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nehme an.'
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Am Abend wurde er dem jungen Mädchen vorgestellt, die in Begleitung ihrer Mutter, einer Freundin der Frau Morilland, erschien.
Das reizende Gesicht Thereseus, ihre schönen, schwarzen Augen, ihre vornehme Erscheinung entzückten Charles im I Augenblick- vor Allem aber gefiel sie ihm deßhalb so gut, weil sie Aehnlichkeit mit seiner verlorenen Therese hatte.
Das Stück war die alte Comödie, in der der Vater sich I zuerst gegen die Heirath seiner Tochter mit dem Manne ihrer I Wahl sträubt, und die endlich nach mancherlei Verwickelungen zu Aller Zufriedenheit endet.
Die Proben waren zwar schon ziemlich vorgeschritten, doch sie waren schlecht geleitet worden, und Charles hatte I nicht wenig zu thun. Der „humoristische Vater" mußte mehr ! im Character sprechen, die Gesten exacter ausgeführt werden- ein Jeder mußte seinem Alter entsprechend gehen, selbst die Toiletten der Damen wurden dem „Herrn Regisseur" zur i Prüfung vorgelegt. „ I
Therese unterstützte den jungen Mann nach Kräften, und j im Verlause der Proben bildete sich zwischen den Beiden eine,i freundschaftliche Vertraulichkeit heraus - kein Wunder daher, daß sie die große Liebesscene mit einer Wärme spielten, die auch nach den Proben noch anhielt.
Er las schnell das Telegramm in dem folgende Worte I standen: .
„Kommen Sie schnell; Ihre Gegenwart ist hier dringend erforderlich. * Morilland. I
Herr Morilland war ein alter Freund seiner Familie, der dieser stets das lebhafteste Interesse entgegengebracht hatte. , ,. _ . ,, I
Er folgte der Aufforderung und kehrte in die Heimath I zurück, doch die Gegenden, die der Zug durchfuhr, erschienen ihm traurig. , . ..
Er lehnte in einer Ecke seines Coupes und schloß die ! Augen- denn noch immer konnte er Therese nicht vergessen.
Um den Qualen seines Geistes zu entgehen, las er die Depesche seines alten Freundes Morilland noch einmal und zermarterte sich den Kopf darüber, was das Wort „dringend I erforderlich" wohl zu bedeuten hatte.
Endlich gelangte er nach Paris, wo ihn Herr Morilland erwartete. ,
Nach herzlicher Begrüßung bestiegen beide em Break und fuhren nach der Wohnung des Herrn Morilland, wo ihm | dessen Gattin das Räthsel löste.
„Es soll nämlich", sprach sie, „eine Soriee zum Besten der Armen gegeben werden, bei der auch Comödie gespielt wird. Drei kleine Acte. Der Autor ist ein Bekannter, und Darsteller und Darstellerin sind Freunde. Nun ist uns gestern ein kleines Malheur zugestoßen- der erste Liebhaber ist erkrankt und ein Ersatz nicht aufzutreiben. Da kommt meinem Manne eine Idee - er weiß, sie sind auf Urlaub- er telegraphirt Ihrem Chef und bittet Sie, zu kommen. Man rechnet darauf, daß Sie Sonntag Abend, d. h. in vier Tagen, spielen werden. Denken Sie doch, es ist für die Armen!"
„Aber ich bin so ungeübt, Madame . . ."
„Sie sind Pariser, das genügt! Sie sind außerdem em sehr scharfer Beobachter und werden deshalb auch die Freundlichkeit haben, Regie zu führen."
„Sie erweisen mir zu viel Ehre!"
„O nein! Sie finden Ihre Rolle in diesem Packet. Das Diner ist servirt, und nun kommen Sie!"
„Sagen Sie mir wenigstens, wer die weibliche Hauptrolle spielt!" .
„Ein reizendes, junges Mädchen, Fräulein Therese Boutry."
„Sie heißt Therese?" rief Charles- „gut denn, ich
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Am nächsten Abend fand die Vorstellung statt. Die große Liebesscene des zweiten Actes mußte da capo gespielt werden. Nach dem letzten Acte rief man die Künstler fünfmal vor den Vorhang.
Glückstrahlend kehrte Therese nach Hause zurück, nur etwas störte ihr Wonnegefühl- Charles Dartois hatte ihr nach der Vorstellung nur eine förmliche Verbeugung gemacht, ohne auch nur ein Wort an sie zu richten.
Umsonst zerbrach sie sich die ganze Nacht über den Kopf, was den jungen Mann wohl veranlaßt haben könnte, sich io steif von ihr zu verabschieden, indeß vermochte sie des Räthsels Lösung nicht zu finden. * *
Am Morgen nach der Vorstellung erschien Herr Morilland bei Frau Boutry.
„Das Theater sührt mich her, verehrte Frau. Da die Comödie gestern namentlich von den beiden Hauptdarstellern — wunderbar gespielt wurde, so wäre es schade, wenn man auf so gutem Wege Halt machte. Wollen Sie mir Ihre Künstlerin zu einer zweiten Vorstellung überlassen?"
Die Mutter war sich über die Absichten des Herrn Morilland nicht im Unklaren- sie läckelte daher und erwideite:
„Ich weiß, was Sie sagen wollen, bevor ich Ihnen jedoch antworte, muß ich meine Tochter um ihre Einwilligung befragen." . _
I „Das ist nur gerechtfertigt, doch Sie gestatten wohl, daß ich warte?"
Frau Boutry klingelte und gab Auftrag, rhre Tochm zu rufen, bann sagte sie zu dieser, die wenige Augenblicke später in den Salon trat:
„Mein liebes Kind, unser vortreffllicher Freund hier wiu aus Dir durchaus eine Künstlerin machen. .. Du hast für die Armen ausgezeichnet gespielt, und Herr Dartois erbittet Dem Mitwirkung zu einer Comödie in drei Bildern, die auf oem Standesamt, in der Kirche und auf der Hochzeitsreise spielen sollen......Willst Du Bedenkzeit?"
Therese fiel ihrer Mutter um den Hals, umarmte st stürmisch und flüsterte ihr ins Ohr:
„Ja, ich nehme an!" ....
„Herr Dartois", fuhr Herr Morilland fort, „bchtz 20000 Francs und eine großartige Stellung- daß er Tochter anbetet, brauche ich wohl nicht erst zu erwähne ■
„Herr Morilland, wir sind Ihnen sehr zu Tank vor pflichtet", sagte Frau Boutry- „thellen Sie schnell J Schützling mit, daß die Verlobungsfeier heute Aveno | stattfindet!"
Redactivnr«. Sch«yda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pcetsch & Scheyda) m ® 6
Herr Morilland war hocherfreut. Er hatte sich vorgenommen, seinen Freund Dartois zu verheirathen, doch wohl zwanzigmal hatte dieser sich geweigert. Diesmal aber hoffte er stark auf Erfolg, war doch die Comödie nur zu dem Zweck in Scene gesetzt worden, um die beiden Leutchen einander näher zu bringen. Therese wußte hiervon ebensowenig wie Charles, doch auch sie hatte bereits an ihrem Partner Gefallen gefunden.
Nach der Generalprobe plauderte Herr Morrlland mit seinem jungen Freunde im Salon.
Finden Sie nicht, daß Fräulein Therese in ihrer Rolle entzückend ist?" fragte Charles.
„Allerdings!"
„Wir werden ihr den ganzen Erfolg zu verdanken haben." Das ist sehr schmeichelhaft für sie."
„O nein, das ist nur die Wahrheit!"
„Es freut mich, daß sie Ihnen gefällt- denn auch sie scheint für Sie große Sympathie zu empfiudeu."
„Ihre Worte machen mich überaus glücklich!"
„Nun, mein Freund, spielen Sie morgen Ihre Comödie, und ich verpflichte mich, daß wir in sechs Wochen die Schlußscene wiederholen müssen.^ *


