Donnerstag ben 21. Januar.
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i der Jugend schläft, läuft im Alter.
Rätoromanisch.
Aus der Lebenspraxis rmuth weist man von der Thüre, escheidenheit läßt man vor ihr warten, Schönheit öffnet man sie, ;m Reichthum springt sie auf,
Die Macht erbricht sie. O. ®. W.
Das Haus der Schatten.
Roman von Robert Kohlrausch.
(Fortsetzung.)
Nun sah er's, Busemus war es, der Alte aus dem Giebelstübchen, der zu ihm getreten war. Der beugte sich über ihn, flüsterte ihm Worte zu, deren Sinn er nicht verstand, aber deren Ton ihm unendlich wohlthat, legte seine kühle Hand ihm auf die brennende Stirn und unter dieser zarten, besänftigenden Berührung schlossen sich seine Augen, und er schlief ein.
Aber nur für kurze Zeit fand er die Ruhe; dann tauchten wirre Bilder wieder vor ihm auf, und zuletzt gellte ein furchtbarer Schrei zu ihm her: „Meineid, Meineid im fürchterlichsten Grad!" Die Worte des verzweifelnden, von Geistern gemarterten Königs Richard ließen ihn jäh emporfahren mit bebenden Gliedern. Aber Niemand außer ihm war im Zimmer, zu dem die erste, graue, winterliche Dämmerung sich hereinstahl. Er selbst mußte es gewesen sein, der so furchtbar aufgeschrieen hatte im lastenden Schlaf; er wälzte sich zitternd, in Schweiß gebadet auf dem zerwühlten Lager, gleich dem der ewigen Gerechtigkeit preisgegebenen, zum Untergange verdammten königlichen Verbrecher.
Dann stand er auf, kleidete sich mühsam an und ging in sein Bureau, wo er den heute wenig zeitraubenden Dienst rasch und mechanisch erledigte. Nach Hause zurückgekehrt, se^te er sich auf einen Stuhl am Fenster, wo er lange Zeit blieb und hinausstarrte in das feine Schneetreiben, das noch immer andauerte. Endlich rang der Entschluß aus der grübelnden Seele sich los: er wollte mit Frau Ina sprechen, wollte von ihr selbst die Bestätigung dessen hören, was ihm das eben erst geschenkte Glück mit einem Male so jäh zer
stört hatte. Das war gewesen, als er mit Martha zusammentraf, und der Anblick ihres frohen, leuchtenden Gesichtes, das so wenig der Stimmung seiner eigenen Seele entsprach, hatte ihn — er wußte selbst nicht, warum — wieder in sein Zimmer zurücktreten lassen. Nachdem er von Neuem lange vor sich hingebrütet hatte, fiel ihm ein, daß er dem Onkel versprochen hatte, zu ihm hinauf zu kommen, und mit dem Eifer muthloser Menschen, die sich selbst gegenüber nach VGxwänden suchen, die Ausführung eines schweren Entschlusses hinauszuschieben, sagte er sich, daß diese Pflicht die nächste und erste sei. Diesmal begegnete ihm Niemand im Corridor draußen, und langsam, müde stieg er die Treppe hinan.
Doctor Jaksch saß am Schreibtisch in seinem Studir- zimmer, als der Neffe bei ihm eintrat. Die Sprechstunde war eben vorüber, und er stärkte sich durch ein Caviarbrödchen^ dem ein Glas Sherry beigesellt war, für die weiteren Anstrengungen des Tages. Der Duft einer Cigarre erfüllte das Gemach.
„Da bist Du ja!" rief der Doctor dem Eintretenden entgegen. „Ich dachte, Du hättest Deinen alten Onkel ganz vergessen. Habe gestern Abend noch lange auf Dich gewartet. Aber Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen, wärest ja in besserer Gesellschaft. Setze Dich- willst Du ein Glas Sherry, eine Cigarre? Nein? Hör' einmal, Du siehst schlecht au5; ein Glas Wein wenigstens solltest Du trinken."
„Danke Dir, Onkel; der Wein würde mir nicht helfen." „Was ist denn los? Wirst mir doch nicht krank werden? Oder ist es nicht der Körper, der leidet, sondern wieder einmal das Gemüth? Komm' her, sag' mir's ruhig, Du weißt, Dein Onkel ist auch Dein bester Freund."
Zum ersten Male in diesen Stunden der Qual fühlte Georg seinen glühenden Schmerz in Wehmuth und Thräneu sich lösen. Es stieg ihm heiß in die Augen, und das Gesicht gegen das Polster eines Sessels pressend, stöhnte er: „Ich bin unglücklich, unsäglich unglücklich!"
Er sah den Blick der kalten Augen nicht, der über ihn dahin ging, er sah das Lächeln nicht, das unter dem aufwärts gebogenen Barte hervorzuckte. Er fühlte nur die Hand, die mit sanfter Berührung sich ihm auf die Schulter legte, hörte nur die weichen Laute der Stimme, die vibrirend zu ihm sprach : „Armer Junge, also ist das Unglück wirklich geschehen? Ich hätte es gern gehindert, und gestern Abend — wahrhaftig, nur darum bin ich noch einmal unten bei Euch eingedrungen und habe mich nicht um die bösen Augen gekümmert, die Du mir machtest."
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