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ist nicht hier gewesen und hat nach mir gefragt? Sie weiß hoffentlich nicht, wo ich bin?"

Nein, Polly, sie ist nicht hier gewesen- es ist ihr wahrscheinlich gleichgültig, ob Du noch am Leben oder tobt bist. Nach einiger Zeit wirst Du aus dem Hospital entlassen werden- gedenkst Du dann nach der Alley zurückzukehren?"

Ich zitterte bei dem bloßen Gedanken vor Entsetzen. Nein, oh Gott, nein nicht sür Alles in der Welt, Herr- lieber ertränke ich mich oder werfe mich wieder unter die Hufe der Pferde und lasse mich zu Tode stampfen!"

Du willst also nie wieder in die zärtlichen Arme Deiner Großmutter zurückkehren?"

Nie!"

Recht so," sagte Vandine-an Deiner Stelle thäte ich es auch nicht. Nun, es wird sich schon, ehe Du das Hospital verkästest, etwas für Dich finden- wir werden Dir Aufnahme in ein Waisenhaus oder in ein Asyl für heimat­lose Kinder verschaffen."

Ich schüttelte den Kopf und sagte:Ich möchte das nicht- ich möchte lieber für mich selbst sorgen."

Dick lachte und erwiderte:Du bist noch zu klein dazu, Polly- es gebricht Dir noch an Muskeln und Sehnen, die beide durchaus notwendig sind, um sich erfolgreich durch diese harte Welt zu schlagen."

Die Zeit meiner Entlassung aus dem Hospital kam nur zu bald. Der reinliche, stille und ruhige Ort war mir überaus lieb geworden. Dort hatte ich, zum ersten Mal in meinem Leben, Comfort, gütige Behandlung und Pflege ge­funden- nur ungern verließ ich den Platz, an dem ich so große Schmerzen erduldet hatte. Der Abschied von der freundlichen Wärterin, Doctor Steele und Dick Vandine wurde mir sehr schwer.

Wissen Sie Niemanden, der geneigt wäre, die Kleine zu adoptiren oder ihr wenigstens ein Unterkommen zu geben?" fragte Dick seinen Onkel in jenem kritischen Augenblick meines Lebens.

Leider nein," antwortete der Doctor trocken.

Es ist zu hart, Polly zu der brutalen Großmutter zurückzuschicken, von der sie so grausam behandelt wurde - es ist noch härter, sie auf die Straße hinauszusenden- sie wird noch lange nicht im Stande sein, für sich zu sorgen."

Warum bekümmerst Du Dich um das Mädchen?" ries Doctor Steele ungeduldig - sie geht Dich nichts an. Wenn Du Deine Laufbahn auf diese Weise beginnst, so wirst Du bald bis an den Hals in Schwierigkeiten stecken."

Vandine zuckte die Achseln.Warum können Sie Polly nicht in Ihr eigenes Haus aufnehmen, Onkel?" sagte er kurz - sie könnte sich in der Kinderstube nützlich machen, der Tante behilflich sein und das Baby verpflegen."

Der Doctor starrte seinen Neffen einen Augenblick be­troffen an- dann nahm sein Gesicht plötzlich einen auderen Ausdruck an.Das ist eine prächtige Idee von Dir, Dick," antwortete er trocken-ich will mir die Sache überlegen." Es entschied sich zu meinen Gunsten, denn eine Woche später verließ ich das Hospital, um ein Mitglied des Steele'schen Haushalts zu werden.

Es war spät Nachmittags an einem regnerischen Tage, und ein trüber Nebel schwebte über der Stadt, als ich dem Hospital den Rücken kehrte und mich mit Dick Vandine auf den Weg zu den Steeles machte.

Der junge Mann rief einen Straßenbahnwagen an, brachte mich hinein und setzte sich neben mich.Du bist ein so, schwaches, kleines Geschöpf, Polly," sagte er,daß es Dir an Körperkräften gebricht, um es mit Doctors robusten Rangen aufzunehmcn- es war indessen das Beste, was ich für Dich thun konnte."

Es war schon völlig dunkel, als der Wagen an einer Straßenecke anhielt, Vandine mich beim Arm nahm und mit mir die Stufen vor Doctor Steeles Wohnung hinaufstieg. Wir wurden von einer Magd eingelassen, die auf Dicks wiederholtes Klingeln aus dem Souterrain erschienen war.

Frau Steele ist in der Kinderstube," sagte sie zu Vandine, worauf sie wieder in die Küche hinabeilte, aus welcher die Düfte eines angebrannten Bratens heraufdrangen.

Komm, Polly," sagte Dick, indem er mich eine mit Puppen, zerbrochenen Spielsachen und Resten von Butterbrod bestreute Treppe hinaufführte und die Thür zur Kinderstube öffnete.

Das Zimmer war an und für sich comfortable genug, allein die darin herrschende Unordnung war gerade entsetzlich. Die Stühle waren überall, nur nicht auf ihren Füßen. Die Tischdecke war auf den Fußboden herabgezerrt worden, der Tisch diente einem Theil der lärmenden Schaar als Observationsposten. Bücher, Spielsachen, abgelegte Schuhe und Schürzen, zwei oder drei ungezogene Hündchen, welche an den Matten kauten, lagen hin und her zerstreut.

Ein halbes Dutzend Knaben und Mädchen, alle jünger wie ich selbst, liefen wie jugendliche Commanche-Jndianer in dem Zimmer hin und her und brüllten, so laut ihre gesunden Lungen es nur vermochten, zum Entsetzen der Frau Dotori», einer verblühten, reizbaren Dame, welche mitten im Zimmer saß und ein strampelndes Baby auf dem Schooß hatte, das sich an dem tollen Treiben der anderen Kinder sehr zu be­lustigen schien.

Guten Abend, ihr Wildfänge!" rief Vandine von der Schwelle den Kindern zu.Guten Abend, Tante! Wie können Sie es nur bei diesem Scandal aushalten? Ich habe Ihnen hier das kleine Mädchen aus dem Hospital ge­bracht. Doch meiner Treue!" fuhr er nach einem bedeut­samen Blick in der Stube umher fort,ich glaube fast, es wäre barmherziger gewesen, sie direct nach der Alleh zurückzubringen!"

Die kleinen Steeles hielten mitten in ihren lärmenden Spielen inne und drängten sich um Dick herum. Die Hunde folgten ihnen nach. Während er sich vor den Kindern und den Vierfüßlern vertheidigte, wandte sich Mrs. Steele um und blickte mich an. Ihre Augen hatten einen harten Aus­druck- sie ruhten kritisirend und mißbilligend aus mir. Wo dachte der Doctor nur hin?!" rief sie endlich aus; was soll ich mit dem kleinen, schwachen Ding da? Sie ist viel zu klein, Dick, um mir von Nutzen zu sein."

Urtheilen Sie nicht so voreilig, Tante!" brüllte Dick, um sich bei dem Lärm der Kinder und dem Gebell der Hunde Gehör zu verschaffen.Die feinsten Maaren werden ja in den kleinsten Palleten verkauft. Machen Sie immerhin einen Versuch mit ihr- sie ist ein Schatz, und wir dürfen ja billig annehmen, daß sie mit der Zeit größer und stärker werden wird."

Mrs. Steele ließ das kreischende Baby so plötzlich in meinen Arm fallen, daß ich wankte und beinahe das Gleich' gewicht verlor.

Nimm den Jungen," sagte sie,und laß sehen, was Du mit ihm ausrichten kannst- er ist zwar kein Freund von Fremden."

Ein glücklicher Zufall wollte es, daß der rosige, kleine Bursche in mein eingefallenes Gesicht blickte. Was er darin entdeckte, mußte ihn beruhigt haben, denn wider alle Er­wartung schmiegte er seine frischen rothen Backen an meinen Hals und girrte vergnügt wie eine Turteltaube. Die harten Züge der müden Mutter nahmen einen sanfteren Ausdruck an, die Kinder lachten, ließen von Vandine ab und drängten M um mich. Ich strengte alle meine schwachen Kräfte an, u« das Baby festzuhalten, das seine kleinen, fetten Arme um meinen Hals schlang und freudige Rufe ausstieß.

Das ist merkwürdig," sagte Frau Steele.Du kannst hier bleiben, Polly. Ich sehe, daß der kleine Bengel bei Dir gut wird, und mit der Zeit kannst Du Dich auf ver­schiedene Weise im Hause nützlich machen. Dick, Du Mv zum Abendbrod hier bleiben - die Kinder haben Dich Iw lange nicht gesehen." .

Ich bitte um Verzeihung, ich habe für heute