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angezweifelte Wahrheitsliebe Ihnen im vollen Glanze vorzu- sühren und ich lade Sie ein."

Nach der Thaerstraße," fiel Frau Bernau ihm lachend in das Wort.

Nur das dunkle Roth, das plötzlich auf des Doctors Wangen trat, ließ erkennen, daß er die nicht allzuzarte An­spielung der Dame auf den Berliner Schlachthof verstanden habe. Ein Blick in deren gutmüthiges, heiteres Antlitz gab ihm indessen sofort die Stimmung zurück.

Achtung vor Ihrer Berliner Ortskenntniß aber diesmal liegts näher, haben Sie nur ein paar Tage Geduld."

Schade! wenn Sie nicht unterbrochen hätten, Frau Regierungsräthin, hätte der Doctor alle seine Geheimnisse enthüllt," flüsterte Helene der Bernau zu,er war in so gutem Gange!"

Mchts war natürlicher, als daß der Doctor beim Nachhausewege neben Bertha ging und nichts begreiflicher, als eine Verabredung zum Musiciren auf den folgenden Tag.

Aber bitte ohne die Regierungsräthin," fügte der Doctor hinzu.

Wenn zwei Stimmen zusammenpassen und das Musik­interesse auck, da weiß man ja, wie es geht! Man zieht sich an und bleibt zusammen, wie durch magnetische Kraft gehalten, bis dann irgend ein trennendesplus fort Eintritt.

Freilich, die Regierungsräthin ließ sich nicht abschütteln! Ich spiele hier das Gewissen," äußerte sie dem lächelnden Geheimrath gegenüber.

Wohl meinte dieser, seine Nichte sei auf dergleichen schon gefeit, aber das konnte die würdige Dame nicht ab­halten, weiteren Gewissenszwang zu üben.

Zwei Tage waren im heitersten Zusammenleben ver­gangen der Doctor gehörte nun schon ganz zum Olde- kopp'schen Kreise.

Es war Abends spät. Man war im Mondenschein am Strande gegangen und hatte sich soeben getrennt. Der Geheimrath begab sich zur Ruhe, während die Nichte und Tochter noch im Salon vereint blieben.

Ich finde, Du müßtest es ihm sagen," wandte sich Helene an die ältere Cousine,wenn er uns auch etwas zum besten gehabt hat, mir scheint, er verdient doch nicht, dafür in einer ernsten Frage na und daß die Sache ihm ernst ist, das mußt Du doch am besten beurtheilen können! Die Räthin hat mir noch vor einer Stunde gesagt: Das giebt ein Unglück Sie müssen da löschen, ehe es ein Großfeuer giebt!"

Laß doch die Räthin sagen, was sie will! Gerade, weil ich das Gefühl habe, er treibt nur seine Kurzweil mit uns und wir Frauen fühlen das doch bald heraus, wenn wir etwas Verstand haben, gerade deswegen ist es unsere Pflicht, ihm auch einen kleinen Possen zu spielen. Warum fing er dieses Versteckenspielen an?"

Aber das that er ursprünglich nur der Bernau gegen­über, die fordert doch förmlich dazu heraus mit ihrer Neugier! Und dann, Bertha, er hat Dir gegenüber doch als Arzt mit einer Opferfreudigkeit"

Bitte, davon rede nicht, das ist ein dunkler Punkt und ich bin noch unsicher, ob wirklich die selbstverordneten Präservative gegen die Seekrankheit mich umwarfen, oder ob nicht am Ende doch der Arzt mich in eine Art hypnotischen Unbewußtseins versetzte, wie das die Regierungsräthin fest behauptet."

Laß die Räthin sagen, was sie will, das kann auch ich Dir jetzt antworten! Ich bleibe dabei, daß Du ihm sagen mußt, welch unüberwindliches Hinderniß Euch trennt!"

Bertha lachte hell auf.Dann hätte er ja seinen Zweck erreicht und ich wäre blamirt!"

Helene schüttelte den Kopf.

Wenn er die Wahrheit ahnen könnte, würde er so

unausgesetzt sich fast ausschließlich mit Dir beschäftigten? Ihr seid ja untrennbar!"

Ach, Du Närrchen, sähest wohl lieber, wenn Du selbst" Bertha!"

Nun, nicht gleich so strafende Blicke! Ich kann Dir übrigens versichern, daß er mit keinem Worte, mit keiner Miene, ein anderes Interesse für mich gezeigt hat, als das künstlerische, das uns zusammenführte zurUnzertrennbarkeit", wie Du das nennst! Nein ich werde ihm mein Geheimniß schon im rechten Augenblicke anvertrauen nicht früher. O, ich sehe schon sein erstauntes Gesicht/ wenn er mich in Berlin aufsucht und"

Bertha, bist Du denn wirklich etwas etwas kokett?"

In gewissem Grade müssen wir das sein, mein Kind, das hält uns frisch vor uns selbst und bei den Männern. Aber nun geh' schlafen.

* *

*

Die Badezeit, die Fluth also, war am folgenden Tage erst gegen 12 Uhr. Aber schon um 8 Uhr sah man den Geheimrath mit seinem gesammten Gefolge den Doctor einbegriffen durch das herrliche, von hohen Dünen umrahmte Wiesenthal hinauswandern zum Upholm, einem bäuerlichen Kaffeehause des Vesterlandes. So war's verabredet. Herr v. Santen ging, wie fast immer neben Bertha und ja, Helene mußte mit Schrecken die Bemerkung machen, daß ihre Warnung an die Cousine einen durchaus der Absicht entgegengesetzten Erfolg gehabt hatte. Bertha behandelte ihren Begleiter mit jener neckischen Liebenswürdig­keit, die abwehrt und anzieht zu gleicher Zeit.

Sie trug heute eine Morgentoilette, Lawntennisstoff, crsme mit blauen Streifen, die ihre schlanke Figur be­sonders Vortheilhaft erscheinen ließ. Mund und Augen aber sprachen beredter denn je. Dem Doctor nun, dem hätte man heute seine 45 Jahre nicht angemerkt, so lebhaft war sein Mienenspiel, so jugendlich und fast tändelnd die Art, mit der er die Stimmung seiner Begleiterin immer mehr herausforderte.

Das Alles entging Helene nicht, wenn sie auch nur ab und zu ein einzelnes Wort zu hären bekam oder die Andeutung einer Melodie, in die Conversation eingestreut, in ihr Ohr fiel. Sie ging neben dem Vater.

Ein paar Mal sah sie ihn fragend an. Merkte denn der nichts? Konnte er das gutheißen? Von seiner Bruder­tochter? Von einer Dame, die seinem Schutze anvertraut war, für die er also die Verantwortung trug? Aber nein er merkte nichts garnichts! Mit heiterster Miene rauchte er seine Morgencizarre und ließ geschehen, was ach ja was, ein schreckliches Ende nehmen mußte!

Jetzt wußte sie es Bertha war eine Kokette. Eine heilige Pflicht war es, auch den Mann zu warnen, der sich umstricken ließ durch ihre Zauberkünste und noch heute sollte er erfahren daß

Dazu fand sich nun freilich die Gelegenheit nicht so schnell, wie die junge Dame das hoffte, denn sowohl während des Frühstücks als auch beim Suchen derPyrola", der duftigen Specialität der Jnseldünen von Borkum, ließ Bertha den Doctor auch nicht eine Minute los.

Endlich kam dennoch der ersehnte günstige Augenblick.

Hierher! Ein ganzes Blüthenneft!" rief sie in die Dünen hinein und diesmal war der Doctor der Erste, der dem Rufe folgte.

Herr von Santen ich muß Ihnen eine Mittheilung machen," flüsterte sie dem Ankommenden zu.

Mir? Und das wäre?" ,

Nicht jetzt, meine Cousine kommt schon bitte später.

Der Doctor machte ein erstauntes Gesicht dann aber, als Bertha hinzukam, suchte er mit so besonderem Eifer die Pyrola, daß Helene vorauszusehen glaubte, für wen er ste