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E>u bist nicht recht gescheit, Kränzchen! Was wird Gert zu solchen Ansichten sagen!"

Na, als braver Lieutenant kann er sich höchstens darüber.freuen!"

Und . . . Herr des Himmels! wie sehen denn Deine Hände aus?"

Comteßchen sah mit flüchtigem Blick auf die genannten nieder und strich sie ungenirt am Kleid ab.Donnerwetter ja! ich muß mich noch waschen!"

Wo haft Du Dich denn so furchtbar zugerichtet?"

Kränzchen lachte harmlos wie ein Engel.Es find ja nur Bickbeeren! Die neue Mamsell hatte mir gestern kein Eis, wie sie versprochen, sondern elenden Aprikosenauflauf als Nachtisch vorgeworfen, da mußte ich mich doch rächen, um die Disciplin aufrecht zu erhalten!"

Rächen? mit Blaubeeren?"

Hm! ich habe ihr ein paar Hände voll Saft in den Waschkessel gedrückt, worin sie unsere feine weiße Wäsche hat." Fränzcherk!"

DieWuth von ihr! es wird prachtvoll! neulich hat sie schon Mord und Tod geschimpft, sie hätte den ganzen Nach­mittag stehen müssen, um die Grasflecken aus meinen Kleidern zu machen."

Die ganze Wäsche wird verloren sein!" rang Pia entsetzt die Hände,und solchen Unfug stellt eine sechzehn­jährige Dame an!"

I wo! verloren! Der alte Drachen muß sie nur wieder säubern, voila tout! und jetzt will ich mir flink noch die Finger abspülen."

Das bekommst Du ja im Leben nicht wieder herunter! die blauen Flecke haften tagelang!"

Schnack! ich nehme Sand!"

Zeig her, ob Dein Kleid etwas abbekommen hat."

Keine Spur! ich hatte wohlweislich Mamsells Schürze vorgebunden, die hat allerdings die schwarzen Pocken be­kommen !"

Und Dein Haar, es starrt wieder in alle Winde! komm schnell mit mir in mein Zimmer!"

Nein, das hat Mama verboten!"

Ich werde sie um Verzeihung bitten! ich muß Dir mal die Haare ein wenig brennen."

Brennen?! Mir?!" Fränzchen sah sehr, verdutzt ans.

Gewiß! es wird Dir allerliebst stehen! überhaupt muß ich Dich noch ein wenig herausputzen! Gert legt so viel Werth auf guten Anzug, und wirst Du ihm doppelt gefallen, wenn Du ein Bißchen hübsch aussiehst!"

Fränzchen machte ein undefinirbares Gesicht. Theils pfiffig, theils schmunzelnd, aber sie sagte kein Wort weiter, sondern raste der Coufine voraus, nach dem Fremdenzimmer.

Die Sonne leuchtete durch die mächtigen Bogenfenster und weckte blitzende Lichter in dem eleganten Crhstall, welches den spitzenverhängten Toilettentisch zierte.

Vor vielen, langen Jahren mochte hier eine sehr schöne Ahnfrau ihrem Antlitz in dem Rococospiegel, dessen goldenen Blätterrahmen schwebende Engelein trugen, zugelächelt, mochte mit weißen Händchen zwischen all den Flacons, Döschen und Krüglein gewählt und blitzende Edelsteine in die Schmuckschale geworfen haben! Noch war das Zimmer in seiner vergilbten Pracht genau wie ehemals erhalten, und nur der ausgestopfte weiße Seidenspitz, welcher mit starren Glasaugen auf der Bronceconsole des Kamins faß, war entfernt worden, weil die Motten ihm gar zu schonungs­los zugesetzt hatten.

Wo ehemals die kokette Gräfin Niedeck das rosenbekranzte Schäferhütchen auf das Lockentoupet gedrückt und auf spitzen Stöckelschuhen zierlich wie ein Bachstelzchen über das Parkett wippte, trabten jetzt die derben Schuhe ihrer späten Enkelin, und Fränzchen pflanzte sich breitbeinig, die Hände mit gespreizten Fingern auf die Knie gestützt, vor dem Toiletten­tisch auf, um mit dem komischsten Gesichtsausdruck, welchen man jemals an ihr wahrgenommen, der Brennschere zu

harren. Pia hing ihr den eigenen gestickten Frisirmantel um die Schultern und entzündete voll fliegender Eile bte Spiritusflamme. _,,

Es ist mir unbegreiflich, daß Tante Johanna Dich nicht täglich von Dorette frlftren läßt!" schüttelte sie den Kopf.Willst Du denn die Haare immer abgeschnitten haben?" ,

Fränzchen grunzte etwas Unverständliches und hielt den Kopf kerzengrade.

Nun, dann müssen die rebellischen Strüppe zum Mindesten zu zierlichen Tituslöckchen gewellt werden. Bist Du denn nur gar nicht im Mindesten eitel, petite? Jedes Mädchen hegt doch ein gewisses Interesse für seinen äußeren Menschen!"

Hm, schon möglich . . . aber ich? ... nee, ich bm nicht eitel!" und zur Bethätigung schnitt sie ihrem Spiegel­bild eine furchtbare Grimasse.

Aber, Fränzchen, wie kann man fein Gesicht' so verzerren!"

(Fortsetzung folgt.)

Heinz Wamows Brautfahrt.

Weihnachts-Humoreske von S. Halm.

(Nachdruck verboten.)

KO. Draußen wüthete der Schneefturm. Es war am Vor­abend des heiligen Abends. In seiner nüchternen, überheiz­ten Gartzonwohnung saß Heinz Warnow und hing gewissen Reminiscenzen-nach. Er seufzte:Ja, so ein Junggeselle hats nicht leicht. Da reden die Leute von goldener Freiheit und vom Joch der Ehe! ja ein jedes Ding hat seine zwei Seiten. Wenn man nur erst die Brausejahre hinter sich und das öde Alter vor sich, auf dem Kopf aber einen angehenden Mondschein hat und sich obendrein noch das Bäuch­lein angenehm rundet ja dann beginnt einem die vielgepriesene Ungebundenheit zu drücken!" und abermals versank Heinz Warnow in wehmüthige Reminiscenzen. Da war zum Beispiel ein Weihnachtsabend gewesen, es war wohl fünf Jahre her, da hatte ein süßes, kleines MLdel die noch etwas mageren Aermchen um seinen Hals gelegt und hatte ihm auf seine Frage:Nun Trudel, was wünschst Du Dir denn diesen heiligen Abend von mir? Ich komme nämlich mit leeren Händen, beim ich wußte nicht, was ich dem angehenden Fräulein schenken sollte," die kecke Antwort ins Ohr geflüstert:Dich wünsche ich mir Onkelchen!" bann war basnaseweise" Ding bavongesprungen, ihn mit seiner Verblüfftheit und mit seinem guten, dummen Gesicht sich selbst überlassend!

Welch ein Narr er doch gewesen war! Wahrhaftig, er hatte den Empfindlichen gespielt, halte etwas vom Kiek-in- die-Welt und naseweisen Backfisch gebrummt, hatte sich davon getrollt und war mit einem wirklichen Hampelmännchen wieder­gekommen.

Da Trudel, da haft Du Deinen Hampelmann! Ich denke, wir verstehen uns!" und er hatte das kleine Mädel stehen lassen, hatte keine Augen gehabt für den beredten Blick aus ihren feuchtschimmernden Augen. Narr, der er gewesen. Warum hatte er nicht damals das Glück beim Schopf genommen und auf die frischen Lippen geküßt? Ein so süßer kleiner Fratz! Und heut?"

Heinz seufzte tief auf und warf einen Seitenblick in den Spiegel, der ihm sein rundliches Conterfei zeigte. Wie viel hatte ihm dieses Embonpomt doch gekostet, wie viele Schoppen Bier, wieviele langweilige Kneiphausabende! Süße, kleine Trudel! Die saß nun in der Provinz und vertrauerte mit ihrer unglücklichen Liebe zu ihm im Herzen die schönste Jugend. Wie Centnerlast fiel- es ihm auf die Seele. Und er trug die Schuld daran.

Einundzwanzig mußte sie jetzt zählen, die kleine Trudel. Von meinen Sechsunddreißig ab macht fünfzehn" calculirte