@00 —
R'dactüm: Ä. Vch«,d-. — »nut tmb »erlag der Brühl'scheu Uuiverfitätr-Buch. und Slemdrucker-i (Pietsch & Scheyd«) m Greßen.
doch etwa- verwirrt, immerhin ersah er aus beS Anderen eigener Befangenheit, daß etwas nicht in Ordnung fn, er witterte wenigstens etwas AehnlicheS. Um der Sache aus | die Tvur zu kommen, wählte er den geradesten Weg: „Ich bemerkte vorhin vor unserer Abfahrt auS Hannover," begann er daher, „wie Ihnen anscheinend viel daran lag, von Herrn und Fräulein Twenz nicht gesehen zu werden."
„Sie wissen? . . > stammelte jener.
Warnow wußte nun eigentlich nichts, aber in dresem I Falle hielt er es für weise, dies nicht direkt einzugestehen, I darum nickte er nur leicht, wie bejahend.
Sein unbekannter Reisegenoffe schien plötzlich seine Fassung ganz einzubüßen: „Mein Herr" begann er stammelnd, „verzeihen Sie die Frage, mit wem habe ich die Ehre?"
Warnow schmunzelte, er hatte seinen Humor wieder-
mein junger Freund," meinte er gemüthlich, „glauben Sie, ich werde mein Inkognito aüfgeben, wenn Ihnen an- scheinend soviel daran liegt, das Ihre zu wahren? und dann scherzend: „vielleicht bin ich ein Detektiv, ein----
„Mein Herr!" brachte der junge Mann fast gepreßt hervor und plötzlich fühlte sich Warnow bei der Hand gefaßt.
„Nanu?" machte er verdutzt.
„Mein Herr," begann Jener wieder, „mein Herr, rch glaube, Sie haben ein gutes Herz, Sie sehen mir ganz darnach aus."
Warnow schmunzelte. „Na, also?" fragte er neugierig.
®ie — — Sie werden uns gewiß nicht verrathen."
„I der Tausend!" machte dieser nun höchst verblüfft und sah den Bittsteller etwas schärfer an. Der hatte einen heißen rothen Kopf und eine feuchte Hand.
„Wir sind nämlich — die Trudel und ich —"
Warnow stand mit einem Mal auf beiden Füßen.
„Was sagen Sie da?" Der junge Mann starrte ihn an. „Nun ja, ich denke doch, Sie wissen —"
„Jawohl, ich weiß — ich weiß — die Trudel und Sw lieben sich. Aber weiter!" Und er sank auf den Sitz zurück und trocknete sich den Schweiß. „Uff!" Der Jüngling aber berichtete: „Da Sie's doch wissen, so kann ich Sie nur bitten, stehen Sie uns bei — ich kann nicht anders ver- muthen, alS daß Sie der gute Onkel Warnow sind, von dem mir Trudel so oft erzählt."
„Ja wohl!" ächzte Warnow gottergeben. Sein Gegenüber aber wurde plötzlich zutraulich. „Daß mir'S die Trudel auch nicht geschrieben hat, daß sie sich an Sie gewandt, doch nun wird ja Alles gut." Und der Stürmische drückte Warnow die Hand, daß dieser stöhnte.
„Sehen Sie," fuhr Jener fort, „es ginge ja Alles gut, wenn die verehrte Schwiegermama in spe es sich nicht gerade in den Kopf gesetzt hätte, nicht meine Schwiegermutter zu «erden, anstatt dessen hat sie sich Herrn Georg Twenz zum Schwiegersohn ersehen. Gott, diese Mütter! Trudel liebt mich und ich bete das Mädchen an, aber die Mutter greift nach dem Köder Geld. Ach — und heute Abend soll die Verlobung gefeiert werden."
„Welches Fest Sie durch ihre Gegenwart zu verschönen gedenken?" warf Warnow boshaft ein.
Der junge Mann fuhr sich nach der HalSgegend. „Rein, weil ich der Sache ein Ende machen will — so — »der so," sagte er nicht ohne Pathos.
„Ach, da bin ich aber begierig!"
Der Jüngling lächelte überlegen. „Liebe macht erfinderisch, macht Muth. Heute muß ich mir mein Lieb gewinnen! Heut oder nie."
Warnow seufzte. „Ja, ja die Jugend! Und inwiefern wollen Sie diesen Muth beweisen?" fragte er.
Der Jüngere rückte dicht an ihn heran. „Gestatten Sie vor Allem, daß ich ein Versäumniß nachhole und mich Ihne« vorstelle. Erich Ballin, Eandidat der Philosophie.
Also ich rechne auf Ihre Hülfe, da das Schicksal Sie mit nun einmal in den Weg geführt hat; Sie liebe« mei«e Trudel ja auch." . ;
„Erlauben Sie," fuhr Warnow auf. Ballin zog ch« am Aermel nieder. „Aber ich bitte ganz onkelhaft natürlich. Sehen Sie, da meine ich, Sie werden uns beiftehen, wenn — nun, wenn Frau Schwiegermamachen, allzu »sehr die Krallen zeigt."
„Ja, mein junger Freund," fragte die Aeltere, „wollen Sie mir denn nicht wenigstens sagen, was Sie vorhaben?
Ballin zwiebelte sein niedlichees Bärtchen. „Wir, das heißt, sehen Sie, lieber Herr Warnow, das hängt ganz vom Zufall ab, doch wenn der Augenblick der Entscheidung gekommen ist, dann bitten wir nur um Ihre gütige Vermittelung." , '
„Hm, ein wenig orakelhaft! Doch es sei mit dem Vorbehalt jedoch, daß die Handlung auch meine Zustimmung findet."
Sie schüttelten sich darauf kräftig die Hände und Ballin lenkte das Gespräch in ander Bahnen.
Wunstorf kam in Sicht. Die Lokomotive pfiff! Man stieg aus. Der Perron war belebt. Ballin faßte Warnows Hand. „Jetzt, bitte, folgen Sie mir, dort links am Msen- pfeiler stehen Trudel und ihre Mutter, doch dort kommen
I auch die Geschwister Twenz heran!"
Warnow schüttelte leicht den Kopf. Was wird das werden? Dann sah er auf das schlanke, etwas blaffe Mädchen neben der Frau Oberlehrer, Also daS war Trudel, seine Trudel — nein, des lustigen Erich Ballins Trudel. Er kam sich kläglich genug vor in diesem Augenblick. Das war ja eine schöne Brautfahrt! Ballins Stimme klang an sein Ohr. „Jetzt Passen Sie auf," und er paßte auf.
Er sah das lange Geschwisterpaar herankommen, sah die Cousine ihnen einige Schritte entgegengehen, sah Trudel zurück bleiben und dann die Erstere beim Anblick des
I Studenten wie erstarrt stehen bleiben. Er hörte sie förmlich nach Luft schnappen, dann geschah etwas Gräßliches.
Seine Trudel thot ein Paar schnelle Schritte, Ballin ein Gleiches und dann---in den Armen lagen sich
Beide und weinten vor Schmerzen und Freude. Doch schnell genug wurden sie auseinandergerissen, der Cousine schrille Stimme zeterte: „Ungerathenes Kind! Undankbare», falsches Geschöpf, weißt Du nicht was die Pflicht des Gehorsams ?" Weiter kam die gute Dame nicht. Zwischen sie und die Anstifterin ihres Zornes schob sich eine massige Gestalt. .
„Sie erlauben, theuerste Cousine, daß ich mich Ihnen in Erinnerung bringe." ' ~ t ,
„Vetter Heinz!" „Onkel!" schallt es und Trubels Arme schlangen sich um Warnows Hals. Der löste sich I* sanft aus zärtlicher Umarmung „Laß mich doch auSredeu, kleine Hexe!" und dann zur Mutter, den jungen Ballin an der Hand zu sich heranziehend. „Der alte „Erbonkel" bittet für seinen Protegä um Nichte Gertruds Hand."
Ein paar Neugierige drängten sich herzu. Frau Twenz schien in peinlichster Verwirrung.
„Aber lieber Vetter!" stammelte sie und dann nach einem Blick auf das Hand in Hand vor ihr stehende Brautpaar resignirt: „Nun ja denn, was soll ich alte, schwache Frau denn auch machen, wenn Sie mir auf solche Weise die Pistole auf die Brust setzen —" ,
So kam es, daß dieser heilige Abend Heinz Warnow zwar nicht zum glücklichen Bräutigam, wohl aber zum Erbonkel machte.
Humoristisches.
Höflich. Thierstimmen Imitator: „Ich werde jetzt die Gans nachahmen, meine Herrschaften ... die verehrten Damen bitte ich im voraus um Entschuldigung."


