Ausgabe 
29.7.1897
 
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Mama wurde in Folge der Hitze ohnmächtig und mußte hinausgetragen werden; ich folgte ihr," antwortete Ethel mit matter Stimme.

(Fortsetzung folgt.)

Schnelltrauungen auf Helgoland.

Vor Kurzem hieß es, so schreibt dasNeue Wiener Tageblatt", durch die Vereinigung Helgolands mit Denschland sei den Helgoländer Trauungen ein Ende gemacht morden­dem ist aber nicht so, denn die preußische Regierung hat den Helgoländern die Ausübung ihresalten Rechtes" bis zum Jahre 1913 bestätigt. Wer von dieser Concession Gebrauch machen will, thut am besten, wenn er sich mit dem Herrn Pastor Schröder, der die Trauungen vornimmt, vorher in Verbindung setzt und diesem die Geburtsscheine einsendet, c cntuell wenn er noch nicht 25 Jahre alt ist, auch die nr'ariell beglaubigte Einwilligung der Eltern und den Tag der Ankunft mittheilt. Dann sind alle kleinen Formalitäten, be allenfalls noch nöthig sind, schon vorher erledigt und der Ankunftstag kann zu gleicher Zeit auch der Hochzeitstag sein. Pastor Schröder ist ein weltgewandter, liebenswürdiger Herr, der keine unnützen Fragen thut und nicht sieht, was er nicht sehen will. In freundlicher Weise theilt er dem Brautpaar mit, daß alles bereits vorbereitet sei und daß er, sobald jenes vor dem Herrn Assessor, der es um 5 Uhr erwarte, den Schwur abgelegt habe, daß keines von ihnen verwittwet oder geschieden oder bereits verheirathet sei, bereit wäre, die Trauung vorzunehmen. Braut und Bräutigam machen sich also mit noch von der Seekrankheit schwankenden Schritten nach dem Sitze der Regierung auf, die stramm und schneidig von einem preußischen Assessor verwaltet wird. Dort wird ihnen zuerst von einem Secretär die etwas verfängliche Frage vorgelegt, aus welchem Grunde, da beide doch nicht orts- angehörig wären, die Trauung hier stattfinden soll. Wenn der Bräutigam über die unerwartete Frage verlegen sein und nicht gleich eine Antwort finden sollte, wird die zweite Frage hinzugefügt, daß der Grund ohne Zweifel wohl der sei, durch den Umstand, daß hier das Aufgebot fortfiele, Zeit ersparen zu wollen. Da der Bräutigam in der Regel diesen Grund bestätigt, wird er zu Protokoll gegeben, der Herr Assessor erscheint, nimmt Beiden den Schwur, wie er vorstehend er­wähnt wurde, ab und das Brautpaar geht mit dem Schein, der die Erlaubniß zur Trauung enthält, zu dem Herrn Pastor zurück. Die nothwendigen zwei Zeugen haben sich inzwischen bei diesem bereits e »gesunden. Jetzt sind alle Formalitäten erfüllt. Der Herr Pastor hat den Schein in Empfang ge­nommen und kündigt an, daß nun gleich die Trauung statt­finden wird. Während er sich entfernt, um seinen Talar anzuziehen, werden auf einem kleinen Hausaltar die Lichter angebrannt. Bald erscheint der Herr Pastor in seiner Amts­robe wieder und schreitet an den Altar, langsam tritt das Brautpaar vor ihn hin, gefolgt von den Zeugen. Die Trau­rede beginnt. Mit einer herzlichen Ansprache legt der Priester die Hände der Liebenden ineinander, von Beider Lippen er­tönt dasJa" und die Ehe ist nun ebenso unwiderruflich und bindend geschlossen, als wäre es vor dem trockensten Standesbeamten in Berlin mit den allernmhwendigsten Worten geschehen. Nachdem der Trauschein in Empfang genommen ist und der Herr Pastor und die Zeugen gratulirt haben, tritt das neuvermählte Paar wieder in die frische Meeres­luft hinaus. Vom Thurm der St. N.kolaskirche schlägt es gerade 6 Uhr. Zwei Stunden sind erst seit der Ankunft auf Helgoland verflossen. Bei ihrem Wirth erwartet die Neu­vermählten das Hochzeitsmahl, dessen Menu im Sommer oft sehr reichhaltig ist, im Winter dagegen, da alles Fleisch vom Land- bezogen werden muß und in Folge dessen die Auswahl

nur gering ist, regelmäßig aus Filet Beefsteak mit grünen Bohnen und einer Flasche Rothwein besteht, der, weil er aus Frankreich unverzollt hereinkommt, sehr gut und nicht theuer ist. Da das Boot schon früh um 7 Uhr nach dem Schiff übersetzt, so klopft der pünktliche Wirth bereits um 6 Uhr und nachdem noch schnell eine Taffe Kaffee eingenommen und die Rechnung bezahlt ist, befinden sich bald nach 7 Uhr die neugebackenen Eheleute schon wieder auf dem Schiff und können, wenn sie in Cuxhaven rechtzeitig den Anschluß er­reichen, in der nächsten Nacht schon wieder in Berlin sein. So finden heute im Großen und Ganzen die Schnell­trauungen auf Helgoland statt, von denen alljährlich durch­schnittlich ungefähr sechszig vollzogen werden. Die Kosten, auf die sich eine solche Trauung beläuft, betragen die runde Summe von 200 Mark. Rechnet man für Reise, Logis und sonstige Nebenausgaben noch einmal mindestens 200 Mark hinzu, so kommen 400 Mark heraus, die eine Brautfahrt nach Helgoland kostet.

Genreinnntzig-S.

Durch die Zeitungen lief vor einigen Wochen die be­unruhigende Nachricht, daß unseren Kitfchhäumen in diesem Jahre eineEpidemie drohe, indem der bekannte Pilz Monilia stellenweise so massenhaft austräte, daß die Kirschbäume daran einzugehen drohen. Auf Veranlassung der Redaction spricht sich in der neuesten Nummer des praktischen Rathgebers der bekannte Professor Dr. Paul Sorauer über diese Monilia- Epidemie aus, und zwar im Allgemeinen beruhigend. Er weist nach, daß an dem massenhaften Auftreten des in jedem Jahre und an allen Obstsorten vorhandenen Pilzes Monilia die nasse Witterung schuld sei und daß man dieses epidemische Auftreten in jedem nassen Jahre beobachtet habe. Die Nummer des praktischen Rathgebers mit dem betreffenden Aufsatze des Herrn Professor Sorauer wird Interessenten gern auf Verlangen umsonst zugeschickt von der Verlags­buchhandlung Trowitzsch & Sohn in Frankfurt a. O.

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Nicht nut auf das Gericht kommt es att, sondern auch auf die Sauce", das ungefähr ist der Sinn eines altfranzösischen Sprüchwortes, in dem sich eine tiefe Küchenweisheit birgt. Die Franzosen, auf dem Gebiet der verfeinerten Kochkost dereinst die Lehrmeister der civilisirten Welt, excelliren bekanntlich in der Herstellung ausgezeichneter Saucen, und der Hauptbestandtheil einer jeden Sauce ist die Kraft, das weiß jede Hausfrau. Darüber täuscht kein Gewürz oder sonstiger Zusatz hinweg. Kraft und Wohl­geschmack verbürgt die Hinzufügung einer kleinen Menge des echten Liebig's Fleisch-Extracts, und dies gewährt zugleich das Mittel, um eine etwa zu flau gerathene Sauce sofort dem Gaumen munden zu lassen. Dies so schnell anwendbare Hilfsmittel sollte daher in keiner Küche fehlen.

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Fleifchknchen. 10 Personen. Bereitungszeit 2 Stunden. Zu diesem sehr pikant schmeckenden Gericht verwendet man die verschiedensten Bratenreste, wiegt sie mit einer in kräftiger Bouillon aus Liebig's Fleisch-Extract gekochten kleinen Kalbs­leber, einer Kalbsmilch, 100 Gramm Fray-Bentos-Zunge, 60 Gramm Luftspeck, 10 Champignons und einigen Trüffeln ein. Das Ganze verrührt man mit drei Löffeln Sahne, drei Eiern, Salz, Pfeffer, ein wenig Muskatblüthe, dem erforder­lichen eingeweichten und ausgedrückten Weißbrot zu einer einen Farce, füllt sie in eine mit Speckscheiben ausgelegte glatte Form, bedeckt sie oben ebenfalls mit Speck und bäckt den Fleischkuchen bei.mäßiger Ofenhitze eine Stunde. Be­hutsam gestürzt, entfernt man den Speck und reicht dazu eine braune Champignon-Sauce.

Redaction: A. Scheyda. Druck und «erlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerci (Pietsch & Scheyda) in Gießen.