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schmutzigen Stiefel an dem schönen, hellgrauen Perserteppich hin und her. Bis unter die Haarwurzeln blutroth — er ist ohnedies sehr schüchtern —, stammelte er endlich: „So wahr die Sonn' am Himmel steht, Fräulein, ich wollt' nicht hier herein, aber da haben Sie so'n neues Mädchen, die hat mich mit aller Gewalt hereingeschafft und auf den Sessel gedrückt. Dann hat sie mir auch noch anbefohlen: „Geh'n Se awer nur net an d' Erdbeer'n im Schränkche, unser Fräulein hat se g'zählt — un wenn Se nur zwei Stück wegnasche, merkt se's gleich." — — Ei, Du lieber Gott, was für Verdächtigungen," klagte er weiter, „hab' ich Ihnen denn in all' den Jahren, seitdem ich Ihre werthe Bekanntschaft gemacht habe, schon etwas entwendet?"
Ich beruhigte und verabschiedete den immer noch sehr aufgeregten Mann, dessen Mütze wir erst suchen mußten, da sie durch Grethchens „energischen Beistand beim Platznehmen" und durch den „Kampf um's Geschenk", welches sie ihm höflichst abnthmen wollte, sich unter den Sesselfranzen verborgen hat'e. —
Unserer Donna hingegen hielt ich einen längeren Vortrag über Sitten und Gebräuche in unserem Hause und bemerkte ihr noch extra, daß, wenn ihr irgend etwas n-cht völlig verständlich sei, sie sich darüber befragen solle. Aber sie verstand natürlich Alles — ganz genau sogar.
Da ich nun einen dringenden Brief zu schreiben hatte, empfahl ich ihr, mich während dieser Zeit nicht zu stören, wenn nicht eine ganz wichtige Veranlassung komme.
In der Erwartung auf einen schönen, ruhigen Nachmittag begann ich mein Schreiben und hörte bald darauf auch in der Küche zu meiner Beruh gung kräft'ges Scheuern. Etwa eine Stunde hatte ich so ungestört geschrieben und da es unerträglich heiß und kein Besuch in Aussicht war, machte ich mir's so bcqum als möglich mit meiner Toilette. Gerade im Begriff, meinen Brief nochmals durchzulesen, höre ich vom unteren Hausgang her Stimmen zu mir heraufschallen.
Zuerst fragte eine Männerstimme, ob die Damen zu Hause seien, worauf Grethchen prompt antwortete: „Nein, Damen sin üwerhaupt gar kei im Haus, awer unser Fräulein die is owe un die Frau is verreist. Zu wem wolle Se denn da eigentlich?"
Nun nannte eine mir wohlbekannte Stimme, die meiner alten Freundin Frau Dr. B., lachend meinen Namen und bat das Mädchen, mir zu sagen, daß sie auf der Durchreise für ein ge C tunden sich hier aufzuhalten beabsichtige, um mir ihren Mann vorzustellen. Grethchen versicherte sich jetzt erst bei den Herrschaften, ob sie denn auch bestimmt eine „wich tige Veranlassung" wären, denn sonst wolle das Fräulein nicht gestört sein.
Beide gaben schmunzelnd zu, daß sie dies seien.
Zu meinem Schrecken merkte ich, daß ich in dieser äußeren Verfassung, in welcher ich mich befand, auf der Bildfläche nicht erscheinen, aber auch nicht in mein Schlafzimmer gelangen konnte, um memen Anzug einigermaßen zu vervollständigen, ohne von den eben Angckommenen bemerkt zu werden. Ich stellte mich, um einen günstigen Moment, in welchem ich unbemerkt verschwinden konnte, abzuwarten, einstweilen an's Treppengeländer und konnte von diesem Platz aus die Scene auf dem unteren Hausflur beobachten, ohne selbst gesehen zu werden.
Es mar gerade in dem Augenblick, als Frau Dr. B. de» angefangenen Auftrag vollendete: „Sagen Sie nur, wir hätten uns einstweilen im Wohnzimmer gemüthlich eingerichtet, ich bin ja hier bekannt wie zu Hause." Zu gleicher Zeit drückte sie auf die Thürklinke des genannten Zimmers, um mit ihrem Mann einzutreten.
„Grundgütiger Himmel, halt," schrie Grethchen, indem sie ihr in den Arm siel, „bei Leib net, — da sollte Se schöne Lackschuh hawe!"
„Was?" fragte ganz perplex Dr. B. „Was sollten wir haben? — Lackschuhe? — Und warum?"
„Hm, hawe dhun Se se noch net, awer kriege dhun Se se."
„Bon wem denn?" meinte verständnißlos meine Freundin.
„Ei, natürlich vom schöne, neue Boddem," erklärte Grethchen mit der überlegensten Miene.
„Ja, wer ist denn dies nun wieder?" erkundigte sich das Ehepaar zugleich.
Grethchen blieb die Antwort schuldig und in ihrer Entrüstung, daß sie trotz aller Deutlichkeit nicht verstanden wurde, fing sie an, laut zu denken: „. . . . Herr des Lewens, die sin' sicher noch dümmer als ich, un unser Fräulein meint' doch gestern noch, das gäb's gar net." —
Ich mußte mir auf meinem Galleriestehplatz das Taschentuch zwischen die Zähne stecken, um meinen Aufenthaltsort nicht zu verrathen. Dr. B. nebst Gemahlin aber, die inzwischen in dem frisch lackirten Fußboden den eventuellen Spender der „Lackschuhe" entdeckt hatten, hielten sich die Seiten vor Lachen.
„No, Euch därf ich dann auch itt’n Salo'(n) sühr'n," machte sich Grethchen wieder bemerkbar, „denn Se sin doch kei Schuster?!"
„Nein, das sind wir nicht," bestätigte ganz ernsthaft der Doctor, ohne zu wissen, daß sie damit an ihren letzten faux pas dachte.
„Ach so — da steh' awer d' Erdbeer'n," erinnerte sie sich zugleich und fügte zögernd hinzu: „Wenn ich nur bestimmt wüßt' . . ."
„O," fiel ihr meine Freundin, die die näheren Umstände nicht kannte und das Mädchen daher mißverstand, beruhigend in's Wort, „das schadet gar nicht, die sehen wir nicht."
„Ja, Sie vielleicht, — awer Der da," — und dabei deutete sie auf den jungen Ehemann, — „dem trau' ich net mehr als mir selwer, der ißt se all uff!"
Neues, stürmisches Gelächter, und Frau Dr. B. mußte sich erst ernstlich für ihren Gemahl verbürgen, ehe Beide Einlaß fanden.
Als ich bald darauf bei meinen Gästen erschien, belehrten mich deren lachende Mienen, daß sie den wenig gastfreundlichen Empfang nicht übel ausgenommen und der Doctor bestand darauf, da er doch einen so ungünstigen Eindruck auf die Verwalterin meines Hauswesens gemacht, daß er jetzt auch den größten Theil der Erdbeeren für sich in Anspruch nehme.
Die kurze Zeit bis zum Abgang des Zuges war bald verstrichen und als ich meinen Besuch dorthin begleitete, gab ich meinem „gewissenhaften" „Mädchen für Alles" den Auftrag, beim Kaufmann verschiedene Sachen zu holen, das Haus aber vorsichtig abzuschließen. (Schluß folgt.)
Humoristisches.
Praktisch. Wirthin: „Herr Studiosus, der Schneider ist draußen, möchte gern Geld haben — der Schuhmacher ist auch da." — Student: „Na, dann sagen Sie dem Schuhmacher, er solle dem Schneider was geben." * * *
Gemüthlich. Gast: „Da schwimmt ein rothes Haar in der Suppe, gewiß wieder von der Zenzi." — Wirth: „Na, die arme Person kann doch nichts dafür, daß fie rothe Haare hat!" * * *
Lakonisch. A.: „Na, Müller, was fehlt Ihnen denn heute?" — Müller: „Das, was ich gestern zu viel hatte." * *
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Kasernenhofblüthe. Sergeant: „Piefke, Sie sollen ja das Gewehr präsentiren und nicht Ihre Dummheit!"
Redactwn: 8l. Scheyda. — Druck und «erlag der Brühl'schen UniversitütS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Bietzen.


