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wozu rathen Nusenkindern
in Gieße«.
Das Haus der Schatten.
Roman von Robert Kohlrausch
(Schluß.)
Ais sie den Domhof selbst betreten hatten, sagte Georg: „Nun mutzt Du noch mit mir von meinem Lieblingsplatz Abschied nehmen."
„Komm'," gab Ina zur Antwort, und an seiner Seite schritt sie über den Platz, aus dem die Linden eben zu blühen begannen, und trat in die kühle Dämmerung des Domes hinein. Georg sprach ein paar Worte mit einem Manne, der ihm entgegen kam, tann mit freundlicher Bereitwilligkeit eine Thür vor ihnen ausschlotz und sie wieder hinter ihnen anlehnte, ohne selbst zu folgen.
„Ich habe mit dem Thürhüter Freundschaft geschlossen," sagte Georg, „er hat mich schon oft allein hineingehen lassen. Solch' ein rasselnder Schlüsselbund hinter mir bringt mich um jede Stimmung! Es ist wie das Klirren einer Kette, an der uns die Prosa festhält, wenn wir uns in die Poesie eines Ortes vertiefen wollen."
Während er sprach, hatten sie den Kreuzgang betreten und waren, ihn verlassend, auf den kleinen Kirchhof hinausgelangt, der von der Rückwand des Domes und den drei Seiten des Kreuzgangs eng umschlossen wird. Ina kannte den Platz, aber sie war niemals ohne Begleitung eines störenden Erklärers hierh .^gelangt, und nie zuvor hatten der feierliche Ernst, der erhabene und tröstliche Frieden des weltabgeschiedenen Erdenwinkels so eindringlich zu ihr gesprochen.
„Es ist ein erüster Ort," sagte sie leise, indem sie vor einem der Gräber stehen blieb, „aber wir sind ja auch ein
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ftjue, was recht ist, Prüfe, was echt ist, Meide, was schlecht ist.
Ein junger, aber feuriger Wein
Wird im Alter milder und milder sein;
Was aber ein Krätzer von Anfang war, Wird herber und herber von Jahr zu Jahr! —
So war's zu allen Zeiten
Bei den Weinen wie bei den Leuten. G. S.
ernstes Paar, und unser Fuß ist über Gräber gegangen, ehe wir hierher kamen."
Georg gab keine Antwort^ er zog sie nur an sich und küßte sie auf die Stirn. Wie sie so da standen in ihren schwarzen Gewändern, hätten sie für Trauernde gelten können, die eines Todten Ruhestätte besuchten. Aber der Glanz in ihren Augen war nicht der Schimmer von Thränen, und ein Leuchten des Glücks flog über ihre Züge, während sie einander umschlungen hielten inmitten dieser Umwallung von altersgrauem Stein, die den Lärm des Lebens von ihnen schied. Ernst und feierlich war der Ort, und Gräber lagen zu ihren Füßen; aber auf den vier steinernen Wänden ruhte der blaue Sommerhimmel, auf den Hügeln der Todten blühten die Blumen, an den mächtigen Strebepfeilern trieben Epheu und wilder Wein ihre neue Ranken, und au der Apsis des Domes breitete der Rosenstrauch, verwitternden Stein mit schlanken Armen seit mehr als tausend Jahren umschlingend, sich frisch und ergrünt aus, mit Blüthen und Knospen leuchtend geschmückt. Himmel und Licht, Ranken und Grün, Sonnenschein und Duft sprachen zu den Beiden: „Glaubt an die Kraft des Lebens, die den Tod besiegt!"
Langsam gingen sie zwischen den Gräbern umher, lange Zeit schweigend. Dann begann Ina zu sprechen: „Weißt Du, ich freue mich im Grunde, daß wir unser neues Leben nicht hier beginnen. Auch meinem alten Hause der Schatten trauere ich an sich nicht nach. Es hat mir in Wahrheit viel Schatten auf meinen Weg gebracht, und nun —"
„Nun wollen wir lauter Sonnenschein haben und keine Schatten mehr, nicht wahr?"
„Nein, keine Schatten," entgegnete Ina, dann aber, nach einem kleinen Ueberlegen, sagte sie in einem leichteren Ton: „Doch, eine gewisse Sorte von Schatten muß ich ausnehmen."
„Und welche?"
„Die Du selbst herbeirufst mit Deiner Phantasie und die Du zu wirklichen, lebendigen Geschöpfen machst durch die Kraft Deines Geistes. Die sollen bei uns bleiben und uns begleiten und sollen mithelfen an unserem Glück."
Er lächelte in stiller Freude, legte seinen Arm um ihre Schultern und führte sie langsam zu dem blühenden, tausendjährigen Rosenstrauch. Hier hob er die Haud und brach eine Blüthe von einem der zu ihnen herniedernickenden Zweige.
„Es ist eigentlich nicht erlaubt, aber heute dürfen wir schon einmal etwas Unerlaubtes thun," sagte er. „Ich möchte Dir diese Rose geben, laß' sie ein Zeichen unserer Liebe sein. Wie dieser Rosenstrauch immer frische Zweige und Blüthen


