Ausgabe 
20.5.1897
 
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Triebe ungehindert wachsen zu lassen, um später abgeschnitten zu werden, ist eine nutzlose Saftverschwendung der Pflanze, deren Säfte lieber zur besseren Ausbildung der Früchte, sowie des Tragholzes für das kommende Jahr verwendet werden sollten. Das Pinciren am Spalier- und Formobst ist ja auch zum gleichen Zwecke in allgemeiner Anwendung. Während der Wachsthumszeit hat man es in der Hand, das Verhältniß zwischen Holzwuchs, Früchteernährung und Vervollkommnung des Tragholzes für das kommende Jahr zu regeln.

Von Ende Mai bis Mitte Juli ist die Zeit, wo man den Sommerschnitt der Stachel- und Johannisbeersträucher vorzunehmen hat, je nach den Umständen, wie viel die Vege­tation vorgeschritten ist. Die vielen aus dem Wurzelstock emporwachsenden Triebe werden nach und nach bis auf die­jenigen entfernt, welche als Ersatzfruchtsäfte bleiben sollen, letztere werden später auch noch entspitzt, sobald sie ein wenig länger geworden sind, als man im Winter schneiden würde. Zu gleicher Zeit, aber immer nach und nack, wie es das Wachsthum erfordert, werden auch alle einjährigen Triebe, welche aus den älteren Holztheilen kommen, entspitzt, dicht beisammenstehende auch durch Entfernen einzelner etwas gelichtet, damit die Augen der verbleibenden Zweigtheile sich gut ausbilden können und das kommende Jahr einen kräftigen Fruchtertrag ergibt. Es wird dadurch auch das ver­bleibende Holz des Strauches freier gestellt, Lust und Licht haben mehr Zutritt in das Innere des Strauches, die Früchte können sich somit besser ausbilden und aromatischer werden, als wenn sie sich in einem vollständigen Dickicht von Blättern und Zweigen befinden würden. Man hat auch darauf zu sehen, daß nur einjährige Triebe mitentfernt werden, welche sich zu nahe dem Boden zeigen, was besonders bei Stachel­beeren der Fall sein wird, denn solche Triebe müssen beim Winterschnitt doch auch entfernt werden.

Selbstverständlich ist der erwähnte Sommerschnitt auch für die hochstämmigen Stachel- und Johannisbeeren erst recht am Platze, um eine gefällige, gleichmäßige Krone zu behalten und einer guten Fruchternte in Bezug auf Qualität sicher zu sein, worauf es bei dieser Erziehungsform besonders ankommt.

Will man aber noch etwas mehr für die Ausbildung der Früchte thun, so entferne man bei allzureichem Frucht­ansatze eine entsprechende Anzahl circa 4 bis 6 Wochen nach deren Ansatz. Es ist dies besonders bei Stachelbeeren sehr am Platze, wo an einem Stiel oft drei Früchte sitzen. Der scheinbare Verlust von Früchten wird durch die bessere Aus­bildung der verbleibenden doppelt ersetzt- die letztere kann man übrigens durch fleißige Düngung während der Wachs­thumszeit noch leicht unterstützen.

GEernnNtziges.

Neben dem Anbau von Busch- oder Krupbohnen sollte der Gartenbesitzer auch einige Beete mit Stangenbohnen in seinem Garten anlegen. Die Ernte von Buschbohnen ist von kurzer Dauer, während Stangenbohnen bis zum Herbst, bis sie vom Frost zerstört werden, reichlich tragen. Die un­empfindlichsten unter den Stangenbohnen sind die sogenannten arabischen oder Feuerbohnen", die gleichzeitig mit ihren rothen, zweifarbigen oder weißen Blumen eine Zierde jedes Gartens bilden und selbst in kalten Gegenden reiche Erträge liefern. Eine Gartenlaube, mit der rothblühenden Feuerbohne be­pflanzt, gewährt einen lieblichen Anblick und berankt die Laube in kurzer Zeit. Vorzügliche Schneidebohnen sind Schlacht­schwert und Korbfüller- im Ertrage sind beide gleich, letztere ist etwas früher und sind die Schoten etwas länger und zarter. Als empfehlenswerthe Prachtbohne nennen wir die

früheste Zucker-Brech-Bohne, welche schon im August reift und die beliebte Riesen-Zucker-Brech- oder rheinische dickschotige Speckbohne. Von den Wachs-Stangenbohnen sind zu empfehlen: Wachs Mont d'or mit goldgelben, sehr zarten, feinschmeckenden Schoten ohne Fäden, Flageolet Wachs, die früheste unter den Wachsbohnen und gleichzeitig die beste Salatbohne. Eine werthvolle Einführung der letzten Jahre bildet die WachsbohneKaiser Friedrich". Sie trägt 22 bis 25 Zentimeter lange, goldgelbe Schoten mit rosa Anflug, die­selben sind dickfleischig und ohne Fäden und können bis zum Herbst gepflückt werden. Der Schotenansatz ist ein äußerst reicher. In der That eine Brechbohne ersten Ranges.

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Zur Vertilgung der Stachelbeerraupen hat sich folgendes Verfahren sehr gut bewährt. Man nehme ein halb Pfd. Soda, ein halb Pfd. Schälseife, löse beides mit kochendem Wasser auf und gieße kaltes Wasser zu, sodaß es 12 Liter werden. Damit bespritze man die Stachelbeersträucher haupt­sächlich von unten nach oben, weil die Raupe auf der Unter­seite des Blattes sitzt. Nach 5 bis 10 Minuten wird mit kaltem Wasser nachgespritzt. Hierauf lege man Papierlagen unter den Strauch, schüttle die Raupen darauf ab und verbrenne sie.

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Nichts befördert das Wachsthum der Himbeeren mehr, als eine reichliche Kopfdüngung im Frühjahre. Es ist dazu am Besten halbverrotteter Mist zu verwenden, wie solcher aus abgetriebenen Mistbeeten genommen wird. Das gießt nicht nur gute Düngung, sondern auch eine schützende Decke, welche verhindert, daß die feinen, flachliegenden Wurzeln so leicht austrocknen und daß der Boden während der Ernte allzu fest getreten wird.

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Um den Epheu im Zimmer recht großblätterig und frisch ziehen zu können, Pflanze man ihn in fußhohe Kästchen, die gehörig mit Abzugslöchern versehen und halb mit Topsscherben gefüllt werden, damit das Wasfer gut abfließt und die Erde nicht sauer wird. Auf die Scherben kommt eine zollhohe Lage gute nicht zu schwere Gartenerde, dann eine dünne Lage von höchstens einem viertel Zoll Hornspähne, darauf wieder ein halber Zoll hoch Erde, und nun wird der Epheu eingesetzt und der Kasten vollends mit Erde gefüllt, doch muß wegen des Begießens */2 Zoll Raum bis an dm Rand bleiben. Der Epheu braucht nicht viel Pflege und nur dann Wasser, wenn die Erde oben trocken ist. Soll er recht treiben, so gibt man ihm eine Hand voll Kaffeesatz, aber das nicht zu oft, sonst übertreibt er sich und geht aus.

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Die Stecklinge der Oleander müssen vorsichtig mit scharfem Schnitt vom Stamme gelöst und unverzüglich ins Wasser gesetzt werden, welches von Zeit zu Zeit durch Nach­füllen von frischem, stubenwarmem Fluß- ober Regenwasser zu ergänzen ist. Als Standort ist ein zugfreies, sonniges Fenster am geeignetsten. Sobald die Bewurzelung genügend vor­geschritten, wird der Zweig in einen mit humusreicher Laub­erde gefüllten, nicht zu kleinen Blumentopf eingesetzt und stets nur mit lauem, weichem Wasser begossen. Sobald er in seiner Entwickelung weiter vorgeschritten ist, erweist sich das Gießen mit abgekühltem Kartoffelwasser als vorzügliches Treib- und Düngemittel. Mit Hilfe desselben habe ich einem jetzt zweijährigen Oleander zu solcher Ueppigkeit verhalfen, daß man ihn allgemein für vier- bis fünfjährig schätzt. C. JN.

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Um weißen Topfrosen eine angenehme röthlich ange­hauchte Farbe zu verleihen, gieße man vor dem Erblühen em wenig Branntwein auf die Topferde. Jedoch muß 16 Quantität eine beschränkte sein, damit die Pflanze nicht etwa Schaden leidet.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl-schm Universitüts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.