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Obgleich Dick die halbe Nacht über herumlief, um eine barmherzige Seele zu finden, welche sich der Pflege der verlassenen Kinder gewidmet hätte, so blieb doch all sein Mühen vergeblich, und schweren Herzens stand er endlich von weiteren Versuchen ab.
(Schluß folgt.)
Gemeinnütziges»
Die Aepselernte wird im Allgemeinen nicht gut in Deutschland und damit wird das Schreckgespenst der deutschen Aepfelzüchter, das von Jahr zu Jahr an Umfang zunimmt, die amerikanische Concurrenz uns abermals viel näher gerückt, denn bei steigender Nachfrage steigt naturgemäß auch die Einfuhr- sind aber die Absatzcanäle erst einmal erschlossen, so sind sie selbst bei guter Ernte schwer wieder zu schließen. „Amerika producirt billiger wie Deutschland" heißt es dann wohl, — richtiger wäre: „Amerika producirt pracnscher wie wir." In der neuesten Nummer des „Practischen Rathgeber im Obst- und Gartenbau" setzt ein deutscher Landsmann, Herr Richter, seine hochinteressanten Mittheilungen über amerikanischen Obstbau fort, speciell schildert er diesmal den Aepfelbau auf den Inseln des Sees Champlain, von wo die Aepfel durch den Champlain-Canal zum Hudson und auf diesem nach New-Iork geschafft werden. Hier hat man endlich den leidigen Sortenwirrwarr überwunden und sich auf den Anbau einiger weniger guten Aepfel- und Birnsorten gelegt. Wir können das Studium dieser hochinteressanten Aussätze nur allen Obstzüchtern auf das Dringendste empfehlen- die neueste Nummer des practischen Rathgebers wird gern umsonst zugeschickt von der Königlichen Hosbuchdruckerei Trowitzsch & Sohn in Frankfurt a. O.
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Hühnern das Anpicken und Auffressen -er Eier abzngewöhnen. Man fülle ein ausgeblasenes Ei mit Senf und lege es dem betreffenden Huhn in's Nest. Es wird das Huhn dann dies Ei nach Gewohnheit anpicken, jedoch sofort nach dem Schmecken des Inhalts von weiterem Probiren nicht allein ablaffen, sondern auch nie wieder in den alten Fehler verfallen. Man prüfe!
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Die Er-beerpflanzeu, von denen man Ableger zu nehmen beabsichtigt, bezeichne man mit kleinen Stäbchen und sehe darauf, daß es nur Pflanzen sind, die vollkommene, schöne und große Früchte bringen. Wie bei den Thieren, so vererben sich auch bet den Pflanzen die guten und schlechten Eigenschaften auf die Abkömmlinge.
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Deutsche Tomatensuppe. (Sechs Portionen.) In eigroß frischer Butter läßt man einen Eßlöffel feingeschnittene Zwiebeln anlaufen, giebt ein Dutzend quer in Hälften geschnittene, reife Tomaten dazu und durchdünstet sie eine Viertelstunde. Dann füllt man 21/» Liter siedendes Wasser auf, fügt das nöthige Salz und eine Messerspitze weißen, noch besser Cayenne Pfeffer hinzu und läßt die Suppe mit einer Handvoll trocken geröstetem Weißbrod gut auskochen. Dann wird sie durch ein Sieb gestrichen, mit zwei Eßlöffeln „Maggi" verstärkt und angerichtet. — Einlage: Ausgequollener Reis oder geröstete Semmelwürfel.
Hninopistisches.
Verzweifelter Pump-Versuch. Studiosus (an seine Tante schreibend): „Mein liebes Tantchen! Denke Dir, ich habe soeben die Entdeckung gemacht, daß der eine Genius auf den 100 Mark-Scheinen Dir ganz frappant ähnlich sieht.
Da ich zu meinem großen Schmerze noch kein Bild von Dit besitze, würdest Du durch Uebersendung eines solchen Scheines zum Glücklichsten der Sterblichen machen Deinen Dich hochschätzenden Neffen Carl."
Abwechslung. „Wie mag's denn jetzt dem Ziemeier, unserem durchgegangenen Cassier, drüben in Amerika gehen?" — „Ja, wissen Sie denn das nicht? Der soll ja von dort nach Europa durchgebramtt sein!"*
Vor einem modernen Bilde. Besuch: „Die Landschaft kommt mir außerordentlich bekannt vor!" — Maler: „Das ist ja das Porträt meines Onkels!" — Besuch: „Aya, deshalb ... den kenn' ich ja auch!"
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Kindlicher Irrt hum. Vater (der seine silberne Hochzeit feiert): „Fritz, weißt Du auch, was das ist, eine silberne Hochzeit?" — Fritz: „Gewiß, — wenn man zum sünfundzwanzigsten Mal verheirathet ist!"
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Alles in Ordnung. „Nun, sind Ihre Hochzeitsvorbereitungen im Gange?" — Bräutigam: „Jawohl, ich beschaffe die zur Ehe vom Staate verlangten Papiere und mein Schwiegervater in spe die von mir verlangten Staatspapiere."
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Sein erster Gedanke. Student Max: „Du, denke Dir, Bummel, mein Vetter, der Lieutenant, ist versetzt worden!" — Bummel (im Halbschlaf): „Na, für den werden sie auch nicht viel gekriegt haben."
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Ueberflüssige Entrüstung. „•■••• Sie haben ferner über mich geäußert, ich hätte das Pulver nicht erfunden." — „Ja — haben Sie es denn erfunden?"
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Neues Wort. A.: „Na, Kamerad, gestern hübsche Mädchen auf Soiree gewesen?" — B.: „Nee, Mütter hatten Uebergewicht." — A.: „Aha — Mamajorität!"
Literarisches
Ueber den Beherrscher von Siam, der gegenwärtig zum Besuch seiner abendländischen Collegen Europa durchreist, veröffentlicht der bekannte Reiseschriftsteller Ernst von Heffe-Wartegg einen interessanten Artikel im jüngsten (23.) Heft der illustrirten Halbmonatsschrift ,,VoM Fels zum Meer" (Stuttgart, Union Deutsche Verlagsgesell- schaft). Unter dem Titel „Zur Marine!" erzählt uns Hans Nagel von Brawe in einer fortlaufenden Reihe sehr anregender, novellistisch gefärbter Aufsätze den Werdegang eines Seeoffiziers; die hübschen Buder dazu hat der bekannte Marinemaler Willy Stöwer geliefert. Eine sehr lustige und für Bergkraxler lehrreiche Geschichte: „Auf nie erstiegenem Gipfel" von Hans Hoffmann eröffnet das Heft, das an novellistischen Beiträgen außerdem noch die Fortsetzung des spannenden Romans „Alltagsleute" von W. Meyer-Förster und den Schluß einer anmuthigen Novelle „Blohm contra Blohms von Luise Schenck enthält.
Unter den Volkskalendern, wellche diesen Ehrentitel nicht nur dem Namen nach, sondern in der That verdienen, steht der im Verlage von Ernst Keils Nachfolger in Leipzig erscheinende ,, Gartenlaube- Kalender" unbestritten an erster Stelle. Die besten Namen unserer Literatur verschmähen es nicht, mit Originalbeiträgen im „Gartenlaube- Kalender" vertreten zu sein und Künstler ersten Ranges verleihen dem Buche gerne den hervorragenden illustrativen Schmuck. W. Heimburg bringt in dem soeben erschienenen Jahrgang 1898 wieder eine ihrer an Lebenswahrheit und Gefühlswärme unerreicht dastehenden Erzithlungen: „Großmutters Kathrin", zu welcher „Der Seefahrer" von Eva Treu ein gar lustiges Gegenstück bildet, während in einer dritten der Wirklichkeit nacherzählten Geschichte die Heimathliebe einfacher Landleute einen rührenden Ausdruck findet. Hübsche, fein ausgeführte Illustrationen erster Künstler erhöhen den angenehmen Eindruck, welchen auch dieser neue Jahrgang des „Gartenlaube-Kalenders" auf Jeden machen muß, der ihn seiner Bücherei einverleibt, was auch dem weniger Bemittelten nicht schwer fallen wird, da der Kalender — auch ein sehr wichtiges Kennzeichen eines wahren Volkskalenders l — elegant gebunden nur eine Mark kostet.
Redaction: Ä. Echeyda. — Druck und «erlog der Brühl'fchen ttniverfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


