Ausgabe 
28.9.1897
 
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dränge und den Sängern den Aufenthalt in von ihm be­wohnten Gärten verleide. Nach demselben Forscher beläuft sich der Schaden jedes durchwinternden Sperlingspaares und seiner Jungen auf 2 bis 3 Mk. Schon Buffon ist sein Gegner und bezeichnet ihn als so schädlich und lästig, daß es Wünschenswerth sei, ein Mittel zur Ausrottung des ganzen Geschlechts zu finden.

Andere Beobachter gehen mehr die Mittelstraße, indem sie wie Altum und Landois behaupten, Nutzen und Schaden wiege sich auf. Und noch Andere nehmen direct für den Angeklagten Partei. So berichtet Martin:Es ist er­staunlich, welche Mengen Maikäfer zur Frühlingszeit von den Sperlingen gefressen werden. Die harten Flügeldeckel brechen sie los und verzehren dann das Uebrige. Von vier Sper­lingspärchen konnte ich im Juni ein ganzes Scheffelmaß (4 Metzen) solcher Flügeldecken zusammenkehren, wobei natür­lich alle die fehlten, welche inzwischen vom Wind verweht wurden." Nach einer anderen Berechnung, deren Urheber mir unbekannt ist, trägt ein einziges Sperlingspärchen wöchent­lich seinen Jungen unter Anderm über 3000 Raupen zu. Ich selbst habe in der Nähe meiner Wohnung nistende Pär­chen so rührig dem Jnsektenfang obliegen sehen, daß die Thierchen verschiedene Male mit den Köpfen gegen meine Fenster flogen, um hinter den Scheiben befindliche Fliegen oder Schnaken zu fangen.

Zweifellos richtet der Sperling manchen und sogar be­trächtlichen Schaden an. Andererseits ist der Nutzen, den er durch massenhafte Vertilgung von Raupen und Insekten führt, nicht zu unterschätzen. In Gegenden, wo man ihn auszu­rotten versucht hat, hat sich dies Unterfangen empfindlich bestraft. Und in der That: der Sperling ist der bei weitem häufigste Vogel. Rottete man plötzlich alle Sperlinge aus, so würde sicher die Raupen- und Maikäferplage gewaltig überhandnehmen, so daß ein Schaden entstünde, gegen den der von ihm als Körnerdieb angerichtete wenig in Betracht kommt. Mindestens ist also Vorsicht geboten. Man kann seine Zahl zu vermindern suchen, ihn aber gänzlich vertilgen zu wollen, wäre aus ganz anderen als landschaftlichen Gründen kaum zu empfehlen. Sonst kommen wir ja auf die Sprünge der Sänger jenes schwäbisch-bayerischen Spruches, welcher folgendermaßen lautet:

Alla Thiera muß ma leba laffa, Numma keina Spatza,-

Die muß ma verquetsch« und verquitscha, Wo ma ka eina verwitscha."

HuMsristisches.

Streng militärisch. Ein Rittmeister besaß einen hübschen Angora-Kater. Als er eines Abends nach Hause kam, vermißte er das Thier, das ihm sonst immer gleich zu­lief.Wo ist der Kater?" fragt er seinen Burschen. Dieser stellt sich in vorschristsmäßige Positur und erwidert respect- voll:Melde gehorsamst, Herr Rittmeister, er ist mit einer Civil-Katze spazieren gegangen."

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Stoßseufzer. Junge Hausfrau:Gott sei Dank, mit dem Kochen bin ich fertig wenn's nur auch schon ge­gessen wär'!"

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Erster Gedanke. Rentier (im Aquarium die ver­schiedenen Scheerenthiere betrachtend):Nu, was nutzen denn die Scheeren, wo sie keine Coupons haben!"

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Boshaft. Zur Strafe für schlechtes Exerziren führte der Herr Wachtmeister Sattegast einen Rekruten über Mittag in eine Kochkunst-Ausstellung!

Undiplomatische Frage. Der Sultan:Sagt's mir nur, Leut'ln, giebt es denn bei Euch zu Hause man munkelt ja Verschiedenes nichts zu reformtren, weil Ihr Alle so auf Reformen in der Türkei versessen seid?"

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Netter Trost. Bräutigam:Aurora, Du hast ja bei der Trauung kaum das WortJa" aussprechen können." Braut:Ich war so verwirrt, Heinrich, das nächste Mal wird's schon besser gehen."

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Vor der Jagd. Jäger:Was sagen Sie dazu, meine Herren, der Treiber Michel will nicht mehr kommen. Er sagt, er zöge es vor, von denzusammengeschossenen" Schmerzensgeldern ein Freudenleben zu führen!"

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Der luftige Krieg. Er:Ich möchte wirklich wissen, ob es einen Narren gegeben hat, der Dir die Cour schnitt, ehe Du Dich mit mir verheirathetest?" Sie:Ei, ganz gewiß." Er:Na, warum hast Du ihn dann nicht geheirathet?" Sie:Das hab' ich ja gethan."

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Optimistische Deutung. Junge Frau (die zum ersten Male gekocht):Keinen Bissen hat mein Männchen gegessen nun sag' mir noch Einer, Liebe mache nicht satt!"

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Beim Appell. Wachtmeister (zu einem Rekruten, an dessen Säbel Rostflecken sind):Müller, Sie Esel, warum haben Sie Ihren Säbel nicht goputzt? Glauben Sie denn, Sie dienen bei derCavalleria rosticana ?!

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Im Jahre 1900.Sind Sie auch Sammler von Raritäten?"Ja, ich sammle Postkarten ohne Ansichten!"

Literarisches

ließet denEinfluß des Heirathens auf die Lebens­dauer" finden wir in dem soeben erschienenen fünften Heft derJllu» strikt«» Welt" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) einen sehr interessanten Artikel von Dr. Otto Gotthilf, in welchem er an der Hand statistischen Materials nachweist, daß die Ehe auf die Erhaltung und Fortdauer des Lebens höchst günstig einwirke. Ja, nach dem französischen Statistiker Devay gewinnt sogar ein Mann, der mit dreißig Jahren heirathet, dadurch an seinem Leben elf Jahre. Wer mit fünfunddreißig Jahren Heirathet, gewinnt acht und wer mit vierzig Jahren heirathet, sechs Jahre. Nach dem fünfzigsten Lebensjahr aber hört dieser Gewinn auf. Hiernach kann ein jeder unserer verheirateten Leser selbst fest­stellen, wie viel er seither schon an Jahren profitirte, andererseits liegt darin eine freundliche Mahnung an alle noch Unverheiratheten, sich ihren Gewinnantheil an Lebensjahren schleunigst zu sichern. Aus dem reichen Inhalt des Heftes sei weiter noch ein für Jedermann sehr be- herzigenswerther Artikel über denFuß und seine Pflege" von Dr. Hessel­bach hervorgehoben, ferner eine Fortsetzung der gern gelesenenSkizzen aus der Mappe eines Berliner Polizeilieutenants" undDas Jubiläum der Thüringer Glasindustrie". Auf die schon früher besprochenen beiden großen RomaneDer Ritt um's Glück" von Wilhelm Meyer-Förster undUnter dem rothen Cardinal" von S. I. Weymann, die sich zu einer von Heft zu Heft spannenderen Lectüre entwickeln, wollen wir hier nur kurz wieder Hinweisen. Prächtig wie immer ist der bildliche Schmuck. Herzig blickt unsEs Berner Meitschi" von Spangenberg an, timmungsvoll wirkenStudentenabschied" von W. Zehme, fernerNach dem Abendläuten" von Sld. Lins undVor fünfzig Jahren" von E. Hirschfeld, und gar freundlich berührt unsIhre Lieblinge" von H. Salentin, währendZum Derbyrennen vor hundert Jahren" von R. C. Woodville uns weit zurückliegende Zeiten vor Augen führt und vier Bilder nach Momentaufnahmen denBesuch deS deutschen Kaiser­paares in St. Petersburg" veranschaulichen. Auch der Humor ist in gewohnter Weise vertreten und ebenso unter den RubrikenWas giebt es Neues" undAus der Küche" viel Nützliches und Wissenswertes der Hausfrau mitgetheilt, während die reichhaltige Spielecke durch aller­hand Räthsel für Kurzweil und Unterhaltung bestens sorgt. Bei all' dem Gebotenen kostet das Heft nur 30 Pfg. wahrlich, man muß sich ragen, wie es möglich ist, all' das für so wenig Geld zu bieten.

Redaction: 8L Scheyda. Druck und Berlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Bietzen.