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«tzen bei leichter Handarbeit oder vernünftiger Lectüce folgen, und die durch geringe Thätigkeit im Zimmer vernachlässigte Athmung werde öfter, sammt dem verminderten Stoffwechsel, beschleunigt und gehoben durch. Gartenarbeit, Spazierengehen, Bewegungsspiele im Freien, Schlittschuhlaufen, Schwimmen u. s. w. Regelmäßige Ausflüge in Feld und Wald mit Hinweisung der Eltern auf die Schönheiten der Natur erfreuen und erfrischen Körper und Geist und bilden das Gemüth der Heranwachsenden.
Ein gefährlicher Feind der Gesundheit sind die feinen weiblichen Handarbeiten, besonders bei künstlicher Beleuchtung. Die unablässige Anstrengung der Augen und das regungslose Gebücktsitzen führt Blutandrang zum Kopfe herbei und hindert den Blutkreislauf, so daß die Ernährung des Gehirns directen Schaden erleidet. Man betrachte also keineswegs, rote vtele Mütter zu thun pflegen, die feinen Handarbeiten als eine leichte Beschäftigung, sondern als eine höchst einseitige Anstrengung, und verordne deshalb darnach stets längere Bewegung in frischer Luft und nicht etwa eine sogenannte Erholung durch Leetüre. Denn Lesen ist in der Weise, wie es meist von den jungen Mädchen betrieben wird, ebenfalls eine abspannende Anstrengung. Man betrachte nur einmal solch eine Leserin, welche in tiefgebeugter Haltung mit zusammengepreßter Brust in ihrer Lesewuth den Inhalt des Buches förmlich verschlingt, und mit allen Gedanken daran haftet. Solch unter „athemloser" Spannung betriebenes Lesen hat auch den körperlichen Nachtheil, daß es tatsächlich die Athmung vermindert und dadurch die Bluterneuerung im Gehirn schädigt. Die jungen Mädchen empfinden dies unwillkürlich auch selbst - denn am Ende der Leetüre athmen sie dann wie von einem Alp befreit, ordentlich erleichtert tief auf. Streng zu verbieten ist besonders das Lesen Abends im Bett. Auch die Auswahl der Leetüre muß mit sorgfältiger Ueberlegung geschehen. Es liegt die Gefahr sehr nahe, daß die Phantasie auf Kosten des Körpers übermäßig ausgebildet und wohl gar auf ungesunde Bahnen gelenkt wird. Die Jungfrauenlitteratur ist es hauptsächlich, die den Mädchen so oft unhaltbare Illusionen einpflanzt, ihnen Gefallen und Glänzen als den Hauptinhalt ihres Lebens hinstellt und über ihre Bedeutung und Stellung in der Welt ihnen Thorheiten in den Kopf setzt. Daher kommt es denn auch, daß so viele Mädchen beim Austritt ins Leben oder bei der Gründung einer eigenen Häuslichkeit von der Macht der äußeren Einwirkungen überwältigt werden und die Widerstandslosigkeit ihres Nervensystems offenbaren. Zeigt ein Mädchen Anlage zu schwärmerischen und phanta stischen Ideen, so wende man als bestes Gegenmittel eine zweckmäßige Hautpflege an, bestehend in kühlen Bädern und Waschungen, kalten nassen Abreibungen, unterstützt durch Vermeidung von geistigen Getränken und von allen Reizmitteln in der Nahrung.
Junge Mädchen sollen in gesunden Tagen auch regelmäßig zeitig aufstehen. Dies bildet eine wichtige Grundlage für körperliche und geistige Frische. „Zeitig zu Bett und zellig heraus, macht Gesundheit, Wohlstand und Weisheit auS." Der aroße Philosoph Kant sagt: „Das Bett ist das Nest einer Menge von Krankheiten. Denn das wechselnde Erwachen und Wiedereinschlummern ist für das ganze Nervensystem lähmend, zermalmend und in täuschender Ruhe krafterschöpfend- mithin die Gemächlichkeit hier eine Ursache der Verkürzung des Lebens." Das „Hinträumen" Morgens im Bett ohne festen Schlaf erzeugt bei den Mädchen auch oft jene schwärmerischmelancholische Wertherstimmung, jene dummen, verschrobenen Gedanken, welche sich bis zur Hysterie steigern. Eine vernünftige Gesundheitspflege bei den Heranwachsenden muß aber stets darauf abzielen, daß das Leben des Leibes dem Leben des Geistes untergeordnet Und von ihm beherrscht wird, nicht umgekehrt der Geist sich den Launen, Stimmungen und Trieben des Körpers nnterordne- nur dann wird ein harmonischer,
wahrhaft gesunder Zustand Eintreten. Ewig wahr bleibt das Sinnbild, den Menschen als den Reiter eines wilden Pferdes ich zu denken, seinen vernünftigen Geist mit einem Thiere, einem Körper, vereinigt, das ihn tragen und mit der Erde verbinden, aber von ihm nun wiederum geleitet und regiert werden muß. Es zeigt die Ausgabe des ganzen menschlichen Lebens, welche darin besteht, diese körperliche Thierheit in ihm zu bekämpfen und der höheren geistigen Macht unterzuordnen. Läßt der Mensch dem Thier die Oberhand, so geht es mit ihm durch, und er wird ein Spiel feiner Launen und Sprünge — — — — bis zum tödtlichen moralischen oder gar physischen Sturze.
Schützet unsere nützlichen, gefiederten Sänger!
Alle grausamen Raubthiere tragen zur Verminderung, was wohl die Vogelfreunde mit großer Betrübniß wahrgenommen haben, unserer lieblichen Vögel in hohem Grade bei- denn namentlich die räuberischen Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Eichhörnchen, die Häher, Elstern, Sperber, Habichte und Falken, denen alle Herren Jäger fleißig zu Leibe gehen mögen, verschlingen eine Unzahl Eier und zerfleischen die Alten und Jungen massenhaft. Zu diesen unvernünftigen Raubthieren gesellen sich nun noch die Menschen, die doch erkennen sollten, welch' großen Schaden sie durch Vertilgung der nützlichen, gefiederten Welt im Haushalte der Natur verursachen, und die auch wissen müßten, daß der rechte Vortheil der Menschen verlangt, die Vögel, die so viele höchst schädliche Insekten aus der Welt schaffen, zu schonen
und zu schützen.
Leider giebt es immer noch rohe und gefühllose Menschen, die dies Alles bei Seite legen, denn häufig noch rauben böse Buben, große und kleine Strolche, in Feld und Wald die Nester aus. Gerade jetzt im Frühlinge treiben sich wieder, wie wir aus sicherer Quelle vernommen, viele bösartige Bummler in Feld und Wald auf der Suche nach Vogelnestern umher, und wir bitten hiermit recht inständig alle Vogelfreunde und ganz besonders die Herren Forstwarte und Feldschützen, ein wachsames Auge auf diese schlimmen Gesellen zu haben, und wenn sie wahrnehmen, daß dieselben ihre ruchlosen Hände nach Vogelnestern ausstrecken, unnachsichtlich zur Bestrafung anzuzeigen. Die Herren Richter werden dann gewiß diesen abscheulichen Menschen zum Bewußtsein bringen, daß der Paragraph 368 11 nicht umsonst im Reichsstrafgesetz vorgesehen ist.
Zur Belehrung und Warnung führen wir benannten Paragraph an - derselbe lautet:
„Mit Geldstrafe vis zu 60 Mark oder mit Haft vis $u 14 Tage« wird bestraft, wer unbefugt Eier oder Junge von jagdbarem Federwild oder von Singvögeln ausnimmt." H. C.
Gemeinnütziges.
Blumenkohl Suppe. Einen Blumenkohl blanchtt man und schneidet ihn in kleine Stücke, die man hierauf m reichlicher Butter dünstet, bis sie eine bräunliche Farbe angenommen haben. Dann gießt man von dem Wasser htnz, in dem der Blumenkohl abgekocht wurde und in dem m etwas Liebigs Fleischextract aufgelöst hat, salzt und w i hieraus die Suppe, fügt einige Scheiben Brod bet uno v das Ganze so lange über stillem Feuer, bis es zu e ziemlich steifen Suppe verkocht ist.
Redaction: T. Schenda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) m ®lf6cn


