288
Morgen in Deinem Arbeitszimmer etwas zu tyun gehabt haben, daS ist doch sehr einfach."
„Ach was, zu thun gehabt haben", brummte mein Mann, „mir paßt die ganze Galgenphysiognomie nicht. Wenn ich blos wüßte, wo ich dies Weib schon gesehen hätte . . . . Na, vielleicht fällts mir über Nacht ein."
* *
*
Als ich am andern Morgen meinen Sohn hinaus schickte, damit ihn Minna für die Schule zurecht machen sollte, kam er nach einer Weile zurück und erklärte, Minna sei in der Küche nicht zu finden. „Dann wird sie in ihrer Stube sein," sagte ich und drehte mich auf die andere Seite, um noch ein Stündchen zu ruhen. Kaum war ich etwas eingenickt, als der Junge wiederkam, — noch immer im Nachtgewand: Minna sei auch in ihrer Stube nicht. „Sie wird im Fremdenzimmer sein, um ihre Cousine zu wecken," rief ich. Es verging eine Weile, da kam der Junge wieder und meldete, beide Thüren zum Fremdenzimmer seien zugeschlossen, es brenne in der Küche noch kein Feuer und Minnas Reisekorb stehe auch nicht mehr im Corridor.
Ich stand auf, gähnend auf, ■— nicht einmal meine Nachtruhe wurde mir gegönnt. Im Corridor sah's wüst und leer aus, an den Kleiderriegeln hingen nur einige Kindersachen. In einer Ecke lag ein Bündel: eine Schürze, eine Taille, ein Frauenrock. Von Minna war nichts zu sehen und zu hören, ihr Korb war verschwunden, das Fremdenzimmer verschlossen. Ich klopfte aus Leibeskräften, — Niemand öffnete! Erfüllt von bangen Ahnungen eilte ich ins Schlafzimmer und weckte ziemlich unsanft meinen Mann. „Minna ist verschwunden", rief ich ihm zu.
„Dem Himmel sei Dank", seufze er, „wir können froh sein, daß dieser unheimliche Drache davon geflattert ist."
„Aber es ist etwas nicht in Ordnung", lamentirte ich, ihr Korb ist auch weg, am Kletderrtegel hängen weder Dein Rock, noch Dein Sommerpaletot, Dein Hut ist auch nicht mehr da . . . ."
„Na nu", staunte mein Mann und war mit einem Satz aus dem Bett. Er nahm sich kaum zum Ankleiden Zeit, um sofort auf den „Kriegsschauplatz" abzugehen. Mit dem zweiten Schlüssel wurde das Fremdenzimmer geöffnet, es war leer, — das aufgeschlagene Bett stand unberührt in der Ecke.
Im Speisezimmer stand die Thür des Buffets offen, — der Silberkasten war verschwunden! Die Thür des Verticow war nur angelehnt, — die Kassette war verschwunden! Das Schubfach in meines Mannes Schreibtisch war erbrochen, — das Geld war verschwunden!
„Dacht' ichs doch, daß dieses Frauenzimmer mit dem Epitzbubengesicht uns hineinlegen würde", knirschte mein Mann ingrimmig. Dann fuhr er nach der Polizei. Nach zwei Stunden schickte er eine Rohrpostkarte, ich sollte mich um 12 Uhr auf Zimmer 28 des Präsidiums einfinden. Dort wurde mir ein dickes Album vorgelegt. „Die Böhmert", sagte der eine Beamte, „Seite 21, Personalacten sind schon hier, ein Herr hat sie heute Morgen reclamirt." Auf Seite 21 wurde mir eine Photographie gezeigt: „Die Minna" rief ich unwillkürlich aus. Dann griff der Beamte nach einem andern Bande. „August Böhmert, Seite 40." Er schlägt das Album auf und zeigte mir die Photographie eines Mannes. „Minnas Cousine", entfuhr es mir unwillkürlich, — es war derselbe starkknochige Oberkörper, das Mädchengeficht, die Narbe auf der Stirn.
„Stimmt", sagte der Beamte, „das ist ein nettes Pärchen. Er ist vorgestern erst aus dem Zuchthause entlassen worden und hat gleich wieder einen guten Fang gemacht. Ausbaldowert hat eS seine Frau, — na, das ist eine Gerissene . . . Wissen möcht' ich bloß, wo sie die beiden Kinder untergebracht har . . . "
„Jetzt weiß ich ganz genau, wo ich dieses unverschämte Gesicht gesehen habe", sagte Abends mein Mann, „als ich das letzte Mal Geschworener war, haben wir auf ihre Aussage hin den Angeklagten freigesprochen. Wir wollten ihr zuerst nicht so recht glauben, aber sie hatte ihre Aussage beeidet . . . Wie man sich täuschen kann."
„Ja, wie man sich täuschen kann", schluchzte ich und weinte dem Silberzeug, der Cassette und dem Gelde emen Niagarafall von Thränen nach.
Hrrnispistifches.
In der Verliebtheit. „Aber wie konnten Sie den Grenadier küssen, Anna?" — „Gnädige Frau haben noch nie 'nen Grenadier geküßt?" • * *
Böses Zeichen. Frau (zu ihrem Mann): „Du, unser neuer Zimmerherr wird gewiß Alles schuldig bleiben — denn dem ist nichts zu theuer!" * *
Eine Musterwirthschaft. „An den Tellern sitzt ja noch der Grünkohl von gestern Mittag!" — Kellner: „Das macht nichts! Es giebt heut' wieder Grünkohl!" * * *
Unangenehm. Gerichtsvollzieher: „Donnerwetter, jetzt soll ich beim Schuster Hammel wegen vierzig Mark pfänden und bin ihm selber seit vorigem Jahre fünfzig Mark schuldig!" * * *
Gemüthli ch. Hausfrau: „Ist dies meine Zahnbürste?" — Dienstmädchen: „Nein, die meinige; aber nehmen Sie sie nur, ich habe die Ihrige auch schon oft gebraucht!" * * *
Taktlosigkeit. Frau: „Ich bin umsonst gegangen — der Kaufmann giebt uns keinen Credit!" — Mann: „Der Lump scheint sich über uns erkundigt zu haben! So eine Gemeinheit!" * * *
Starke Kurzsichtigkeit. Professor (im Eisenbahn- coupb zum Schutzmann, der eine Landstreicherin transportirt): „Die Herrschaften sind wohl auf der Hochzeitsreise?" * * *
Variante. Dame (zum schlechten Tänzer): ,-Mem Herr, es scheint, daß Ihnen noch der nsrvu» ärsiirum fehlt!" * * *
Ein Schweren öther. Frau: „Wie konnten Sie sich hinreißen lassen, meine Tochter zu küssen?" — Hauslehrer: „Sie sieht Ihnen zu ähnlich, gnädige Frau?" * *
*
Moderne Anzeige. Des Alleinradelns müde, suche ich eine flotte Radlerin als Lebensgefährtin. Gefl. Offerten unter „Lebensfahrt" an die Exped. d. Bl. erbeten.
Einer der spannendsten Romane für weibliche Leser beginnt soeben in der Wochenschrift „Dies Blatt g«h-rt d«r Hausfra«! zu erscheinen. Der Roman führt den Titel: „Das Füchschen um hat Bertha von der Lancken zur Verfasserin, jene Autorin, welche Wl die beiden, früher im gleichen Blatte erschienenen Erzählungen „Nadme und „Ein neues Geschlecht" sich unter den Leserinnen desselben so geisterte Anhängerinnen verschafft hat. — Ein Abonnement auf«"’“ Blatt gehört der Hausfrau!" ist auch in den Sommermonaten J empfehlen; der reiche Inhalt der guten Zeitschrift bietet allen Lesennnen zu jeder Jahreszeit reiche Anregung und edles Vergnügen. Für ‘ 40 Pfg. pro Quartal liefert jede Buchhandlung und Postanstalt o Blatt frei in's Haus.
Redaction: A. Schryda. — Druck und «erlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) w


