Ausgabe 
27.3.1897
 
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treibt, soll auch unsere Liebe es thun, und wenn der Winter sie einmal bedroht, wollen wir die Hoffnung auf einen neuen Frühling niemals verlieren."

Sie sah ihm tief in die Augen und nickte ihm zu- dann steckte sie die Rose an ihre Brust. Und als sie nun den schweigenden Ort des Friedens verließen, da trugen sie den Duft dieser Blüthe mit sich hinweg, der sie, gleich der Ver­heißung eines beständigen, aus gesunden Wurzeln immer neu wieder hervorsprießenden Glückes, freundlich umspielte.

Stubensiech infolge winterlichen Stubenlebens.

Von Dr. Grumbach.

___ (Nachdruck verboten.)

Es ist ein schöner Märztag. Bei Frau Kaufmann Müller versammelt sich soeben eine größere Anzahl Damen zu dem üblichen Donnerstags Kaffee Kränzchen. Da tritt Frau Actuar Schulze ein, welche schon seit mehreren Wochen kein Kränzchen besucht hat. Sofort eilte Frau Müller auf sie zu:Ja wo waren Sie denn die ganze Zeit über? Wie blaß Sie aus­sehen, waren Sie krank?" Und Frau Schulze erklärt tief seufzend:Ach, das war ein rechtes Elend bei uns zu Hause! Mein Mann hat wiederseinen" Rheumatismus, dazu leidet er jetzt immer so sehr an Hämorrhoiden und kann nie warme Füße bekommen - selbst in der Nacht kann er der kalten Füße wegen stundenlang nicht einschlafen. Und unser Gustchen wird nun schon seit Wochen den Husten nicht los- das ist ein ewiges Gekrächze, manchmal mehr, manchmal weniger. Mit mir wird es wohl auch nicht mehr lange dauern- mir liegt es immer so furchtbar auf der Brust." Nun sangen die Freundinnen an zu trösten und zuzureden, und erzählen, wie daheim auch fast Jeder etwas hat, Husten oder Schnupfen, Influenza oder Rheumatismus und dergleichen.

Solche und ähnliche Klagelieder Jeremiä kann man stets gegen Ende des Winters in zahlreichen Familien zu hören bekommen. Die mannigfachen Gesundheitsschädlichkeiten des Winterlebens häufen sich eben allmälig und kommen endlich zum Ausbruch, die Leute werden stubensiech infolge winter­licher Stubengefangenschaft. Wie lebten denn aber auch die meisten Beamten, Gelehrte, Schriftsteller, Comptoiristen und Bureaumenschen? Den größten Theil des Tages verbrachte man in einer heißen, dumpfen Atmosphäre, die nach außen fast hermetisch abgeschlossen war. Menschen, Oefen und Be­leuchtung trugen das ihrige zur Verschlechterung der Luft bei- und wie selten wurde diese verpestete Luft durch weit ge­öffnete Fenster Hinausgelaffen und durch frische ersetzt. Nach des Tages Last und Mühe ging man dann nicht etwa längere Zeit spazieren oder in eine stundenweit entfernte Restauration zum Abendtrunk, sondern in die gewohnte nahe Stammkneipe. Und was herrschte erst dort für eine Atmosphäre von Dünsten und Gerüchen nach Menschen, Speisen, Bier, Tabaksqualm, Gas, Kohlenheizung! Oder man ging in einen mit Menschen überfüllten Saal zu Concert, Theater, Versammlung! Dann kam die Nachtruhe in einem kleinen, mit Schläfern stark be­setzten und nicht gelüfteten Zimmer. Wie selten wurde ein größerer Spaziergang gemacht, wie selten wurden an Sonn­tagen und anderen Feiertagen weitere Ausflüge unternommen! Auch regelrechte Hautpflege, bestehend wöchentlich in einem Vollbade und möglichst täglich kalter Ganzabspülung ist wohl nur von sehr Wenigen durchgeführt worden. Was war die Folge davon? Die vernachlässigte Haut und der verweich­lichte Körper wurden immer empfindlicher gegen Temperatur­wechsel, es entstand eine Erkältung nach der anderen, Schnupfen, Husten, Reißen und Rheumatismus waren häufige, freilich keineswegs gern gesehene Gäste. Auch der Stoffwechsel wurde durch Mangel an Bewegung bedeutend vermindert, immer mehr Schlacken und Abfallstoffe häuften sich im Blute an, man bekam einen heißen Kopf und kalte Füße, Mattig­keit und Schwere in den Gliedern- die Stockung des Blutes führte sogar nicht selten zu Hämorrhoiden und Krampfadern.

Dies sind auch die hauptsächlichsten Leiden, über die vorhin Frau Actuar Schulze bei ihrem Manne klagte. Da bringen auch Salicylpulver, Dampfbäder, Einwickelungen oder Ein­reibungen nur vorübergehend Besserung- denn wirkliche Heilung erreicht man einzig und allein durch vollständige Aenderung der Lebensweise, d. h. der ungesunden in eine ge- un:e. Wie diese beschaffen sein muß, wird Jeder aus dem bisher Geschilderten schon herausgesühlt haben- die beiden Hauptfactoren derselben sind frische Luft und energische Be­wegung. Hierzu bietet gerade die jetzige Jahreszeit in reichem Maße Gelegenheit, welche man seinem eigenem Ich zu liebe recht ausgiebig benutzen möge.

Auch die meisten Hausfrauen merken gegen Ende des Winters an sich die Folgen des Stubenssiechthums. Unter Hausfrauen verstehen wir hier im guten Sinne des Wortes alle Jene, welche ihre Zeit nicht mit Spazierenfahren, Putzen und in Gesellschaften zubringen, sondern als Bürgerfrauen bald im Kinderzimmer, bald in der Küche, bald am Nähtisch thätig sind. Diese hatten im Winter stets mehr Bewegung als die Männer, daher sie auch wenig von den Leiden, welche aus Verminderung des Stoffwechsels und Stockung des Blutkreislaufes hervorgehen, wie Rheumatismus, Blutandrang zum Kopfe und kalte Füße, befallen wurden, aber da die Hautpflege vielfach vernachlässigt wurde, stellten sich häufig Katarrhe ein, und aus Mangel an frischer Luft litt die Lunge noth, die Frauen wurden lungenlahm - der Frau Schulze liegt es auf der Brust". Solche geschwächte Lunge ist dann ein guter Boden für die Bacterien der Tuberculose und Lungenentzündung- aus den Reihen dieser widerstandslosen Wesen rekrutiren sich die Schwindsuchscandidaten. Darum auf, ihr Frauen, stärket wieder eure Lungen, geht mit euren Männern täglich spazieren, dem Frühlingssonnenschein ent­gegen! Aber nicht erst morgen oder übermorgen, weil heute gerade so viel in der Wirthschaft zu thun ist. Nein, gleich heute und morgen und übermorgen.

Nehmt eure Kinder auch mit oder laßt sie, was ihnen wohl noch lieber sein wird, draußen tüchtig herumtollen, und zwar bei jedem Wetter. Kinder werden erst durch die Eltern verzärtelt, denn es lebt in ihnen noch der natürliche Drang, nicht lange stille zu sitzen, sondern hinauszustürmen in des Menschen Lebenselement, die frische Luft. Diesen Naturtrieb möge man nicht unterdrücken, da es nur zum größten Nach­theil für die Gesundheit geschehen kann. Sie werden durch das viele Stubenhocken widerstandlos, schwächlich und bleich gleich Treibhauspflanzen, und wie diese weder Kälte noch Unwetter aushalten, so fallen jene meist frühzeitig irgend einer Krankheit zum Opfer.

Daher, alle ihr Familienmitglieder, benutzet die herrliche Frühlingszeit, um euren Körper von den Schlacken des Winterlebens zu reinigen, um wieder blühende Rosen auf eure Wangen zu zaubern, um die ozonreiche, lebenspendende Frühjahrsluft, welche ja draußen unzählige Blumen und Blüthen aus dem tobten Erdreich Hervorzurusen vermag, m vollen, tiefen Zügen einzuathmen!

Kindliche Thierqnälerei.

Von Minna Wettstein-Adelt.

Es ist ein alter pädagogischer Grundsatz, daß man die Gemüths- und Herzensbildung eines Kindes am besten an der Art erkennen kann, wie dasselbe sich der Thierwelt gegen­über verhält. . s

Die rohe Behandlung der Thiere lernen die Kino auf der Straße oder im Elternhause, sodaß der Jugendllyr^ nicht allzuviel dagegen thun kann, sondern nur seine Schtug zieht. Was er durch Belehrung gut zu machen sucht, w vielfach außerhalb der Schule wieder verdorben, wn häusliche Erziehung das Gebiet der Liebe zum Threr >e genügend würdigt. Und doch ist die Barmherzigkeit

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