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er.
„Ja," antwortete Greylock.
„Wo ist die Mutter?"
„Das ist meine Sache."
„Oh, natürlich — ich bitte um Entschuldigung - es giebt gewisse Institute —"
„Ich suche keine Anstalt — nur ein Obdach für Tage, wie ich Ihnen bereits zu sagen mir erlaubte."
„Das zweste Häuschen in dem Gäßchen gleich um die Ecke- Sie können nicht irre gehen."
„Tausend Dank!" rief Robert und verließ eilig die Apotheke.
Als er in die Straße hinaustrat, war die junge Frau bereits verschwunden- er fand indessen ohne Schwierigkeit das Gäßchen und das ihm bezeichnete Häuschen - er klingelte heftig.
Bald darauf erschien dieselbe Frau, die Robert in der Apotheke gesehen hatte- sie erkannte ihren Besucher auf der Stelle wieder. „Treten Sie ein!" sagte sie.
Greylock folgte ihr in ein dürftig möblirtes, aber warmes und sauberes Zimmer, in dem ein gutes Feuer brannte. An einem Plättbrett stand bereits eine ältliche Frau, welche mit dem Bügeln von Kinderwäsche beschäftigt war. Auf einem Gesimse an der Wand befanden sich eine Reihe Saugflaschen, und durch eiue halboffene Thür erblickte Greylock ein anderes Zimmer mit einer Anzahl Wiegen, in denen kleine Kinder schliefen. Er wandte sich zu der jungen Frau, die ihn eingelassen hatte, und reichte ihr seine Bürde hin. „Der Apotheker an der Ecke hat mich hierher gewiesen," sagte er. „Seien Sie menschlich — nehmen Sie dieses Kind und thun Sie etwas dafür- es ist sehr krank, und ich muß heute Nacht noch eine Reise antreten- ich kann das Würmchen nicht mitnehmen."
Die junge Frau nahm das Kind auf ihren Arm- ohne ein Wort zu sagen, nahm sie ihm das Häubchen und den Shawl ab, setzte sich auf den nächsten Stuhl und begann ! das Kind mtt der Miene eines erfahrenen Arztes zu
„Die arme Kleine hat keine Heimath!" rief Greylock in Verzweiflung. „Großer Gott! Was soll ich thun? Können Sie mir kein Obdach empfehlen, wohin ich das Kind, wenn auch nur für einige Tage, bringen kann? Ich bin genöthigt,
seines Weges weiter. Er war indessen noch nicht wett ge- j langt, als er einzusehcn begann, daß er übereilt gehandelt- zahlreiche Schwierigkeiten traten ihm in den Weg. Konnte er mit einem sterbenden Kinde vor seinem Vater erscheinen? Unbedingt nicht. Was sollte er aber mit dem kleinen, hilflosen Wesen anfangen, das so still und regungslos in dem Shawl lag? Er befand sich in einer peinlichen Lage- er mußte ein Obdach für die Kleine finden.
Plötzlich fühlte der unglückliche Mann eine leise Regung in seinen Armen. Das Kind lebte noch , ev rührte sich und stieß einen schwachen Schrei aus! Er hatte eine Straßenecke erreicht, an der sich eine kleine Apotheke befand- die Hellen, farbigen Lichter im Schaufenster blinkten ihm gar- traulich und einladend entgegen. Rasch entschlossen öffnete er die Thür und trat ein.
Ein kleiner Maun in fadenscheinigem schwarzen Anzug, mit einer Glatze, die wie gelbes Elfenbein glänzte, stand hinter dem Ladentisch. Ohne sich lauge zu besinnen, näherte sich Greylock dem Pharmaceuten und schlug den Shawl zurück. „Können Sie etwas für dieses arme Geschöpf thun?/ fragte er. .
Der kleine Alte setzte seine Brille auf- er beugte sich mit einer Miene des Staunens, wenn nicht des Argwohns, über den Ladentisch, blickte das Kind an und schüttelte seinen kahlen Kopf. „Wohl kaum," antwortete er- „dies ist ein Fall für einen regulären Arzt- Sie werden wohl thun, das Kind sofort nach Hause zu bringen und einen Doctor holen
untersuchen.
Greylock merkte mit Freude, daß ihr Gesicht einen
....... Q.J . ,.o wohlwollenden und liebevollen Ausdruck hatte und daß sie sofort" bte' Stadt verlassenwill gern jeden billigen I überaus zart und sanft mit dem Kinde umging. „Ja," Preis bezahlen, um der Kleinen ein Obdach zu verschaffen." I sagte sie endlich, indem sie aufblickte, krank ist das Kleine, Der Apotheker warf einen verstohlenen Blick auf den | außerdem ist es ganz mit Morphium angefüllt, dav ihm zum Hirschen und anscheinend gebildeten jungen Mann, der in | Einschläfern gegeben wurde. _
einer solchen kalten Nacht mit einem kranken Kinde durch die Straßen wanderte. „Ist dies Ihr Kind?" fragte
Die ältere Frau verließ nun ihr Plättbrett und näherte sich dem Kinde, das sie ebenfalls prüfend ansah. „Die Kleine wird den Morgen nicht mehr erleben// sagte sie, „wenn sie diese aschgraue Farbe in dem Gesicht eines Kindes sehen, so können Sie versichert sein, daß es dem Tode ver- nun, I fallen ist." Sie warf Greylock einen argwöhnischen Seiten- I blick zu und fuhr fort: „In der Regel sind es arme Frauen, etliche I welche Kinder zum Aufbewahren hierher bringen, nicht seine I junge Herren wie Sie- mir kommt das sehr sonderbar vor.
Der Alte nahm jetzt seine Brille ab und entgegnete, I Greylock erröthete, faßte sich aber schnell und sagte sich abwendend: „Nun, so bedauere ich, Ihnen nicht dienen mit fester Stimme: „Das Kind ist meine Tochter, rhr Aame
zu können." ist Ethel Greylock, wie Sie aus den Zeichen an lhren
In diesem Augenblick ging die Thür auf und eine Frau Kleidern ersehen können. Mein Besuch mag Ihnen zwar
trat ein. Es war eine junge, frische und blühende Person- I sehr sonderbar erscheinen, allein ich halte es nicht für notylg,
sie trug ein einfaches Kleid, einen schwarzen Shawl und Hut- I Ihnen Erklärungen zu geben, auch habe ich keine Zeit dazu, sie schritt zum Ladentisch, legte eine Münze darauf und sagte: Ich wünsche einfach zu wissen, ob Sie mein Kind behaue „Bitte, geben Sie mir ein wenig Anissamen." I und Alles für es thun wollen, was in Ihrer Macht stehl,
Greylock trat einen Schritt zurück. I bis ich übermorgen zurückkehre?"
Die Frau warf ihm und dem Kinde auf seinem Arme „Das wollen wir, Herr!" antwortete die _ einen prüfenden Blick zu, nahm dann ihr Packetchen vom rasch. „Wir sind zwar arme Leute, aber anständig Ladenlssch und -mstn.1- sich --Ich. *Hd>. J»d»h « -st m-m N-m- uni, He» «
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verlassen, als der kleine Alte, wie van einem plötzlichen I kann, nehmen sie es Ihr nicht übet. W h ,,
Gedanken ergriffen, ihm nachrief: „Da kommt mir eben auf und werden Alles für sie thun, was etwas in den Sinn - die junge Frau könnte Ihnen von Roberts Zweifel wurden durch ^udtths offenm Nutzen fein- sie wohnt in einem benachbarten Gäßchen." I ihr einnehmendes Wesen und den Ton ihrer S im
„Was treibt sie?" fragte Robert mit Widerstreben. beschwichtigt- er zog ein Geldstück aus der Tasche uno „Ich weiß es wirklich nicht," antwortete der vorsichtige gab es ihr mit den Worten: „Dies zum Zeichen, oob Apotheker. „Das Haus wird von zwei Frauen gehalten, Robert Greylock ein ehrlicher Mann ist. Lause w »
dieser jungen und ihrer Schwiegermutter- sie kaufen Arzneien I Tage werde ich wiederkehren- wir besprechen a->
hier und scheinen ganz respectabel zu sein. Ich kann mir I Nähere." . flint, -
nur denken, daß sie kleine Kinder in Kost und Verpflegung Die ältere Frau ergriff nun das Wort uno wg @je nehmen; das Uebrige müssen Sie selbst ausfindig machen." I mit unangenehmer Stimme: „Ist das alles Gelv, was
„Wo ist das Haus?" ' | uns lassen können?"


