Ausgabe 
29.7.1897
 
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des Briefes vor sich stehen und stammelte:Eine Antwort ja Sie müssen dem Herrn eine Antwort überbringen." Wie im Traume schritt sie auf einen mit Perlmutter eingelegten Secretär aus Ebenholz zu, setzte sich und schrieb hastig die vier Worte:Ich werde dort sein."

Bringen Sie dies dem Herrn in den Gasthof," sagte sie, indem sie Polly das Billet übergab. Sodann nahm sie eine Banknote aus ihrer Börse und setzte freundlich hinzu: Nehmen Sie das für Ihre Mühe!"

Ethel Greylock war stets gütig und freigebig gegen ihre Untergebenen. Selbst den Dienstboten im Hause trug sie ihre Wünsche stets bittend, nie befehlend vor, und unge­wöhnliche Dienstleistungen ließ sie nie unbelohnt ein Zug, der ihr die Zuneigung des gesammten Dienstpersonals in Greylock Woods gewonnen hatte. Sie wollte Polly das Geld durchaus aufdrängen.

, Diese aber weigerte sich entschieden.

Ihre Erinnerung zauberte ihr zwei kleiue Kinder vor Augen, die im Sturm und Regen auf deu Straßen einer großen Stadt betteln gingen "und hohe, steile Treppen mit­einander emporstiegen, das kleinere Mädchen stets von dem größeren beschützt und verrheidigt, und wie sie dann zum Lohn für ihre Tagesmühen mit Flüchen und Püffen von einer alten Hexe empfangen wurden und endlich auf dem harten Dielenboden einer Dachkammer in inniger Umarmung einschliefen.

Jener längst entschwundenen Tage gedachte das größere der beiden Bettelkinder, als es in dem luxuriösen Prunk­gemach vor dem kleineren stand, das, in Seide gekleidet und mit Juwelen bedeckt, bezaubernd aussah. Jener unvergeß­lichen Tage gedachte Polly, als ihre verlorene, Jahre lang so tief beweinte und nun so plötzlich wiedergefundene Nan ihr den unbedeutenden Botendienst so huldvoll und herablassend be­zahlen wollte.

Nein, Miß Greylock, um's Himmels willen, nein!" rief sie aus.Ich kann Ihr Geld nicht annehmen es würde mir die Finger verbrennen es würde mir das Herz brechen. Nein, nein, nöthigen Sie mich nicht! Es schmerzt mich, daß Sie so niedergeschlagen sind es thut mir weh, Kummer in Ihren Zügen zu lesen! Glauben Sie daß ich Ihnen irgendwie von Nutzen sein könnte? Oh, wie gern würde ich Ihnen zu Diensten sein!"

Der ernste, leidenschaftliche Ton, mit dem diese Worte gesprochen würden, überraschte und rührte Ethel. Sie schüttelte indessen den Kopf und sagte:Sie sind sehr freundlich, mein gutes Mädchen, allein mir ist nicht zu helfen." Diese Worte entschlüpften ihr unwillkürlich.Wo haben wir uns schon getroffen? Ihr Gesicht" kommt mir merkwürdig bekannt vor."

Ich diene in derKatzenherberge," antwortete Polly.

Ach ja, ich erinnere mich jetzt," sagte Ethel lächelnd. Sie nähten eines Morgens mitten unter den Katzen, als ich auf einem Spazierritt vor dem Fenster des Gasthofs Halt mache. Wie ist Ihr Name?"

Polly."

Darf ich Ihnen vertrauen, Polly? Es ist von größter Wichtigkeit, daß Niemand erfährt, daß Sie mir einen Brief überbracht haben. Ich käme in große Gefahr, wenn es ent­deckt würde. Können Sie ein Geheimniß bewahren?"

Ein trauriges Lächeln umspielte Pollys hübschen ge­formten Mund.

Ja, Miß Greylock, ich kann ein Geheimniß bewahren. Lieber wollte ich meine rechte Hand, opfern, als irgend Jemanden verrathen, daß ich diesen Morgen bei Ihnen war."

Ich danke Ihnen. Ihr Gesicht sagt mir, daß Sie zuverlässig sind. Wir sehen uns vielleicht, wieder, Polly. Und nun, guten Morgen!"

Polly war von der anmuthigen Erbin huldvoll ent­lassen. Mit der Botschaft an Regnault in der Hand flog sie aus dem Hause, die Tannen-Allee hinab und nach der Katzen-Herberge" zurück.

Gott sei Dank! Sie hat Alles vergessen!" seufzte sie unterwegs vor sich hin.Zwar schien irgend ein Zug meines Gesichtes eine dunkle Erinnerung wachrufen zu wollen, allein das Bild aus längst vergangener Zeit trat nicht vor ihre Seele. Sie soll auch nie etwas erfahren! Lieber wollte ich mir die Zunge ausreißen, als ihr das Geheimniß offenbaren!"

Sie erreichte den Gasthof, übergab Regnault, der un­geduldig wartete, Ethels Billet und begab sich dann ruhig und schweigsam, aber mit einem festen Entschluß im Herzen, an ihr Tagewerk.

Mittlerweile war die Kutsche, die den Baronet nach dem Bahnhof von Blackport gebracht hatte, wieder leer nach Greylock Woods zurückgekehrt. Ethel sah sie zurückkommen und begab sich dann mit einem erzwungenen Lächeln auf den Lippen in den Speisesaal, um mit ihrem Großvater, Tante Pamela und Doctor Vandine, der an diesem Tage eine Ein­ladung nach Greylock Woods erhalten hatte, das Gabel­frühstück einzunehmen.

Godfrey Greylock blickte seine Enkelin streng und finster an. Sie war blaß und nervös, und ihre schönen Augen waren eingesunken. Trotz seinesZornes und seiner getäuschten Erwartungen regte sich bei ihrem Anblick etwas wie Mitleid in ihm. Sicherlich, dachte er, würde sie bei der ersten günstigen Gelegenheit zu ihm kommen und ihm ihr Herz eröffnen. Sie konnte ihrem Großvater, der sie so zärtlich liebte, doch unmöglich etwas verheimlichen. So glaubte er, allein er täuschte sich.

Während der Mahlzeit ging es ziemlich einsilbig her. Doctor Dick und Miß Pamela hielten die Unterhaltung nur nothdürftig im Flusse. In der Gegenwart des Mädchens, das er so hoffnungslos liebte, fühlte sich der Doctor be­klommen und verlegen; sein Gesicht hatte einen bekümmerten und niedergeschlagenen Ausdruck. Das strahlende Antlitz mit den prächtigen, anmuthigen Augen und den goldenen Locken auf der anderen Seite des Tisches machte noch immer sein Gehirn wirbeln und sein Herz pochen. Dennoch rang er tapfer mit seinem Kummer und that sein Bestes, um den grimmen Dämon des Schweigens von der Tafel zu ver­jagen. Godfrey Greylock und Ethel unterstützten ihn hierin nur wenig- Miß Pamela aber wagte es, offen auf den Gegen­stand zu kommen, an den Jedermann im Geheimen dachte.

Es ist mir unbegreiflich," begann sie,wie Sir Gerüche so plötzlich uns und der Civilisation den Rücken wenden konnte, um sich nach dem Lande der Büffeln und wilden Indianer zu begeben."

Ueber Geschmackssachen läßt sich nicht rechten, Pamela," antwortete Godfrey Greylock trocken.Wir Alle haben unsere Schrullen."

Skalpiren die westlichen Wilden englische Edelleuie nicht ebenso geschickt wie schlichte amerikanische Bürger?"

Ohne Zweifel, wenn sie Gelegenheit dazu haben." Dann fürchte ich, daß Sir Gervases Adelstitel bald auf den nächsten Verwandten übergehen wird."

Unsinn! Er versprach, im Herbst nach dem Osten zurückzukehren."

Mir kommt es vor, als ob seine plötzliche Abreise für Keines von uns sehr schmeichelhaft wäre. Was meinst Du, Ethel?"

Diese blickte auf und beantwortete die Frage ihrer Tante mit erzwungenem Humor.

Ich bewundere den abenteuerlichen Geist des Baronets- aus solchem Stoff sind Helden gemacht. Gräme Dich nicht um ihn, Tante Pamela, er ist vollkommen im Stande, sich vor Gefahren zu schützen."

Als man sich vom Tische erhob, näherte Godfrey Greh- lock sich seiner Enkelin und flüsterte ihr leise zu:

Hast Du mir etwas zu sagen, mein Kind?"

Ethel wurde noch blässer, als sie bereits war- allein sie schüttelte den Kopf und erwiderte:

.Nein, Großpapa!"

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