Donnerstag den 28» Oktober
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Der Majoratsherr
Roman von Nataly v. Eschstruth.
Zeiten für das alte Schloß zu bringen. Endlich konnte man des alten Kuhnert einmal habhaft werden.
Der Bürgermeister beehrte ihn persönlich mit einer Unterredung. Er theilte mit, daß die Stadt großartige Empfangsfeierlichkeiten geplant hätte, welche lerder nicht hatten zur Ausführung kommen können. Das Feuerwerk und die Fackeln zu feierlichem Zuge nach Niedeck lagen nun beteil und die Bürger beabsichtigten, in diesen Tagen das junge Baar zu ehren, - ob wohl der nächste Sonntag dem Grasen angenehm sein werde? — Der alte Kuhnert zog ein absonderliches Gesicht, vor lautet Runen und Fältchen konnte man nicht erkennen, was es eigentlich ausdruckte. Er neigte sich wichtig flüsternd näher. ™ .
Jetzt ist überhaupt noch nicht der richtige Moment, Herr Bürgermeister! Das Paar will ganz und gar durch nichts gestört sein! Du lieber Himmel, was ist das für ein Gluck da oben! Solche Flitterwochen lasse ich mir gefallen! Wie Turteltäubchen sind sie miteinander! Was ne sich nur Liebes an den Augen absehen können, thun sie sich an! Wer so etwas sich hätte träumen lasten! Die Frau Gräfin, welche wahrlich ein Engel in Menschengestalt ist, io zart und fügsam und milde und gut — die ist ja ganz entzückt von unserem alten Niedeck! — Wie verklart steht sie Alles an, — und die Aussicht von den Fenstern des Kutscherstübchens findet sie auch am schönsten! Da sitzen sie jeden Abend Hand in Hand und freuen sich °u dem schönen Anblick! Nun wird der arme Graf auch seines Lebens froh
„Und das ^Feuerwerk?" erinnerte dec Bürgermeister beklommen. wirklich noch keine Zeit! Das
junge Paar ist ja ganz ineognito hier, und Sie wissen, daß der Graf wunderlich in manchen Dingen ist, er wurde sich über jede Störung ärgern. Aber einen guten Rath will ich Fhnen gebln! In vier Wochen ist doch der Geburtstag Seiner Gnaden, da wäre solch eine Ovation vielleicht als Ueberraschung ganz angebracht! Ich glaube, das wurde die Herrschaften freuen! Aber wie gesagt, das ist nur so em Raihschlag von mir und für den Erfolg garantiren kann ich nicht!"
Der Vater der Stadt war entzückt.
Er dankte mit wärmsten Worten und versuchte noch durch eine Einladung zum Glase Bier seine Beziehungen zu dem Factolum von Niedeck möglichst intim zu 9eJtalte"' Kukmert lehnte jedoch unter dem Vorwande, es sehr etltg • .zu haben, recht entschieden ab, und die Goldfüchse griffen
(Fortsetzung.)
Die Bestürzung war groß.
Was thun? — Rathlos traute sich der oberste Rath
„Wir bringen einen Fackelzug nach dem Schloß!" rief
„Bravo — brillant! gleich heute Abend muß es, fein! __ Und ein Feuerwerk brennen wir ab. Der Bürgermeister schüttelte besorgt den Kopf. „Wo sollen wir benn Fackeln, Windlichter und Feuerwerk hernehmen? Das mußte doch erst Alles bestellt werden!"
Abermals tiefe Stille. ,
„Nun, dann machen wir es eben em paar Tage spater. prahlte der Auditeur: „wer kann denn vermuthen, daß nach drei Wochen schon die Hochzeit ist! —"
„Ja, wir veranstalten die Feierlichkeit spater.
Man tröstete sich so gut man konnte.
Wer die Gräfin auf der Bahn gesehen hatte, erzählte Wunderdinge, wie sehr freundlich und gütig sie gelächelt und gegrüßt hätte! Hinken thäte sie ja etwas, aber das se doch gleichgültig für eine, die tnt Wagen fahren könne. Und Graf Willibald sei gar nicht zum Wiedererkennen, so nobel gekleidet und so glückstrahlend! Er habe seine Frau in den Wagen gehoben, als ob sie von Glas wäre, und Beide hätten einander so zärtlich angeschaut, wie die Mgsten und verliebtesten Hochzeiter! Man hoffte nun, d^ß die nächsten Tage schon merklich mehr Leben m die Stadt bringen würden: zu allgemeiner Ueberraschung Ücß sich die Gräfin aber mit keinem Blick sehen, u> d Niedeck lag so still und unverändert einsam aus seiner waldigen Bergkuppe, als habe me eine junge Herrin den Fuß über seine Schwelle gesetzt, neue
er unverletzt
Im Herzen noch den Traum der Jugend trägt, Wen Nimbus der Begeisterung noch umstrahlet, Der, der ist jung, der lebt im ero’gen Frühling, Mag Silberhaar um seine Schläfe spielen. Halm.


