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strjch, den längst schon verlorenen, elend Heimgekehrten, endlich zur Ruhe Gelangten. Aber in Trauerkleideru ging sie in ihre neue Brautzeit hinein.

Und doch es war Sommer, und in ihrem innersten Herzen war sie so glücklich, wie nie zuvor. Gab es denn einen Kummer, der diesem doppelten Sonnenschein von innen und außen widerstand? Nein, es war keine Sünde, fröhlich zu sein und wieder lachen zu lernen! Hatte der Himmel sie an jenem Abend des Schreckens so gnädig bewahrt, sie und den Geliebten, damit sie ihm nun mit Thränen und Seufzern dankten?Der liebe Gott liebt ein fröhliches Herz," hatte ihre Mutter immer gesagt, und an diesem Spruch hielt sie fest, wenn die Schrecken der letzten Vergangenheit sie be­drängten, während zugleich im Geheimen ihre Seele sie trieb, einem vollen, seligen Glücksgesühl sich hinzugeben und sich von ihm tragen zu lassen, wie von einer sonnigen, ruhigen Fluth.

Daß Andere weniger zaghaft waren, am Bau ihres zukünftigen Lebens zu zimmern und aus dem Schlimmen das Gute zu schöpfen, bas wurde ihr bald in derben Zügen vor Augen geführt. Caroline, ihre bisherige Köchin, erschien bei ihr im Zimmer des Hotels, feierlich angethan, ein un­entfaltetes, lang zusammengelegtes Taschentuch wie einen Marschallstab in der Hand. Zuerst weinte sie ein wenig, dann begann sie zu reden.Wenn es mich auch noch in alle Glieder zittert, so kann ich mich doch nich untersagen, Frau Regierungsrath mal wieder zu besuchen. Un was dem Gespenst anlangen thut, so is ja nu allens in Ordnung un is einem Mann von Fleisch und Bein geworden, wozu ich Frau Regierungsrath nur von ganzer Seele gratuliren kann. Un weil es nu doch mal so gekommen is, wollte ich man bloß sagen, daß ich für meine Person auch in Sinne habe, mir zu verändern. Gebildet genug is er mir eigentlich noch nich, was Ferdinand Elster, der Kutscher, is, mit dem ich schon lange versprochen bin, aber wo wir doch nu gesehen haben, wie rasch das kommen kann mit das Auseinander- reißen von die menschlichen Organismen, so will ich mir mit ihm begnügen, wie er nu mal is. Un wenn, ich mich überlege, ob der Himmel un der angeborene Anstandsgefühl von mich verlangen kann, daß ich dem ganzen heiligen Ehe­stand wegen die richtige deutsche Sprache am Nagel hänge, denn is mich das doch zweifelhaft. Un so will ich ihm nehmen, was Ferdinand Elster, der Kutscher, is, wenn es mit das mir und das mich bei ihn auch noch mangelhaft bestellt is, aber dem Engel auf Erden sucht man ja doch umsonsten, un zuweilen irre ich mir ja auch selber noch mal."

Frau Henninger stimmte ihr lachend und freundlich zu; es war ihr ein angenehmes Gefühl, die gute Seele, die ihr so lange treu gedient hatte, versorgt zu wissen. Sie ließ sich erzählen, daß Ferdinand Elster eine gute Stelle als Ausseher in einer Fabrik gefunden habe, die ihm gestatte, eine Frau zu ernähren,un dem Ersparten braucht noch nich mal angegriffen zu werden," fügte Caroline hinzu. Auch das bekam sie zu hören, daß ein anderer Liebesbund durch die Katastrophe gesprengt fei; Doctor Jakschs Diener habe sich einer neuen Stelle wegen nach Berlin zurückbegeben, und Johanne sei klug genug, einzusehen, daß ein in Hildes­heim geleisteter Treueschwur dem Anstürmen der Berliner Stubenmädchen nicht standhalten werde.Na, Berlin über­haupt!" sagte Caroline mit einem Schauder. Einen neuen Platz habe auch Johanne schon gefunden, aber sie sei schreck­lich nervös,was man auf deutsch auch unausstehlich schreiben könnte." Bäsmanns hätten ihre Erbschaft erhoben und würden mit der Schwester in deren Heimath ziehen, vorher aber noch Abschied von Frau Regierungsrath nehmen.Un was dem Schönsten is, die Hochzeit von Fritz Köhler und Martha Wernicke soll mit meine eigene auf einem un dem­selben Tage sein," schloß Caroline ihren wortreichen Bericht.

Eine Einladung zu dem Doppelfest konnte Frau Hen­ninger nicht annehmen, da sie beschlossen hatte, Hildesheim bald zu verlassen, aber sie versprach der beiden Paare am

Tage ihres Glückes freundlich zu gedenken, und schied von ihrer treuen Dienerin mit herzlichen Worten. Ihr selbst aber gab der Anblick dieses resoluten Ringens um eine neue Existenz erhöhte Kraft und erhöhte Freudigkeit. Sie hatte mit Georg verabredet, daß sie noch einige Zeit bei einer Verwandten zubringen sollte, um dann in aller Stille den Bund mit ihm zu schließen und ihm zu folgen in eine neue Heimath. Er wünschte, München zum Wohnsitz zu wählen, das er von seiner Studienzeit her kannte und liebte und das er eine menschenfreundliche Stadt zu nennen pflegte. Ina wider­strebte ihm nicht, obgleich ihr München noch fremd war. Was Dir gefällt, wird auch mir gefallen," sagte sie einfach, auch freue ich mich auf die bequeme Nähe einer großen Natur."

So kam der Tag heran, der ihnen den Abschied von Hildesheim brachte; denn auch Georg wollte gleich reisen und am neuen Wohnsitz Alles für ihre Zukunft bereiten. Der Morgen war mit Besorgungen und Besuchen hingegangen, den Nachmittag hatte sie sich zu friedlichem Scheiden von vertrauten Stätten Vorbehalten. Lange verweilten sie vor der Stelle, wo das Haus der Schatten gestanden hatte, und wo noch häßliche Reste von dem Zerstörungswerk des Feuers erzählten. Langsam gingen sie dann durch die Stadt, Arm in Arm, hie und da von bekannten Gesichtern begrüßt. In der Durchfahrt von der Straße Am Stein znm großen Domhof blieb Ina einen Augenblick stehen; sie gedachte der regenerfüllten Dämmerstunde, in der ihr Bruder hier zu ihr getreten war. Auch von dem Briefe sprachen sie wieder, den Georg damals in dem Zimmer des Todten gefunden hatte, und der nun erklärt war.

(Schluß folgt.)

Em psychisches Heilmittel für Kranke und Genesende.

Von Dr. Otto Gotthilf.

(Nachdruck verboten.) Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium. (Schiller.)

Es ist allgemein bekannt, daß heftige Gemüthsbewegungen oder psychische Erregungen die Ursache von mannigfachen Er­krankungen, ja sogar vom plötzlichen Tode werden können. Louis von Bourbon wurde, als er die Gebeine seines Vaters ausgraben ließ, von einer so mächtigen Furcht ergriffen, daß er starb. Ambroise Pars erzählt, daß Vesal bei der Section einer Frau, deren Herz noch schlug, vor Schreck und Kummer gestorben sei. Furcht und Angst, Sorge und Kummer bringen aber nicht nur augenblicklich Krankheit oder Tod hervor, sondern bewirken auch schleichende, lang andauernde Krankheitszustände. Dr. Kohts hat drei Jahre nach der Belagerung von Straß­burg eine große Menge Krankheisfälle aller Art zusammen- aestellt, welche auf die Schrecken der Beschießung, bei der jeden Tag durchschnittlich 6249 Schüsse fielen, zurückzuführen waren. Für die Cholera ist es eine anerkannte Thatsache, daß die An­steckung um so leichter erfolgt, je größer die Furcht vor der Seuche ist. Auch von der Tuberculose, Lungenentzündung und anderen Jnfeetionskrankheiten ist es erwiesen, daß die Empfänglichkeit dafür durch deprimirende Momente bedeutend erhöht wird. Ebenso ist eine heftige gegenteilige Gemüthser- regung, plötzliche Freude, im Stande, augenblicklich Erkrankung oder Tod zu verursachen. Sophokles starb vor Freude, als er in den Olympischen Spielen sür seine Tragödie mit dem Preise gekrönt wurde; der Lacedämonier Cheilon, als sein Sohn ihm die Nachricht brachte, er hätte einen Preis errungen; Leo X. bei der Nachricht von der Wiedereroberuug von Parma und Piaeenza. Die Nichte von Leibnitz starb vor Freude, als sie unter dem Bett des Philosophen 60000 Dukaten fand. Somit steht ganz fest und ist bei den innigen Beziehungen des Nerven- und Gefäßsystems wohl begreiflich, daß Nerven, Herz und Kreislaufbahn an unserem Leide und an unserer Freude sich lebhaft betheiligen. Daher ist es auch keine leere Phrase,