Ausgabe 
28.12.1897
 
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^PöBsenn Du in Groll und Zwist Mit einem Deiner Nächsten bist, \Ss So denke, daß vielleicht schon morgen,

Enthoben allen Erdensorgen,

Vorbei das Leben ist

Und mit dem Leben auch der Zwist. F. Groß.

Der Majoratsherr.

Romen von Natal, v. Gschstruth.

(Fortsetzung.)

Mechanisch erhob sich der junge Marineoffizier, trat zu dem schlanken Stämmchen und bog die purpurnen Blüthen herab.

Wie heiß und grell sie in der Sonne flammten! Sie blendeten ihm die Augen, er Pflückte sie mit energischem Griff, unbekümmert, daß die scharfen Dornen seine Finger blutig ritzten. Vor seinen Augen gaukelte ein märchenhaftes, wundervolles Bild, eine schmucke, elegante Aacht, die als Gallionsbild den aufrechtschreitenden Löwen der Nördlingen trägt, umrauscht von dem Wappenbanner,- auf blau- kräuselnden Wogen zieht sie stolz daher, und der junge Offizier, welcher sie befehligt, sagt nicht mehr,Seiner Majestät Schiff", sondern lächelt blitzenden Auges: Mein Schiff!"

Gert fühlt, wie ihm das Blut glühend in die Wangen schießt, wie ein leidenschaftliches Wünschen und Verlangen seine Seele erfaßt.

Die rothen Rosen duften schwül zu ihm empor und neben ihnen verblaßt die Erinnerung an zarte Blaublümlein mehr und mehr, bis sie haltlos zerrinnen, wie Nebel und Dunst!

Der Wind streicht flüsternd durch die Gebüsche und die Aeolsharfe in der Ruine, welche seitwärts an dem alten Burgberg emporragt, hebt ein leises, wehmuthsvolles Summen an.

Gert lauscht empor, beinahe deucht es ihm wie eine be­kannte Melodie.

Mein Schätzer! ist hübsch, aber Geld hat es nicht. . ." Nein, diese Weise ist verklungen.

Geisterstimmen hallen aus dem zerfallenen Gemäuer herüber, die wollen den Freier in Schloß Niedeck begrüßen!

Klingt es wie Jubel und Becherklang, wie Glockenläuten und süße Liebesworte?

Der Wind saust stärker daher. Ueber ihnen an einem Fenster des Schlaffes tickt die kleine Kette einer Jalousie gegen die Scheibe.

Kling, kling, kling" ... so tönen Goldstücke, welche man hastig und habgierig zählt . . .

Gert macht eine jähe nervöse Bewegung, wendet mit starrem Blick den Kopf und stürmt, die Rosen in der Hand, dem Speisesaal zu.

* *

Pia beobachtete es bei Tisch mit hochklopfendem Herzen, wie ihr Bruder Gert begann, der kleinen Cousine recht auffallend die Cour zu machen.

Er überreichte ihr ein paar rothe Rosen mit sehr viel­sagendem Blick, und Fränzchen antwortete mit einem derart schmachtenden Gesicht, daß man es hätte outrirt halten können, wenn dem naiven Kind dergleichen Ironie zuzu­trauen wäre.

Die Rosen schienen ihr coloffale Freude zu bereiten, sie roch unablässig daran, und zwar so geräuschvoll, daß auch diese zarte Anerkennung seiner Huldigung etwas außer­ordentlich Komisches bekam.

Nach kurzer Zeit, während die Unterhaltung einmal sehr lebhaft gewesen, hielt Comteßchen mit innig wohlwollender Miene eine der Rosen dem älteren Fräulein Aurelie, welche die Stelle einer Hausdame auf Niedeck bekleidete und einer Offiziersfamilie entstammte, über d n Tisch herüber hin.

So wundervoll wie Gerts Rose duftete noch nie eine andere," sagte sie mit beinahe schmachtender Miene:Riechen Sie mal, Fräulein Aurelie, es ist zauberhaft!"

Die also Ausgezeichnete lächelte sehr geschmeichelt und nahm mit graziös gespreizten Fingern die Blüthe entgegen, um die spitze Nase andächtig in ihren Kelch zu versenken.

Kaum aber, daß sie daran gerochen, fuhr sie mit allen Zeichen des Entsetzens zurück, riß ihr Taschentuch aus dem Kleid, starrte mit blöden Augen nach dem Hellen Fenster und hazie, hazie ertönte eine coloffale Niesexplosion.

Prosit, prosit, Aurelchen!" schrie die kleine Gräfin mit wahrhafter Galgenphysiognomie, und als der Nieskrampf immer ärger ward, und das alte Fräulein mit unverständlich gegurgelten Entschuldigungen aufsprang und nach der Thüre stürzte, ward Fränzchen kirschroth vor Vergnügen, warf sich aufjohlend, ohne alle Prüderie an Gerts Brust und schluchzte vor Lachen.

Um Gottes willen! was ist denn geschehen?" rief die