Ausgabe 
26.10.1897
 
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s finden die Besten wohl und die Frommen Dies irdische Sein oft recht unvollkommen; Doch selten erkennt einmal Einer an, Daß er selbst sich auch noch bessern kann.

Frieda Schanz.

Der Majoratsherr.

Roman von Nataly v. Eschstruth.

(Fortsetzung.)

Capitel 8.

Ich muß geduldig sein, bis der Aspect am Himmel günstiger ist. Wintermärchen 2. Aufz. 1. Sc.

Ich will ihm dienen, ihm leben, ihm angehören ganz."

Chamiffo.

Das war eine der größten Ueberraschungen, welche die Residenz jemals erlebt hatte, als am nächsten Morgen die Berlobungsanzeige des Grafen Willibald von Niedeck mit Johanna, Freiin von Nördlmgen - Gummersbach, in der Zeitung stand.

Frau Melanie stieß einen gellenden Schrei aus, sodaß ihr Gatte entsetzt von dem Chaiselongue, auf welchem er seine Frühstückscigarrette rauchte, emporschnellte.

Rüdiger auch das noch! Das war Alles, was noch fehlte!"

Der Graf warf eineu verstörten Blick auf das Zeitungs­blatt. Ec ward sehr bleich.

Ah das ist perfide!" stieß er kurz hervor, bann Preßte er die Lippen zusammen und starrte an seiner aufge­regten Gattin vorüber ins Leere. Plötzlich lachte er hart auf:Je nun, gönnen wir ihm doch das harmlose Ver­gnügen!" spottete er achselzuckend.

Harmloses Vergnügen, wenn der Majoratsherr heirathet? ?"

Gewiß! Wen heirathet er beim? Bah! bte kleine Buckline ist sehr ungefährlich!"

Johanna ist nicht bucklig!"

Nun, bann ist sie schief unb hinkt! Jebenfalls ist wohl ausgeschlossen, baß sie ben Klapperstorch noch zu ihrem Hoflieferanten macht!"

Irre Dich nicht! Man hat Beispiele"

Rübiger stampfte voll zorniger Gereiztheit bas Parkett: Unke boch nicht ewig! Als ob ich es änbern könnte! Hol der Teufel ben verrückien Kerl, wenn er etwa unserem Jungen noch einen Erben vor die Nase setzen will!"

Der Teufel scheint keinen Appetit auf ihn zu haben, sonst hätte er ihm wohl schon eher den Hals umgedreht! Rüdiger ich beschwöre Dich was soll aus uns werden, wenn Wulf-Dietrich auch noch das Majorat verliert!? Wird in Niedeck ein Sohn geboren, haben wir auch jedweden Credit verloren!"

Der Graf schritt wie ein Tiger im Käfig auf dem weichen Teppich hin und her. Er nagte voll zitternder Nervosität an den Schnurrbartspitzen, seine Gesichtsfarbe spielte in das Grünliche.

Ja, was soll dann werden?" murmelte er tonlos.

Die Gräfin sank laut aufweinend wie ein Kind in einen Sessel:Papa muß aushelfen!"

Dein Herr Vater ist bankrott!"

Noch nicht offiziell er kann vielleicht noch etwas retten!"

Wenn er etwas rettet, denkt der brave Mann zuerst an sich!" spottete Rüdiger.

Ich werde zu Tante Aurelie reisen und ihr unsere Lage mittheilen! Sie ist meine Pathe und steinreich!"

Reise Du zu Taute Aurelie, aber vergiß nicht, daß sie unserem Wulff ein Alfemde-Besteck zum Pathengescheuk gemacht hat, Dir gab sie überhaupt nichts. Tante Aurelie ist das gemeinste, knauserigste Frauenzimmer unter der Sonne!"

Du hast recht; ich fürchte . . . ich fürchte . ." ihre Stimme erstickte in verzweifelndem Schluchzen.

Zur Noth verkaufen wir die Besitzung hier und ziehen uns in das Ausland zurück; unbekannt in einer kleinen Stadt können wir von den Zinsen des Erlöses leben!"

Aber wie! Solch eine unwürdige Existenz ertrage ich nicht! Ich kann mich nicht einschränken ich kann nicht darben! Lieber will ich sterben!"

Das steht Dir ja noch immer frei!" höhnte er mit harter Stimme,falls Dir nicht im letzten Moment noch einfällt, daß Selbstmord tödtlich ist!"

Laß solche unverschämte, herzlose Redensarten!" brauste sie wüthend auf,bildest Du Dir ein, ich würbe in solchem Elenb bei Dir bleiben? Ich lasse mich von Dir scheiben!"

Er verneigte sich höflich:Wirb mir ein ganz besonberer Vorzug sein!" bann wanbte er sich kurz ab, nahm bte Zeitung abermals zur Hanb unb warf sich in einen Sessel nieder, um gleichgültig in den Papieren zu blättern.