96 -
welcher Beziehung ihre Mutter selig zu Luther gestanden hatte, erklärte sie nicht, aber Caroline war befriedigt.
An Stoff zur Unterhaltung fehlte es an diesem Abend nicht. Die bevorstehende Aufführung beschäftigte alle Geister, und wenn auch nur Martha und Köhler mit kleinen Rollen bedacht worden waren, so hatte doch Caroline es durchzusetzen gewußt, daß sie mit Ferdinand Elster und dem Diener zusammen als „Volk" mitwirken durfte.
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnützig-».
Ein „Schellfisch-Kochbuch" mit fünfzig practisch erprobten Kochrecepten, sowohl überaus feine Gerichte für die Tafeln begüterter Herrschaften, wie einfache schmackhafte Speisen für den bürgerlichen Tisch enthaltend, ist von Elise Hannemann, Vorsteherin der Kochlehrschule des Lette- Vereins in Berlin, herausgegeben worden (Verlag der Hofbuchhandlung von W. Moeser in Berlin). Die Verfasserin, eine Autorität auf ihrem Gebiete, schreibt auch in diesem Specialwerke bei den verschiedensten Recepten die Anwendung von Liebigs Fleisch - Extract vor, und bestätigt somit auf's Neue den altbewährten Erfahrungssatz, daß als Zusatz zu Suppen, Saucen, Ragouts und bergt, das Fleisch - Extract der Compagnie Liebig eine ganz ausgezeichnete,. den Wohlgeschmack wesentlich fördernde Würze bietet, die nicht nur bei Fleischspeisen, sondern auch bei vielen Fischgerichten vortrefflich zur Geltung kommt.
* * *
Zwei Gebäcke zur Fastnachtszeit. Muzen: Nachdem der ganze Inhalt von 5 bis 6 Eiern gut verrührt xtourbe, gibt man unter weiterem bestänbigen Rühren vor und nach so viel feinstes Weizenmehl hinzu, bis ein Teig entsteht, ber sich ausrollen läßt. Den Teig legt man auf ein mit Mehl bestaubtes Backbrett und rollt ihn möglichst dünn aus. Alsdann schneidet man mittelst eines Backrädchens das Ausgerollte in längliche viereckige Stücke, etwa von der Größe einer mittelgroßen Hand. Diese Stücke werden nun in gutem Fett, etwa in Butter und Schweineschmalz, gebacken oder vielmehr gekocht / sie müffen dabei blaßgelb bleiben. Beim Herausnehmen bestreut man sie mit Staubzucker und besprengt sie mit Rosen- waffer. — Muzenmandeln: In einem Liter kochender Milch mit etwas Salz und abgeriebener Citronenschale rührt man vor und nach so viel Weizenmehl hinein, bis eine steife Masse entsteht, die sich vom Topfe ablöst. Diese legt man auf ein Backbrett und formt mittelst eines Löffels kleinere oder eidicke Klößchen, kocht dieselben, wie das vorhergenannte Gebäck, in Fett gar und bestreut sie ebenfalls mit Zucker oder mit einem Gemisch von Zucker und Zimmet. — Im Allgemeinen bemerken wir: Zu allen Gebäcken, die in Fett gekocht werden, gehört ein passender, nicht zu kleiner Topf. Man nehme das Fett ziemlich reichlich/ es backt sich dann besser und die Gebäcke werden schöner und wohlschmeckender. Zudem findet das erübrigte Fett ja stets wieder seine Verwendung. Bei einem kleinen Zusatz von frischem Fett kann zum zweitenmal in dem erübrigten gebacken werden, das sich auch bei der Zubereitung gewöhnlicher Gemüse verwenden läßt.
* * *
Erdäpselkrapfen. Erdäpfel werden in Salzwasser gekocht, auf ein Sieb gelegt, damit das Wasser ablause, durch das Sieb gedrückt und mit Milch und Butter über dem Feuer zu Schaum weißgerührt. Nachdem sie ausgekühlt sind, wird eine in Würfel geschnittene, geröstete Semmel und Salz hinzugethan, auf einen Nudelteig Häufchen gelegt, ausgeschnitten und in Butter gebacken, mit dem Löffel herausgenommen und heiß aufgetragen.
Kervtlsltppe. Man wäscht und hackt zwei Hand voll Kerbel und eine Hand voll Petersilie und dämpft dies in Butter/ unterdessen bringt man ein und ein viertel Liter Wasser mit einem Löffel voll Butter zum Kochen, gibt das Gedämpfte dazu, kocht und verklopft die Suppe tüchtig, würzt sie mit zwei Eidottern und etwas saurem Rahm ab.
* *
*
Kalbgrik. Lunge und Herz eines Kalbes werden in mäßig große Stücke geschnitten. In einer Pfanne werden zwei Löffel Speckwürfel erhitzt, die Fleischstücke mit Salz, Pfeffer, gehackten Zwiebeln hineingethan, heißes Wasser dazu gegossen und das Ganze eine und eine halbe Stunde über mäßigem Feuer gekocht. Man kann das Fleisch auch mit Zugabe von Suppengewürz weich sieden und dann mit einer weißen Sauce abkochen. Die Brühe, in der das Fleisch gekocht wurde, kann man sehr gut für eine Suppe verwenden.
* * *
Welcher Boden und Dünger eignet fich zur Rofenenltnrf Jeder Gartenboden, der nahrhaft und tiefgründig ist/ mittelschwerer, etwas lehmiger, gut gelockerter, selbst mit kleinem Steingeröll untermischter Boden paßt ihr am Besten. Ein schwerer Lehm- oder Thonboden muß mit Sand oder Kalk untermischt werden/ leichten Sandböden gibt man Kompost oder Stalldünger. Bet kleineren Gartenpflanzungen fällt die Erdmischung kaum in Betracht, dagegen wird man bei Anlage von Rosenschulen besser thun, eine entsprechende Bodenart zu wählen, als eine Erdmischung vorzunehmen. Der zweckmäßigste Dünger bleibt der Stallmist. Im Herbst kann derselbe in ziemlich frischem Zustande untergebracht werden, oder aber man bedeckt, was besonders bei Neupflanzungen sehr vortheihaft wirkt, im Frühjahr die Erdoberfläche mit demselben. Dadurch verhütet man das Austrocknen der Erde und führt beim jeweiligen Gießen die düngenden Stoffe allmälig den Wurzeln zu. Beim Verwenden von Abtritt-, Hühner- und Taubenmist sei man vorsichtig, denn derselbe würde, im Uebermaß angewendet, die Wurzeln zerstören. Man dünge hauptsächlich im Frühjahr, oder im Sommer vor oder während des Regens/ lieber viel Mal und nie zu viel.
* * *
Um Feuer zu beleve». Ein vorzügliches Mittel, um mattes Feuer zu kräftigen, Hellem Ausbrennen oder um verlöschende Kohlen wieder in Gluth zu bringen, ist ein wenig Kolophonium, und sollte daher jede Hausfrau von diesem billigen, leicht aufzubewahrenden Materiale immer einen kleinen Vorrath halten. Ein nußgroßes Stückchen in die vergehende Gluth geworfen reicht hin, um in wenigen Secunden alle Kohlen in hohe Gluth zu setzen / das Kolophonium schmilzt und ergießt sich dabei über das glimmende Feuerungsmaterial dergestalt, daß Flammen in kürzester Zeit zunehmen und dann sich geraume Zeit kräftig erhalten.
Literarisches
Von dem nationalen Prachtwerk: Kaiser Wilhelm der Gratze, De«tsch»a«dS Rettrr «nd Riicher, von Dr. Adolf Zehlicke, Berlin, Verlag von Louis Abel, Sebastionstraße 29, Preis 50 Pfg>, liegt jetzt die dritte Lieferung vor, welche gleichfalls reich mit Doppel- und Vollbildern illustrirt ist. Auf fünf Bogen Text entwickelt der Verfasser die Entstehung und Bedeutung des preußischen Staates von der Urzeit bis zur Katastrophe 1806. Er weist nach den neuesten Forschungen nach, daß die Ahnen Kaiser Wilhelms nur in der weiblichen Linie von den Hohenzollern abstammen, aber in männlicher Linie aus die alten Frankenherzöge, deren Ahnherr Karl der Große war, zurückzuführen sind, daß die kaiserliche Familie also das älteste Dynastengeschlecht Europas ist. Wohl in keinem Werke ist bisher so anschaulich und so energisch der deutschnationale Standpunkt vertreten und die Verdienste der Hohenzollern um das deutsche Volk geschildert. Es ist daher dasselbe ganz besonders allen Deutschgesinnten angelegentlich« jetzt, wo sich Alles zur der großen Centenarfeier Kaiser Wilhelms rüstet, zu empfehlen.
Redaction: A, Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße«.


