Ausgabe 
24.4.1897
 
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glücklichen Behagens auf den Zügen der Schlafenden ruhte. I Ja, er schien sich seiner Kur doch recht zu freuen, immer I i wärmer und inniger zu freuen, das sah man ihm an. I :

Die Samariterin, Helene, sie wußte nicht Worte des I ' Dankes genug zu flüstern. Ab und zu ging sie eilig hinaus, I ' benn auch sie litt vom Mal de mer, aber immer heiteren I Angesichts, kam sie zurück, das eigene Leid vergessend eben eine echte Samariterin.

Wohl l'/z Stunden mochten inzwischen vergangen sein, I als nach und nach die Bewegungen des Schiffes ruhiger und dann ganz ruhig wurden. DieBarina" halte die I Einfahrtsboje in die Osterems beim Juister Riff längst ge- I rundet und lief nun, unter Land von Borkum, amRandzel," dem großen Watt südlich der Insel, entlang.

Die Passagiere standen, einer nach dem anderen, auf von den Todten und die Kunde von der vortrefflichen Kur des Doctors ging von Mund zu Munde. Fräulein Helene konnte seine Fähigkeit in Aufstellung der Diagnose nicht genug loben.

Sie war einen Augenblick auf das Achterdeck getreten I und berichtete ihrem Vater, sowie der Frau Regierungs- räthin Bernau. I

Und welch tactvolle bescheidene Zurückhaltung, welches I Zartgefühl!" sagte sie eben,er ging expreß hinaus, als ich Berthas Toilette bequemer machte und ich glaube, seinem I sanften, milden Zuspruche ist es mit zu danken, daß Bertha sich von ihren Krampfanfällen sobald erholte. Jetzt schläft I sie ganz ruhig der Doetor stützt ihren Kopf, nur noch ab und zu wird eine Compresse aufgelegt. I

Ach, das muß ich sehen," rief die Regierungsräthin und wollte hinabsteigen. I

Bitte nicht, gnädige Frau, der Doetor hat jede Be- 1 unruhigung für gefährlich erklärt aber Sie glauben nicht, welche I Angst ich ausstand, als die Krankheit ausbrach, als Bertha so wild wurde, bis dann der Doetor kam und mit seiner Kunst so bald half."

Sonderbarer Mensch!" meinte Frau Bernau,wenn Ihr wüßtet, was er mir Alles aufbinden wollte! Sogar als Hundefänger hat er sich bezeichnet und Kinder - mit dem Doetor na, na!" Während man draußen das Nähere über die Fragewer" undwas" debattirte, war die Kranke drinnen aus ihrem Schlafe erwacht.

Erstaunt sah sie den Mann an, der noch immer ihren | Kopf stützte.

Mein Gott wie komme ich hierher?" Das klang fast ängstlich.

Beruhigen Sie sich," lautete die ernste Antwort.

Sie waren leidend ich habe Sie behandelt!"

Wie ein jäher Schrecken fuhr es plötzlich durch ihre Glieder. Mit unerwarteter Kraft richtete sie sich auf und Entsetzen zeigte sich in ihrem Gesichte, als sie, wie aus dunkeler Erinnerung, jetzt fast keuchend hervorstieß:Sie haben mich hhpnotisirt?"

Er brach in längst zurückgehaltene Heiterkeit aus: Nein, nein auf streng allopathischem Wege habe ich Sie hergestellt, mein Fräulein, und ich bin stolz auf meinen Er­folg! Aber, wenn Sie nun die nöthigen Kräfte ^gewonnen haben, dann möchte ich rathen, noch eine halbe stunde in die Luft zu gehen, ehe wir in Borkum anlegen, die Abendbrise wird Sie vollends frisch machen."

Aber was fehlte mir denn und wo ist Helene wo sind die Anderen?" Sie erwartete gespannt die Antwort.

Sie litten an felis delirio spirituosus, eine Art von Ohnmacht mit Krampferscheinungen verbunden, aber energische Mittel haben die Krankheit in der Wurzel abgeschnitten. Sie werden vielleicht morgen noch einen ge­ringen Kopfschmerz fühlen aber das ist Alles und wenn's Ihnen recht ist, so gehen wir jetzt auf das Achterdeck dort finden Sie auch die Ihrigen, denn wir laufen zur Zeit lm ruhigen Wasser des Emsstromes."

die Reeling. m .

Aber der treue Arzt kannte seinen Beruf. Bald stand er neben seiner Patientin und legte die Hand als Stütze

Sie hatte mit einigen Griffen ihr Haar geordnet, machte eine erstaunte Miene, als sie, mit der Hand an das Herz fahrend, das Fehlen der Herz- und Magenstütze be­merkte, aber dann legte sie die Hand in den dargebotenen Arm des Doctors und beide stiegen langsam die Cajütstreppe hinauf.

Man war auf dem Achterdeck doch endlich überem- gekommen, daß man es mit einem wirklichen Arzte zu thun habe und zwar mit einem Marine-Arzte, wegen der nautischen Kenntnisse. Helene meinte zwar, es könne auch ein Gardearzt sein, die Krone im Taschentuche berühre sie so qardemäßig, aber sie wurde überstimmt.

Und die Hunde und das Vieh?" hatte eben bte Regierungsräthin eingeworfen, als Arzt und Kranke auf Deck erschienen.

Erstaunen, Glückwünsche, Dankesbezeugungen wurden an den Doetor gerichtet, auf dessen Arm sich die Blondine noch immer stützte, als ob es so sein müßte.

Die Beiden hätten ein hübsches Paar abgeben können, flüsterte die Regierungsräthin dem Geheimrath zu,wirklich ein hübsches Paar, wenn nicht Bertha" sie kam mit ihren Reflexionen nicht zu Ende, denn plötzlich machte, sich bte junge Dame frei vom Arme des Doctors und stürzte

Gesundheitliche Erziehung der Mädchen nach der Schulentlaffnng.

Von Dr. Hans Fröhlich.

(Nachdruck verboten.)

Der Zeitabschnitt nach der Schulentlassung ist für eine gesunde körperliche und geistige Entwickelung der Mädchen von höchster Bedeutung. Es findet in dieser beginnenden Reifezeit die mächtigste physiologische Umwälzung statt, die der Körper überhaupt durchzumachen hat, und die man daher mit Recht als zweites Geborenwerden bezeichnet. Die erste Geburt war eine physische Selbstständigmachung, diese zweite ist eine physio­logische. Entsprechend dieser in eas körperliche und seelrsche Leben so tief eingreifenden Veränderungen sind auch zu jener Zeit die Gefahren für die Gesundheit sehr gesteigert. Wir brauchen nur daran zu erinnern, daß dieser einschneidendste Entwickelungsabschnitt die Ursache oft langwieriger Bleichsucht ist wo dann das vorher so blühende, lustige Backfischlem bte Flügel hängen läßt, wie ein Schmetterling im Platzregen. Dauernbe Gesunbheitschäblichkeiten in dieser Periode äußern ihre Übeln Folgen oft noch im ganzen späteren Leben und sind häufig die eigentliche Ursache der so verhängnißvollen Frauen­krankheiten. ,

Die Mädchen sollen zunächst an eine geregelte Thatigkett gewöhnt werden, welche auch in regelmäßiger Weise durch längere Erholungspausen unterbrochen wird. Abwechslung von Arbeit und Ruhe ist ein Haupterforderniß, namentlich für bte Gesundheit des Nervensystems. Auf stundenlanges Herum- wirthschaften in Haus und Küche muß wieder längeres Sttlle-

vor ihre Stirn.

So, nun wird Ihnen wohl werden,^ meinte der Doetor dann,dem Meergotte find eben alle tributair, nur die Hypnose befreit." Bei den letzten Worten wandte er sich scherzend an die Regierungsräthin. ,

Es begann bereits zu dunkeln, als die Banna durch die Fischerbalje dampfte und am Landungsplatz festmachte. Schon seit zwei Stunden hat der Zug, der von der Rhede zum Bade von Borkum führt, gewartet. Alles eilte dem Wagen zu. Am Bahnhöfe nahm man Abschied von einander __ nur der Doetor war verschwunden. Niemand hatte ihn mehr gesehen.

(Fortsetzung folgt.)