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brich den Faden nicht der Freundschaft rasch entzwei!
Wird er auch neu geknüpft, ein Knoten bleibt dabei.
Berichte einen edeln Zug,
Und Zweifler giebt es g'rad' genug;
Doch sprich von einem schlechten Streich
Und Jeder glaubt Dir allsogleich. G. W
Das Kind der Tänzerin.
Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.
(Fortsetzung.)
Tante Pamela blickte mich mit großen Augen an. „Wie unvernünftig Du sprichst, mein Kind! Warum füllten sich Dir keine Anbeter nahen? Der spanische Typus Deines Gesichtes ist sehr anziehend. Ich glaube, Du würdest wohl daran thun, während der Winter-Saison ein Haus in New- Jork zu beziehen. Es wäre mir nichts erwünschter, als Dich in die fashionable Gesellschaft einzuführen. Ich habe viele Freunde, wie Du weißt, die sich in den feinsten Kreisen bewegen, und Du würdest gewiß Aufsehen erregen. Natürlich mußt Du darauf bedacht sein, Dich zu oerheirathen wie andere Mädchen."
„Nein, nein, Tante Pamela — nur keine Partie für mich!" protestirte ich. „Auch an der fashionablen Gesellschaft ist mir nichts gelegen. Ich ziehe es vor, mit Dir hier zu bleiben- wir wollen nur für einander leben."
„Ja, aber ich bin alt," seufzte Tante Pamela - „meine Frist auf Erden wird bald abgelaufen sein, und wenn ich dahin bin, mein Kind, wirst Du allein dastehen."
Die Tage, welche auf die Abreise des Baronets und seiner jungen Gattin folgten, verflossen ruhig, fast langweilig. Ich brachte meine Mußestunden hauptsächlich an dem Flügel zu — denn ich schwärmte für Musik — oder auch in der Bibliothek bei Godfrey Greylocks Büchern. Der Winter stellte sich früh ein und schloß uns völlig von der Welt aus.
Eines Abends erschien Tante Pamela in tiefe Trauer gekleidet und mit ungewöhnlich trauriger Miene beim Abend- brod. „Weißt Du, was dies für ein Tag ist, Ethel?" sagte sie.
„Nein," antwortete ich. „Ich hatte eben eine von |
Schuberts Sonaten gespielt und die herrliche Musik klang mir noch immer in den Ohren."
„Es ist der Jahrestag des Todes Deines Vaters," sagte Tante Pamela ernst.
Meines Vaters Tod! — Das mysteriöse Ereigniß, von dem einst Mercy Poole in seltsamer Weise mit Regnault sprach! Schweigend setzte ich mich zu Tisch nieder.
Ehe die Mahlzeit zu Ende war, erschien die alte Hopkins unter der Thür und sagte: „Es ist ein Bote von der „Katzen - Herberge" hier. Mercy Poole ist sehr krank und wünscht, Miß Ethel unverzüglich zu sehen."
Ich war seit Godfrey Greylocks Tod nicht wieder in der „Katzen-Herberge" gewesen- auch Mercy Poole hatte ich seit jener Zeit nicht gesehen. Ich blickte Tante Pamela fragend an.
„Ein sonderbares Verlangen!" meinte sie kopfschüttelnd. „Es ist eine so rauhe, dunkle Nacht- ich würde an Deiner Stelle nicht hingehen, Ethel."
„Sie ist aber krank," antwortete ich, „und vielleicht allein. Ich muß gehen, Tante. Du brauchst um meinetwillen nicht aufzubleiben."
„So nimm wenigstens die alte Hopkins mit!"
„Oh, nicht doch! Ich bedarf keiner Gesellschaft. Die alte Hopkins ist kränklich- laß sie zu Bett gehen."
„Nun, wie Du willst!" stimmte die alte Dame halb widerwillig zu. „Du bist ein ganz merkwürdig furchtloses, muthiges Mädchen- geh' denn hin'"
Es war eine bitterkalte Nacht. Ich hörte den Wind in den Gipfeln der alten Tannen stöhnen und die gefrorenen Aeste der Kastanienbäume wie Todtengebeine klappern, als ich die dunkle Allee hinab der Landstraße zu fuhr. Der Kutscher trieb die Pferde rasch an. In kurzer Zeit stieg ich vor dem alten Gasthof ab.
Nur durch die Fenster des alten Wohnzimmers schimmerte Licht, sonst war Alles dunkel. Ich trat ohne Weiteres in den Hausflur und von diesem ins Zimmer, in welchem Mercy Poole sich befand."
Sie saß vor dem Feuer, mitten unter ihren Katzen. Eine alte wollene Decke hing um ihre Schultern, und ihre abgemagerte, zitternde Gestalt beugte sich vorwärts gegen die Flammen. Bei meinem Eintritt fuhr sie auf und stieß einen lauten Schrei aus.
„Fürchten Sie nichts, ich bin es," sagte ich, denn ich glaubte, mein unangemeldeter Eintritt habe sie erschreckt- „Sie haben mich holen lassen, und hier bin ich."
Sie stand auf, und jetzt erst konnte ich die schreckliche


