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Was habt ihr ihm gethan?" Sie trat wieder einen Schritt näher heran, ein edler Zorn flammte in ihren Augen auf, und ihre Stimme klang drohend und dumpf.

Wir haben ihn tobt gesagt, obwohl er noch lebte, die Versicherungssumme ist ausbezahlt worden, und der Mann, der an einer reinen und großen Freundschaft Verrath geübt hat, lebt in Freuden von dem erschlichenen Gelde."

Wie war das möglich?" Unwillkürlich entfuhr ihr die Frage- selbst ihre Entrüstung schwieg für einen Augen­blick vor den Zweifeln an die Möglichkeit dieses Verbrechens.

Es war fein ausgedacht, und die Zustände drüben begünstigten die Ausführung. Wir verabredeten Alles bis auf das kleinste, dann fuhr er" der Ton seiner Worte schon verrieth, von wem er sprachnach Deutschland zurück, ohne daß der Andere etwas von seiner Anwesenheit in Amerika erfuhr. Nach einiger Zeit schrieb er von Deutschland aus an deu Newyorker Bankier, der das Vermögen des Kranken verwaltete und bis dahin auch die Zahlung der jährlichen Prämien an die Versicherungsgesellschaft besorgt hatte, er selbst wolle jetzt diese Zahlungen übernehmen. Die Ver­sicherung sei zu seinen Gunsten geschehen, er sei durch an­sehnlichen Verdienst in der Lage, die Zahlungen von nun ab zu leisten, während sein Freund, wie er gehört habe, leidend und vielleicht gar in pekuniärer Verlegenheit sei. Er bat, dem Kranken Mittheilung von der veränderten Sachlage zu machen, wenn er noch am Leben sein sollte. Auch er selbst würde ihm schreiben, doch wäre ihm die gegenwärtige Adresse nicht genau bekannt. Der Bankier hatte keinen Grund zum Verdacht, er strich die Zahlungen, und so war die Verbindung zwischen Deutschland und Amerika, die zur Entdeckung hätte führen können, abgeschnitten. Die Versicherungs-Gesellschaft war hier in Deutschland, sie hat von diesen Vorgängen niemals etwas erfahren- denn bald nach der letzten Zahlung einer Prämie durch den Newyorker Bankier ist dann ge­schehen, was wir verabredet hatten."

(Fortsetzung folgt.)

Häßlich.

Novellette von A. de Sergy.

------- (Nachdruck verboten.)

Sie war häßlich zur Welt gekommen und hatte die Mutter bei ihrer Geburt verloren. Ein doppeltes Unglück für das bedauernswerthe Kind. Der Vater, der im Besitze eines hübschen Vermögens war, hatte die Kleine sehr lieb, konnte sich indeß nur wenig um sie kümmern, da ihn seine Thätigkeit zu sehr in Anspruch nahm. So wurde das Kind von der Dienerschaft auferzogen. Es wuchs heran, ohne schön zu werden, ja die Häßlichkeit trat bei ihm immer mehr zu Tage und man sprach ganz offen darüber in des Kindes Gegenwart. Und doch hatte Claire so hieß die Kleine schönes Haar, und große, ausdrucksvolle Augen, dabei hatte sie aber dicke Wangen, einen riesigen Kopf, eine gewölbte Stirn und einen großen Mund, der, wenn sie ihn öffnete, fast mit den Ohren in Berührung zu kommen schien. Ihr Teint zeigte eine graue Farbe und nicht die geringste Frische. Als sie ihr sechstes Jahr vollendet hatte, wollte der Vater sie in eine Pension schicken, doch sie bat ihn,^daheim bleiben zu dürfen.

Nun gut", sagte der Vater,Du sollst nicht in die Pension, aber Du darfst auch nicht mehr weinen - die Thräneu verderben Dir die Augen, die doch das einzig Schöne an Dir sind, mein armes Kind."

Von diesem Tage weinte die kleine Claire niemals mehr. Herr Leverrier war ein ausgezeichneter Mensch, aber in Ge­fühlssachen etwas oberflächlich - stets stark beschäftigt, war er weit davon entfernt, zu vermuthen, daß seine Tochter unglücklich sein könnte. Ihr Wille war auch der seine, deshalb bestand er auch nicht darauf, sie in ein Pensionat zu schicken, sondern hielt ihr eine Erzieherin, die ihm von Freunden besonders empfohlen worden war.

Fräulein Juliette Durif war eine auffallende Schönheit und hatte moralisch sowohl wie physisch nicht den geringsten Fehler.

In dieser Zeit verlor Herr Leverrier eine Schwester. Sie war Wittwe und hinterließ einen Sohn, den er nach dem Tode seiner Mutter sofort an Kindesstatt annahm.

Dadurch schien für die kleine Häßliche eine neue Sonne aufzugehen. Sie war dankbar für die Zärtlichkeit Fräulein Juliettes und glücklich durch die Freundschaft des kleinen Justin. Das währte bis zu jenem Tage, an dem Herr Leverrier Juliette bat, seinen Kindern eine neue Mutter zu werden. Das junge Mädchen zögerte, weil sie arm war, Herr Leverrier jedoch war beredt genug, sie davon zu über­zeugen, daß von ihrer Antwort das Glück Claires abhing- so willigte sie denn schließlich ein.

Das Kind war noch zu jung, um sich die Folgen dieser Ehe klar zu machen. Eines Tages jedoch hörte sie eine Unterhaltung zwischen den mit dieser Verbindung unzufriedenen Dienstboten mit an.

Eine Mutter will sie sein, das thut sie nur, weil sie ihren Vortheil dabei findet. Wenn sie erst Herrin im Hause ist, dann wird sie es machen, wie alle andern, sie wird den Kindern eine Stiefmutter werden, und das arme Wesen wird es recht schlecht haben."

Das kleine Mädchen fragte Justin, was eine Stiefmutter wäre.

Das ist eine böse Mutter," erwiderte dieser,aber", fügte er hinzu,sei nur unbesorgt, ich werde dich schon ver- theidigen, wenn sie Dich schlecht behandelt."

Dieser Gedanke beruhigte die Kleine. Uebrigens waren ihre Befürchtungen auch durchaus ungerechtfertigt, denn das erste Jahr verging im tiefsten Frieden, und selbst die Geburt eines Kindes veränderte nichts an der Liebe und Zuneigung der Madame Leverrier zu Claire.

So faßte diese wieder Vertrauen- man liebte sie trotz ihrer Häßlichkeit.

Das Herz liebt man, nicht das Gesicht", sagte die junge Frau gar häufig zu ihr.

Du bist gar nicht so häßlich, wie Du Dir einredest," erklärte Justin -es gießt viele Mädchen, die Deine hübschen Augen haben möchten."

Er hatte sie wirklich lieb, die verachtete Cousine, denn sie war so gut gegen ihn- sie errieth seine Wünsche und kannte seine Neigungen. Dann kam der Augenblick der Trennung. Es war ein großer Schmerz für Beide. Justin mußte auf's Gymnasium und sie sahen sich fortan nur noch in den Ferien. Claires Schwermuth wurde wieder heftiger und verschlimmerte sich, je mehr ihre kleine Schwester heran­wuchs, von der sie gehofft hatte, sie würde auch häßlich werden, die aber ebenso wie ihre Mutter auffallend schön wurde.

So lange die Schwester noch ein Kind war, war das Leben für Claire erträglich gewesen, doch je älter die Kleine wurde, desto größer wurde auch die Eifersucht, die das un­glückliche Geschöpf nicht mehr zu beherrschen vermochte.

Ihre Stiefmutter war ihr stets eine wahre Mutter ge­blieben, die ihre Qualen errieth und ein mitfühlendes Herz hatte.

Eines Tages schlug sie ihr eine Heirath vor, doch Claire lehnte ab und versetzte in trockenem Tone:Ich werde mich nie verheirathen."

Aber weshalb nicht?"

Ich möchte um meiner selbst willen geliebt und nicht aus Mitleid oder meiner Mitgift wegen genommen werden." * * *

Jahre waren inzwischen vergangen. Justin hatte in der von ihm erwählten Lausbahn seinen Weg gemacht. Er hatte sich von jeher für Landwirthschaft interessirt und leitete nun bereits seit drei Jahren in Algier ein bedeutendes Colonisations- Unternehmen.

So lange er auf dem Gymnasium war, sah ihn Claire