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as Glück gleicht dem ausgelassenen Jungen. Es klopft an Deine Thüre und läuft davon. A. E.

Wer gern nach allerlei Richtungen Sich mag verwickeln lassen, Der wird vor lauter Verpflichtungen Zuletzt seine Pflichten verpassen.

Ludwig Fulda.

Das Kind der Tänzerin.

Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.

(Fortsetzung.)

3. Capitel.

Ein armes, verlassenes Kind.

Die Straßenlaternen begannen zu schimmern, die Dunkel­heit war hereingebrochen. In seine schmerzlichen Gedanken vertieft war Robert Greylock hungrig und ohne (bestimmtes Ziel meilenweit durch die Stadt gewandert. Jetzt zum ersten Mal fiel ihm sein Kind wieder ein; lebte es noch, das kleine, vernachlässigte Geschöpfchen, das seine Geburt zur Erbin eines großen Vermögens berechtigte? Er gedachte die Stadt mit dem Abendzuge zu verlassen; erst aber wollte er sich über das Schicksal seines Kindes Gewißheit verschaffen. Er machte sich daher auf den Weg nach jenem Miethshause, das er heute mit dem Gedanken es nie wieder zu betreten, verlassen hatte, fest entschlossen, eine Begegnung mit Iris zu vermeiden; er wollte abwarten, bis sie in das Theater gegangen war, in dem sie heute beschäftigt sein mußte. Trotz der Bemühungen, das herzlose Geschöpf aus seinen Gedanken zu verbannen, sah Robert im Geiste wieder ihre hübsche Gestalt. Noch wenige Monate zuvor hatte er sie bis zum Wahnsinn geliebt.

Das Menschenherz ist ein merkwürdiges Ding. Zorn und Eifersucht brannten heiß in Roberts Busens war er aber wirklich überzeugt, daß er Iris uichr mehr liebte?

Als der unglückliche Gatte in die ihm wohlbekannte Straße einbog, rollte eine Kutsche an ihm vorbei- er er­kannte die Insassen- es waren Iris und Arthur Kenyon- ße, in einem pelzbesetzten Mantel gehüllt, übermäßig mit Puder beladen, mit leuchtenden schwarzen Augen und

lächelnden rothen Lippen - keine Spur von Reue oder Trauer war in ihrem hübschen Gesichte zu erkennen.

Fahre hin!" rief Robert der davonrollenden Kutsche nach -ich würde, wenn Du jetzt vor mir lägst, keine Hand rühren, um Dich aufzuheben. Ich sollte Dir eigentlich nach­folgen und dem Elenden eine Kugel durch den Kopf jagen - allein dies wäre mir der Mühe nicht werth. Ich habe eine Ahnung, Iris, daß ich Dich in diesem Moment zum letzten Male gesehen habe!"

Trotz der scheinbaren Ruhe befand Robert sich in einer gewaltigen Aufregung. Wie ein Mann, der über ein großes Problem nachsinnt, schritt er geraume Zeit auf dem Trottoir vor dem Hause auf und nieder. Die kalte Nachtluft dämpfte allmälig das Feuer seines Blutes- er wurde ruhiger und dachte wieder an sein Kind. Rasch öffnete er die Hausthür und stieg die Treppen zu der Wohnung hinauf, in der er während des größeren Theiles seiner unglücklichen Ehe ge­lebt hatte.

Das Licht einer Lampe beleuchtete die Unordnung, welche die herzlose Mutter zurückgelassen hatte. Das kranke Kind lag in der Wiege und neben dieser saß die Hausmagd, welche für die junge Frau die gröbere Arbeit verrichtete. Es war Iris Gewohnheit, das Kind mit Opiaten zu be­täuben und es dann der Obhut dieser Person zu überlassen, während sie im Ballet tanzte und bei den lebhaften kleinen Soupers glänzte, zu denen sie häufig nach Schluß der Vor­stellung eingeladen wurde.

Greylock ließ seine Augen flüchtig im Zimmer umher­wandern, dann näherte er sich leise der Wiege. Das Kind lag mit eingesunkenen Augen und blauen Lippen unter seiner Decke. Athmete es noch? Er war nicht im Stande, diese Frage zu beantworten.

Die Magd war eingeschlafen. Der Kopf hing über die Rücklehne des Stuhles - ihre Füße ruhten aus einem anderen Stuhl und dem weit offenen Munde entströmten tiefe, schnarchende Töne.

Greylock hob geräuschlos das Kind aus der Wiege, setzte ein warmes Häubchen auf das Köpfchen der Kleinen, die noch immer kein Lebenszeichen von sich gab und wickelte ihre abgemagerte Gestalt in einen Shawl- dann stieß er den Flitterkram der abwesenden Mutter verächtlich mit den Füßen aus dem Wege, öffnete die Stubenthür und stieg, von Niemanden bemerkt, mit seinem unglücklichen, fast leblosen Kinde die Treppe hinab.

Kein menschliches Wesen ließ sich in der Straße blicken. Mit seinem Bündel auf den Armen, schritt Robert rüstig