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Inzwischen hatte ich Licht angezündet und die indirekte
endlich von seinem „Nachtessen" getrennt, die „Schwewel- Hölzer" aber vergessen hatte, machte sich recht deutlich bemerkbar.
e’ g'scheidt Idee!" ]
Das war etwas so Unglaubliches und bei ihr noch nie Dagewesenes, daß ich wirklich begierig war, die „g'scheidt Idee" näher kennen zu lernen.
„Also ganz ei'fach, mer lege unser Hinkelsleiterche an's Küchefenster un kraweln dadurch in's Haus!"
Gesagt — gethan, das „Hinkelsleiterche" wird geholt, an's ziemlich hoch gelegene Küchensenster angelegt und der Erfinderin des Experiments lasse ich den Vortritt. So einfach war die Geschichte übrigens nicht, denn es war, wie schon erwähnt, in rabenschwarzer Nacht nirgends ein Licht. — Also, mit aller ihr zu Gebote stehenden Würde, wie Jemand, der sich seines Werths als Retter aus der Noth voll bewußt ist, ersteigt sie langsam Sprosse für Sprosse.
„Jetzt bin ich owe, aber ach — Herr Jeh — 's is ja von inwendig zugeriegelt!" ruft sie ganz muthlos, probirt aber doch, den Riegel durch Rütteln von außen aufzuziehen. Das Resultat ist, daß sie sich den Daumen sest einklemmt und jämmerlich zu stöhnen ansängt. Nachdem auch dies Uebel beseitigt ist, ertaste ich zufällig eine Oeffnung im Fensterrahmen und stoße den Riegel zurück. Wir krochen nun auf allen Vieren zu dem altmodischen kleinen Fensterchen
Rathbedürstig steht die elegante Frau wie die pratsche Familien-Mutter an der Schwelle der Herbst-und Winter-Saison. Gwa- tich das Haus, wo fleißige Hände sich regen und dem sorgenden Familrew Oberhaupt wenigstens die theueren Schneiderrechnungen ersparm. w Jubel wird die neueste Nummer der lieben Hausfreundin, der „SHOotw jvclt" — nicht zu verwechseln mit den Titel-Nachahmungen »Große Modenwelt" und „Kleine Wodenwelt" — begrüßt, die zu rechter das Hochzeitskleid für die Braut im Hause bringt. Daneben aber W» eine reiche Auswahl dessen, was Groß und Klein beim Eintritt m neue Saison braucht: Schul-und Hauskleider, Promenaden-und Besuch - ^n8!ui|ujCii yune mj «lajt ungrzuuvcr unu vit i Toiletten. So kann es dann an ein fröhliches Schaffen gehen, Benn-
Ursache aller Leiden ausfindig gemacht: Der unschuldige Haus- bje mustergiltigen Schnitte, die genauen Beschreibungen machen die Verschlüssel nämlich, der hing ruhig an seinem Haken und unser | stellung all' der hübschen verlockenden Sachen zu einer wahren Freu^.
Juwel von Donna hatte ihn natürlich mit einem ganz falschen^ der zusällig zu-, aber nickt aufschloß, verwechselt.
Als ich die Thüre öffnete, hörte ich unter Flüchen gerade noch — und Undank ist der Welten Lohn — den Rest von unseres Schlossers Entrüstungsrede: „Ja Fräulein, bin ich denn verrückt — oder haw' ich g'träumt?! — Vorhin meint' ich doch ganz bestimmt, mir Drei hätte vor d'r verschlossene Hausdhür g'sesse! — Sie wer'n mich doch net zum Narr' halte?! So was vertrage mei Nerve abselut net!" drohte er nun.
Ich hielt es für gerathen, ihm schleunigst eine kurze und bündige Erklärung zu geben, denn zu meinem Schrecken merkte ich jetzt, daß er sich krampfhaft an der Wand sesthielt und das inzwischen noch beendete „Nachtessen" schien ihm recht schlecht zu bekommen.
Ganz energisch schob ich den baumlangen Menschen bei Seite und schloß meine Hausthüre ab. Wahrscheinlich hat er noch eine kurze Siesta auf unserer Treppe gehalten und von dem „merkwürdigen" Fall geträumt.
hinein, über den Spültisch in die Küche.
Kaum hier angekommen und während die Vielverwundete sich kalte Ausschläge macht, höre ich vor der geschlossenen Hausthüre einen Höllenlärm. Der biedere Schlosser, der sich
kann's auch so aushalte," — mit diesen Worten überreichte er mir galant besagtes Kleidungsstück.
Mir war längst siedend heiß geworden, doch da ich begreiflicherweise zögerte, es anzunehmen, fuhr er fort: „Genier'n Se sich nur net, denn mich hält mei' Fett warm- betrachte Se sich nur emal allei auf de Aerm den Speck!"
Leider konnte ich bei der herrschenden Finsterniß seinem Wunsch nicht nachkommen, um jedoch weitere derartige Ausführungen zu vermeiden, nahm ich rasch den „wollenen Wamme" mit der Rechten und ließ ihn mit der Linken hinter mir ver- I schwinden.
Im selben Augenblick kreischte Grethchen, die neben mir saß, laut auf: „Jesses, Maria un Josef! — 'n Hund, — ewe is'r an m'r enauf g'hippt, ich hab fei' weick Fell g'spürt.
Um den fürsorglichen Schlosser nicht zu kränken, durfte ich sie über die Täuschung nicht einmal ausklären und mußte ruhig geschehen lassen, daß dieser sie anschrie: „Es kömmt mer schon de ganze Awend vor, als ob Du g'rad' auch net zu de G'scheidtste g'hörst; durch Del' Dummhcite vergißt mer die Haupffach! Mädche, gleich hol' emal e Licht eraus, daß ich das Schloß betrachte kann!"
Pflichteifrigst stürzt sie nach der Thüre und wird erst durch unser schallendes Gelächter daran erinnert, daß sie nicht hinein kann.
„Ja, dann muß ich awer wenigstens e Paar Schwewel- hölzer hawe," und damit trabt er fort, um angeblich zu Hause welche zu holen, versäumte jedoch nicht, vorher meiner „Beschließerin" noch einige Abschiedsworte zu widmen, die Alles eher waren als ein Kompliment. Ich vermuthete, daß die Veranlassung, die ihn heimzog, weniger die „Schwewelhölzer", sondern weit eher das unterbrochene „Nachtessen" war, denn schon eine geraume Weile war vergangen, ohne daß in unserer Dunkelheit ein „Schwewelhölzchen" geleuchtet hätte.
Wie ich so über die vielen dummen Streiche der Menschen im Allgemeinen und über diejenigen von unserem Prachtexemplar von Dienstmädchen im Besonderen nachdenke, meldet dieses mir Plötzlich hoffnungsfreudig: „Fräulein — ich haw
Scbaction: 8L Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch & Scheyda) tn Bi-ßc«-
Gemeinnütziges.
Stachelbeeren haben bekanntlich oft unter Raupen zu leiden. Dieselben vor ihnen zu bewahren ist jetzt die beste Zeit, denn die Raupen überwintern als Puppen in Laub und Erde unter den Sträuchern und befinden sich immer nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Es empfiehlt sich daher, an den Orten, wo die Raupen aufzutreten pflegen, die Erde unter den Sträuchern etwa 6 Zentimeter tief abzuheben und durch andere zu ersetzen. Die alte Erde und das Laub wirst man in die Dunggrube, wodurch sie uns noch für später nutzbar wird. ___________
Literarisches
Von der „Deutschen Kunst und Dekoration", deren Erscheinen in Künstlerkreisen und von kunstsinnigen Laien m den letztem Tagen mit gespanntestem Interesse erwartet wurde, liegt nunmehr das erste Heft vor und darf zwe sellos als das Bedeutendste angesehen werden, was nach Inhalt wie Ausstattung im Dienste der vaterländischen Kunst und des Kunstgewerbes überhaupt in einer periodischen Literatur zu bieten ist. Bisher bestand kein Organ, das sich, wie das vorliegende,, die Förderung vaterländischer Kunst, d. h. ausschließlich deutscher Kunst und Formensprache in neuzeitlicher Richtung, als einzigste, vornehmste Aufgabe gestellt hätte. — Alexander Koch, der Herausgeber hat sich in Verbindung mit einem Stabe von hervorragenden Fachschriststellern und Künstlern die hohe und schöne, nothwendige Ausgabe gestellt, m einer Monatsschrift die gesamnile Kunstproduction Deutschlands, der Schweiz und der deutsch sprechenden Kronländer Oesterreich-Ungarn- pflegend und fördernd zusammen zu fassen, soweit sich ihre Erzeugmste der hohen wie angewandten Kunst als eigenartig-neuzeitliche Schöpfungen von characteristisch-deutscher Eigenart bieten. Die „Deutsche Kunst und Decoration" wird berufen sein, als einzige Zeitschrift ihrer Art die Interessen der Gesammt-Erzeugung deutsch-künstlerrschen Schaffens würdig zu vertreten und den sörderndsten Verkehr zwischen den Künstlern und Laien mit jeglichem Mittel zu pflegen! Die „Deutsche Kunst und Deco- ration" erscheint in der Verlags-Anstalt für Kunst und Kunstgeiverde von Alexander Koch, Darmstadt, und beträgt der vierteljährliche Abonnements-Preis Mk. 5,—, für das Ausland Mk. 5,50. Das erste Heft 'st einzeln in allen Buchhandlungen zum Preise von Mk. 2,— käuflich oder direct von dem Verlage zum Preise von Mk. 2,20 franco zu beziehen.


