu schlagen. Sie stammt aus einem Distriete des Südens, ihr Vater ward ein Opfer der Kriege, sie lebt hier bei reichen Hindus, ihren Verwandten. Manch einer schon schaute zu tief in die Märchenaugen des schönen Werkes, doch nur Verderben ward fein Lohn. Man sagt, die Inderin umgibt ein Geheimniß, sie könne wohl Liebe entfachen, aber nicht erwidern."

Capitän Henrieourt dachte an den wonmg berauschenden Blick- sie solle nicht lieben können?

Doetor, auf Ehre, dieses schönste Wunder Indiens muß ich erringen und wäre es mit tausend Gefahren verbunden."

Wieder ist die Nacht herabgesunken. Milliarden funkelnder Sterne wandeln unentwegt ihre Bahnen. Die Villa Godt liegt tote verzaubert im Mondenschein, alles Leben in ihr scheint erstorben.

An die Ballustrade des Balkons gelehnt steht, das Auge sehnsüchtig in die Ferne gerichtet, ein weißgekleidetes, ver­schleiertes Mädchen, Thränen perlen an ihren Wimpern und fallen auf die blühenden Myrthenbäume herab, das Auge der schönen Mira sucht von fern das Licht, das vom Eden- garten herüberschimmert.

Da raschelt es leise, ungesehen erklomm Capitän Henricourt die Balustrade und liegt nun zu ihren Füßen. -

Kein Wort vermögen sie sich zu sagen, die Sprache der Hindus ist ihm noch wenig geläufig, doch die allmächtige, weltenbezwingende Sprache der Liebe führt sie zusammen, sie denken nicht, sie fragen nicht, die Augen werben, flehen, bitten, gewähren, die Lippen besiegeln es------

Manch eine Stunde verging so im süßen Liebesgekose, die Leidenschaft Capitän Henrieourts ward inniger, glühender, die schöne Mira aber ward stiller und trauriger von Tag zu Tag. Der getrübte Glanz ihrer Augen sprach von heißen Thränen, bis sie endlich aus wiederholtes Bitten Henrieourts gestand, daß es unmöglich sei ihm anzugehören.

Und als er am anderen Tage eilte, fein Lieb in die Arme zu schließen, erwartete ihn eine Dienerin an ihrer Stelle und gab ihm einen Zettel.

Lange, lange noch harrte er und wartete auf ein Zeichen, doch nichts regte sich, verzweifelt las er wieder und wieder die Botschaft:

Vergiß mich, mein Fredy, keine Macht der Welt, auch Deine Liebe nicht vermag mich zu retten. Mira."

Capitän Henricourt saun und sann. Er hatte nie an die Zukunst gedacht, nur der Gegenwart gelebt- auch au das Geheimniß Miras hatte er nie gedacht, doch selbst ohne dieses würde ihre Familie nie in eine Heirath gewilligt haben.

Von ihr lassen konnte er nicht mehr, er mußte sie er­ringen um jeden Preis.

Und als die Nacht abermals herabsank, wanderte er wiederum über die Balustrade, doch diesmal hinein in die