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in den Ferien mit inniger Freude, die erst eine Trübung erfuhr, als er eines Tages zu ihr sagte: „Deine kleine Schwester wird sehr hübsch sein, wenn sie fünfzehn Jahre alt ist."
Als Susanne, so hieß die Schwester, zwölf Jahre zählte, sah Claire ihren Vetter nur mit Mißtrauen und Betrübniß wieder, und die Abreise des jungen Mannes nach Algier war ihr, wenn solche sie auch tief bekümmerte, doch gleichzeitig eine Erleichterung. In allen seinen Briefen sprach Justin stets mit größter Zuneigung von ihr, während er die hübsche Susanne als Kind behandelte.
* * *
Susanne hatte ihr sechzehntes Lebensjahr erreicht, sie blühte in der vollen Frische ihrer Jugend, als Justin eines Tages seine Rückkehr ankündigte. Bei dieser Nachricht sprang das fröhliche Mädchen lustig umher und war hocherfreut, als man ihr mittheilte, man werde zur Feier der Rückkehr des Vetters einen Ball veranstalten.
Claire besuchte niemals einen solchen, sie hörte Wohl gern von den Triumphen ihrer Schwester, doch es wäre ihr peinlich gewesen, dieselben mit ansehen zu müssen.
Susannes Freude zerriß ihr fast das Herz.
Seit Empfang der Nachricht von der Ankunft Justins ging oas arme Mädchen düster und traurig umher, obwohl sie sich alle Mühe gab, ihre Unruhe zu verheimlichen.
Der junge Mann kam und zeigte sich, wie er stets gewesen war, liebevoll und zärtlich, dann begrüßte er Madame Leverrier und erklärte ihr, daß Susanne ein reizendes, schönes- junges Mädchen geworden wäre.
„O, wenn sie nicht da wäre," sagte sich die arme Häßliche, „so hätte er sich an mich gewöhnt und hätte mich lieben können. Und dort unten in Algier, fern von der Welt, wäre ich glücklich geworden."
Am Tage des BalleS weigerte sich Claire trotz aller Bitten, die Ihrigen zu begleiten und sagte: „Ich werde auf Euch warten."
Sie lachte krampfhaft auf.
„Das Fräulein hat Migräne," bemerkte das Kammermädchen, als man Claire bei der Rückkehr nicht vorfand.
Mutter und Schwester gingen darauf leise in ihr Zimmer,- sie schlief, wenigstens glaubten sie es. Aber nein, sie schlief nicht, sie hatte nur die Augen geschlossen, um die Anderen nicht lächeln sehen zu müssen. In einem Fieberanfalle hatte sie sich auf ihr Bett geworfen/ sie glaubte, sie würde nie von einem Manne geliebt werden und bei diesem quälenden Gedanken brach ihr das Herz.
Am nächsten Tage sah sie bleich und entstellt aus. Madame Leverrier wurde unruhig,- eine Migräne kann in wenigen Stunden nicht eine solche Veränderung auf einem Gesicht hervorbringen.
Trotzdem erschien Claire zum Frühstück, bei welchem der Vater dem Vetter einige geschäftliche Fragen vorlegte. Dann unterhielt man sich über Dieses und Jenes, und der Onkel fragte seinen Neffen unter Anderem auch, ob er auf dem Balle am gestrigen Abend die zukünftige Königin seines algerischen Reiches gefunden hätte.
„Warum nicht," versetzte der junge Mann.
Bei dieser lachend gegebenen Antwort sah Madame Leverrier ihre Stieftochter erblassen und wurde stutzig. Es unterlag keinem Zweifel, Claire liebte Justin leidenschaftlich. Nach dem Diner unternahmen Frau Leverrier und Justin eine kleine Promenade im Garten, wo Susanne sich ihnen bald anschloß.
Als auch Claire dem Boskett zuschritt, in das sie alle Drei hatte treten sehen, vernahm sie, daß die Unterhaltung sehr lebhaft wurde, sie schlich näher heran und versteckte sich, um unbemerkt Alles sehen und hören zu können. Susannes Gesicht drückte eine unendliche Freude aus, und wenige Augen
blicke darauf hörte Claire, wie ihre Schwester ausrief: „Das soll aber eine schöne Hochzeit werden, nicht wahr, Mama?"
Dann hing sie sich an Justins Arm und fuhr fort: „Nun gieb mir aber auch einen Kuß, lieber Vetter, jetzt ist es ja gestattet."
Claire entfloh, sie hätte nicht weiter zuhören jkönnen, ohne sich zu verrarhen.
* *
*
Als man begann, sich über ihre Abwesenheit zu wundern, hörte man, daß die Migräne zugenommen und das junge Mädchen sich zur Ruhe gelegt hatte.
Die Unterhaltung am Abend drehte sich ausschließlich um Claire, die sich verzweifelt in ihrem Bette wälzte und in ohnmächtiger Wuth in die Kopfkissen biß.
Gegen Mitternacht hörte sie, daß Justin sich verabschiedete, und ihre Eifersucht steigerte sich bei dem Gedanken an diesen glücklichen Familienabend. Nachdem im Hause Alles still geworden war, erhob sie sich und wandte sich der Küche zu. Jn's Zimmer zurückgekehrt, hielt sie in der einen Hand eine kleine Phiole. Nicht mehr häßlich war sie, sie war entsetzlich und eine megärenhaste Wuth verzerrte ihr Antlitz.
Ein Ankleidecabinet, dessen Thiiren meistens geöffnet, trennte die Zimmer der beiden Schwestern/ Claire betrat jetzt dieses Cabinet, um zu Susanne hineinzugehen, die mit geöffneten Augen dalag und an ihre Schwester dachte, die, wie ihre Mutter ihr gesagt hatte, Justin von Herzen liebte.
Plötzlich bemerkte sie, wie Claire immer näher kam und richtete sich auf.
„Bist Du kränker?" fragte Susanne.
„Ich werde sterben," versetzte Claire, „doch vorher sollst Du mich anhören."
Sie sprach leise, ihre Worte klangen wie ein Stöhnen durch die Stille der Nacht.
„Weil Du geboren wurdest, habe ich gelitten," iuhr sie i fort, „weil Du schön bist, bin ich verachtet und vergessen worden. Begreifst Du jetzt, welche Leiden, welche Qualen ich erduldet habe? Deshalb werde ich sterben. Erst dann werde ich Ruhe finden, werde erlöst sein/ doch wenn ich auch tobt bin, so will ich doch nicht, daß Du Justin heirathest."
„Bist Du wahnsinnig, Claire!" rief Susanne, „Justin denkt ja gar nicht an mich, er liebt mich nur, wie eine Schwester."
„Du lügst, ich habe Alles gehört/ er heirathet Dich, weil Du schön bist.. . . Nun Du sollst ebenso häßlich werden, wie ich, noch häßlicher, und er wird Dich nicht heirathell." Bei diesen Worten richtete Claire die Phiole auf ihre Schwester und spritzte gleichzeitig den Inhalt derselben aus, während Susanne entsetzt, in der Meinung, ihre Schwester habe den Verstand verloren, instinktiv das Gesicht mit den Händen bedeckt hatte.
Sie stieß einen Schmerzensschrei aus/ glücklicherweise war sie nur wenig getroffen, denn Claires Hand wurde durch eine andere zurückgeschlagen.
Madame Leverrier hatte ihre Töchter sprechen hören und war, in der Annahme, das Unwohlsein hätte sich bei Claire verschlimmert, aufgestanden. Sie war gerade noch in dem Augenblick gekommen, da jene den Inhalt der Flasche ihrer Schwester ins Gesicht gießen wollte. „Unglückliche! rief sie entsetzt, „hast Du nicht bemerkt, daß Justin Dich liebte, er ist ja nur gekommen, um bei Deinem Vater um Deine Hand anzuhalten!"
Ein Schleier zerriß vor Claires Augen/ also von tgr war die Rede gewesen, von ihrer Heirath mit Justin hatte Susanne gesprochen.
„O warum habe ich das nicht gewußt!" rief sie verzweifelt und stürzte zu Boden. Madame Leverrier hatte ste nicht zu halten vermocht/ das unglückliche Mädchen starb eme Stunde später unter entsetzlichen Qualen.
Redacüon: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m Tieß«-
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