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Das Beste.
Der Majoratsherr
Roman von Rataly v. Eschstruth.
on Allem das Best'
Ist ein Herz, heiter und fest,
Ein gesunder Leib, Ein liebes Weib
Und ein kleines Eigen- Wer das hat, mag sich freu’n und schweigen I
Johannes Troyan-
(Fortfetzmig.)
Sie brennt darauf, ihn erzählen zu hören, denn auch in dieser Beziehung hat die Kleine keinen Mädchengeschmack, sondern macht jedem Gymnasiasten Concurrenz!
Jndianergeschichten, Seeabenteuer, Krieg- und Kamps- erlebniffe! ja, darüber saß sie mit glühenden Augen, während Pia sie in den ersten Tagen ihres Beisammenseins über dem Buche „Mädchenleben", welches sie dem Cousinchen mitgebracht, eingeschlafen fand. Damals hatte Fränzchen alles „Lyrische" noch geradezu gräßlich gefunden und behauptet, es werde ihr speiübel bei solch einem Gesäusel und Gebräusel, aber es war bald anders geworden und direct in Schwärmerei, zeitweise beinah in Sentimentalität umgeschlagen.
Das verschuldete wohl der Verkehr mit Pia- Fränzchen hatte zuvor wenig oder gar keine Gelegenheit gehabt, mit jungen Damen zusammen zu sein, und darum erging es ihr der schönen Cousine gegenüber wie fast allen ihren Altersgenossinnen, — sie schwärmte die ältere an!
Sollte auch ihre Begeisterung für Wulff-Dtetrrch nur eine solche Eintagsfliege leicht erregter Backfischs- Phantasie gewesen sein? rr . ..
Der junge Marineoffizier ist wie geschaffen dazu, die kleine Comteffe prima vista zu erobern! er wird in allen Dingen mit ihr harmoniren.
Pia preßt wie in weher Leidenschaft die Hande gegen die Brust! — Kränzchens Verlobung mit Gert würde die einzige Möglichkeit sein, die verwirrten Fäden des Schicksals zu lösen! .
Gert muß eine reiche Frau heirathen, er ist durchaus nicht scrupulös in seiner Wahl, Fränzchens Häßlichkeit würde
ihn nicht gentren, ihr originelles Wesen ihn sogar amüsiren und anreizen! — Herr Gott des Himmels wenn es möglich sein könnte, — wenn jene Stunde käme, in welcher sie Wulff-Dietrich sprechen könnte: „Ich bin die Einzige, welche Dein altes Geschlecht von dem Schicksal erretten kann, — um Deines Namens willen vergieb mir!"
Es ist eine lange, bange, dunkle Nacht um sie gewesen, nun leuchtet ein rosiger Hoffnungsschimmer am schwarzen Himmel auf, ein Lichtstrahl, welcher eine Sonne verheißt!
Wird sie voll blendender Schöne emporsteigen!? Wird sie mit heißem Strahl die Thränen von den Wangen küssen?
O komm, Sonne, komm! Du findest eine Rose, von welcher die schwere Hand des Schicksals die Dornen ab
gestreift.
Capitel 24.
Hoch ragt aus schattigen Gehegen ein schimmerndes Schloß hervor — Ich kenne die Thürme, die Zinnen, die steinerne Brücke, das Thor! — * Channsso.
,Eine wunderliche Sorte von Mädchen! braun und wild, flink wie eine Katz, unstät wie ein Irrlicht, — nur Allotria im Kopf! Ich warn' Euch, Herr! Sie hält Euch
zum Narren!"
John Guild.
Von dem Wartthurm der Burg Niedeck wehte die Flagge mit dem sarbiggestickten, weithin leuchtenden Wappen der Grafen, ein ungewohnt festliches Zeichen, nach welchem die Bürger von Angerwies ungläubig emporblickten.
Gäste im Hause des Grafen Willibald?
Je nun, das muß entweder ein Jrrthum sein, oder Ruldolf Falb hat recht prophezeit, wenn er den Untergang der Welt für die nächste Zeit voraussagte!
Freilich hat die Baroneß von Nördlingen von der letzten Reise der Herrschaft auch schon auf Niedeck zum Besuch geweilt, und wie man behauptet, war sie auch jetzt mit der gräflichen Familie zurückgekehrt. — Und die Welt ging doch nicht aus den Fugen darüber, warum sollte sich der alte Geizhalz seiner jungen Tochter zu Liebe, nicht doch einmal aufraffen, und sich auf die Pflichten besinnen, welche ihm sein Titel und sein Reichthum auferlegen?
i Gäste auf Niedeck!
In der „Stadt Hamburg" hatte man bereits am ! Stammtisch gewettet, ob und wer wohl kommen könnte?
Der Name des Grafen Rüdigers war seit langen * Jahren nicht mehr in dem Städtchen genannt worden, und geschah es, so war es voll Groll und Erbitterung, denn daß man diesem Herrn allein das klägliche Mißverhältniß, welches zwischen den Bürgern und dem Majoratsherrn bestand, zu


