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fliegen, müssen füttern, ihre Jungen besuchen? Gewiß. Doch sie bewerkstelligen ihren Flug zum Neste stets mit so großer Vorsicht, daß sie selten Jemand belauschen kann. Nehmen sie nur den geringsten verdächtigen Umstand wahr, so bleiben sie ihrem Neste lieber lange Zeit fern. Oder sie fallen an einer weit entfernten Stelle in den Zaun oder in die Saat ein, oder begeben sich stets aus der den Blicken nicht aus­gesetzten Seite zum Neste. Wie schwer ist es z. B-, ein Lerchennest im Saatfelde aufzufinden.

Beim Bau des Nestes verfahren die kleinen Künstler je nach ihrer Art und nach der Beschaffenheit des gewählten Platzes sehr verschieden. Eine Anzahl der auf dem Boden brütenden Arten (wie z. B. die Lerche), scharren eine kleine Mulde und füttern sie mit weichen Stoffen aus, anderen ge­nügt die bloße Vertiefung ohne Ausfütterung, wie manchen Seevogelarten; Raben und andere Raubvögel stellen auf den Wipfeln hoher Bäume aus starkem Reisig und Gezweig einen sogenannten Horst her. Dohlen, Tauben und Sperlinge tragen Reiser und Stroh lüdcrlich zusammen. Manche Vogel dagegen stellen wahre kleine Wunderwerke her. Wir kennen ja die Bauten der Schwalben, der Webervögel, der Singdrosseln u. s. w. Als produeirende Künstler fungiren bei den meisten Arten die Weibchen, während die Männchen nur Handlanger-, Wächter- oder Unterhalterdienste leisten, sofern sie überhaupt für den Bau der Brutstätte Interesse zeigen. Indessen gibt cs auch Arten, bei denen die Männchen das Baugeschäft über­nehmen. Manche Vögel errichten mehrere Nester oder beginnen wenigstens mehrere zu bauen, laffen aber dann davon ab und fangen noch einmal an. Vielfach geschieht dies zur Uebung oder zum Spiel, in anderen Fällen entspringt der Wechsel des Bauplatzes wohl der inzwischen erlangten Kenntniß nicht genügender Sicherheit oder läßt sich auf das Vorhandensein von localen Schwierigkeiten zurückführen, die erst nicht ge­nügend gewürdigt worden sind. Mitunter dürfen wir in den von einzelnen Vögeln über ihren Bedarf hinaus errichteten Nestern nur Zufluchtsstätten erblicken oder Nester, die zu Wohnplätzen für die Nacht bestimmt sind.

Im Allgemeinen wird der Bau des ernstlich zur Vogel­wiege bestimmten Nestes eifrig betrieben und in einem Zuge zu Ende geführt. Man muß die reizenden Baumkünstler be­obachten, wie sie emsig Hälmchen und Wollflöckchen mit Schnabel und Füßen auflesen und schwere Reiser oft mit Ausbietung aller Kräfte durch die Luft entführen. Sorgsam legen sie die vorgefundenen Baustoffe ins Nest, ordnen sie mit Hülfe des Schnabels oder der Füße und das Weibchen glättet sie dann mit ihrem Leibe. Die Kunst des Verfilzens und Ver­flechtens verstehen sie in bewunderungswürdiger Weise, ja bearbeiten sogar die Reiser und Halmen kunstgerecht oder be­reiten, wie die Schwalben, unter Benutzung des eigenen Spei­chels Mörtel und Kitt.

Das Verfahren der Thiere beim Nestbau erläutern wir dem Leser am besten durch ein Beispiel. Die vortrefflichen Schilderer des Thierlebens A. und K. Müller beschreiben nämlich die Herstellung eines der künstlerischsten Nester, des­jenigen unserer Singdrossel. Wir entnehmen ihrer Darstellung folgende interessante Einzelheiten: Zur ersten Grundlage des Nestes fertigt die Singdrossel einen Rost. Entweder in die breite Verzweigung eines jungen Nadel- und Laubholzstämm­chens oder in die Zweiggabcl eines Busches u. s. w. trägt bald das Weibchen allein, bald das Paar dürre Reischen, diese kreuzweise über einanderlegend. Auf diesem Rost wird nun ein Aufsatz von Ast- und Laubmoosen, Flechten und Haidewurzeln bündelweise zusammengetragen und theils in Schichten aufgedrückt, theils mit der Umgebung verflochten. So entsteht ein etwa 45 Ctm. dicker Aufsatz, auf welchem nun die Vögel nach Art der filzenden Nestbereiter eine 9 bis 10 Ctm. hohe Wand von Moosen, Haidewurzeln, Gras und Strohhalmen errichien, welches Außengerüst in einigen Tagen erbaut ist. Nun beginnt die Herstellung des Nestinnern, das

eigentliche Kittwerk, zunächst durch die weibliche Drossel allem. Die Speicheldrüsen des Vogels beginnen reichlichen Schleim abzusondern, der sich beim Baugeschäfte öfters aus der Mund­schleimhaut in Fäden abzieht. Die Verkittung geschieht vom Mittelpunkt der Nestmulde aus. Hier klebt der Vogel einen Kitt jedesmal in kleinen Parthien auf, der von dem Schnabel aus trockenem Kuh und Pferdemist nebst feinen Plättchen faulen Holzes mittelst des Speichels verarbeitet wird. Der Rand wird nach innen eingebogen mit Moos, Flechten und Halmen dicht verfilzt, und mit Speichel zierlich geglättet. Der Schnabel bestreicht schließlich jede Fuge sorgfältig mit Speichel, der mit zitternden Bewegungen, ähnlich wie bei der Schwalbe, ausgewürgt wird, dann werden die Stoffe auf der inneren Seite des Neftgerüstcs so aufgedrückt, daß eine überall gleichmäßig verarbeitete dünne Lage innerhalb der ganzen Nestmulde entsteht. (Schluß folgt.)

Humoristisches.

Galgenhumor. Commis:Was wünschen der Herr Professor für einen Schirm?" Professor:Einen zum Stehenlassen!" Erkannt. Angeklagter (der soeben von der Anklage des Diebstahls freigesprochen wurde):Herr Rechtsanwalt, wie kann ich Ihnen für Ihre Bemühungen danken?" Anwalt:Sehr einfach, stehlen Sie nur nicht bei mir." Zweide utig. Dichter:Herr Redaeteur, würden Sie vielleicht meine letzten Gedichte lesen?" Redaetcur:Wenn es Ihre letzten sind, ja!" Eben deshalb. Erster Coneertbesucher:Warum stellen Sie sich hierher, da hören Sie ja die Sängerin kaum!"Zweiter: Eben deshalb stell ich mich hierher!" Weibliche Kritik.Verkehren Sie noch mit der Müllern, Frau Beinlich?" Frau Beinlich:Ja!"Was ist cs denn für eine Frau?" Frau Beinlich:Ach Gott, man kann ihr beim besten Willen nichts nachsagen!" Geistvoll. Auf einer Mastviehausstellung wird der Landessürst vom Bürgermeister der Stadt umhergesührt.Sehen Durchlaucht nur jene Embleme über der Eingangsthür, weidendes Vieh darstellend," führt dieser unter Anderem aus,sogar jene hohen Stangen rechts und links mit den Fähnlein deuten alsMastbäume" sinnig den Zweck der Ausstellung an."

(Obige Scherze sind ausLustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Abonnement Mk. 1,30 vierteljährlich, Einzel­nummer 10 Pfg.)

Frei nach Göthe. DemRadfahr-Humor" entnehmen wir folgenden Monolog einer radfahrenden Jungfrau: Habe nun, ach! Radfahrologie, Fahren auf Steinen und duftigem Grün Und leider! auch Absturzologie Durchaus studirt mit heißem Bemüh'». Da rad'l ich nun, ich weiblicher Thor, Und bleib' so ledig wie zuvor!

Fahre bergauf und fahre bergab, Bis mir die Reifen werden schlapp. Steig' auf und ab und fahre vor Und weiche aus einem ganzen Corps Und sehe, daß es mir gar nichts nützt, Bin ganz vergeblich so geschwitzt. Zwar fahre ich besser als viele Radler Medaillengeschmückte, Schreier und Tadler; Mich fragt kein Schutzmann nach Papieren, Fürchte mich nicht vor Pferden und Stieren Doch ist mir die Freud' entgangen.

Bild' mir nicht ein, ich könnt was erlangen, Bild' mi- nicht ein, ich könnt' einen kriegen, Wenn ich das sagte, dann müßt' ich lügen, Hab nämlich weder Gut noch Geld Und Mitgift braucht man in der Welt. Es ist ein höchst elendig Leben, D'rum hab' ich mich ganz dem Sport ergeben, Und fahr' durch Pflaster und durch Gras Vielleicht nützt es mir doch noch was!"

Redaktion: 8L Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m Sicht».