Ausgabe 
20.5.1897
 
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Das Kind der Tänzerin.

Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.

(Fortsetzung.)

Eine kurze Pause entstand. Robert näherte sich seiner Gattin und fuhr mit liebevollem Tone fort:Es sind genug der bitteren Worte gefallen laß uns Frieden schließen wir sind ja Mann und Weib nur der Tod kann uns scheiden. Warum verbittern wir einander das Leben? Sei wieder gut, liebes Weibchen es wird dann besser werden Du wirst es nicht zu bereuen haben, die Meine geworden zu sein."

Eine Veränderung ging in dem zürnenden Gesichtchen der Tänzerin vor. Robert sah so schön, so hingebend aus, es lag etwas so Sympathisches in dem Klang seiner Stimme­seine tiefblauen Augen blickten sie mit so unendlicher Zärtlich­keit an, daß das Eis, welches sich um ihr Herz gelegt, plötzlich zu schmelzen begann. Ein mattes Lächeln spielte um ihre Lippen- schon war sie im Begriff, sich in die Arme des Gatten zu werfen, als die Stubenthür plötzlich aufging.

Der struppige Kopf der Hausmagd blickte herein. //Für Mrs. Greylock!" rief sie mit gellender (Stimme; />mit Mr. Kenyons Empfehlung- sein Diener hat es gebracht."

Mit diesen Worten wollte die Unglücksbotin ihrer Herrin ein aus den theuersten Blumen gebundenes kostbares Bouquet reichen.

Unheilvoller hätte nichts sein können. Der Engel des Friedens, dem es fast schon gelungen war, eine Versöhnung zwischen den beiden Gatten herbeizuführen, schwebte mit ver­hülltem Antlitz wieder davon.

Sobald Robert Greylock des Bouquets ansichtig wurde,

1887.

Mmersiag tat 29. Rai.

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beste Will' ist Gottes Will', Auf diesem ruht man sanft und still;

'M« Da gieb Dich allzeit frisch hinein. Begehre nichts, als nur allein

Was Gott gefällt. Paul Gerhardt.

Wem vor dem Unglück bangt und graut, Eh' ihm das Glück entfloh, Wer immer in die Zukunft schaut, Wird nie von Herzen froh.

stieß er einen Fluch aus und riß die Blumen aus den Händen der Magd. Indem er dies that, fiel ein glänzender Gegenstand aus der duftenden Tiefe. Es war ein goldenes Armband in Gestalt einer Schlange mit Augen von Dia­manten.

,O, wie herrlich!" rief Iris, indem sie auf ihren Gatten zustürzte.Gieb her, Robert- es ist ja für mich!"

Robert schleuderte die Blumen auf den Boden und stampfte mit den Füßen darauf. Die zarten Kinder Floras hauchten unter seinen wüthenden Tritten ihr unschuldvolles Leben aus. Während er dabei mit der einen Hand sich Iris vom Leibe hielt, hob er mit der andern das Armband empor und rief mit donnernder Stimme:So weit ist es also schon gekommen?! Du nimmst von einem Manne wie Kenyon so kostbare Geschenke an? Zurück! Eher wollte ich Deine Hand im Feuer verbrennen, als diese seine Juwelen berühren sehen! Er soll das glänzende Ding zurückerhalten und vabei eine Lection bekommen, die er nicht sobald vergessen wird!"

Dahin war die weiche Stimmung, welche die Tänzerin für einen Moment beherrscht hatte- mit wuthbebender Stimme rief sie:Wie kannst Du es wagen, Robert?! Das Arm­band wurde mir geschickt, und ich will es haben! Du hast kein Recht, es mir vorzuenthalten. Wann hast Du mir Blumen oder Diamanten gegeben?"

Auf einen zornigen Blick von Greylock entfernte sich die struppige Magd, wie sehr sie auch gewünscht hätte, Zeugin des Ausganges dieser Scene sein zu können. In ihren Augen war Iris ein reizendes junges Wesen, das viel von der Tyrannei eines eifersüchtigen Gatten zu leiden hqM. Sie ist indessen Mannes genug für ihn," dachte sie, indem sie außen vor der Thür stehen blieb um zu horchen.Er hat alle Hände voll zu thun, wenn er sie im Schach halten will."

Als Robert sich mit seiner Gattin allein sah, nahm sein Gesicht einen Ausdruck an, den Iris noch nie auf dem­selben bemerkt hatte.Wann ich Dir Blumen oder Diamanten gegeben habe?" wiederholte er streng-es ist schon lange her. Wenn Dein Gatte aber auch jetzt nicht im Stande ist, Dich mit solchen Dingen zu versehen, so kann und darf er es nicht dulden, daß Du Schmucksacken trägst, die mit anderer Männer Geld gekauft wurden. Hast Du denn bereits alle Selbstachtung verloren?"

Iris fühlte zwar, daß Robert Recht hatte, aber sie setzte ihrem Gatten eine kühne Stirn entgegen.Arthur Kenyon ist ein alter Freund von mir- ich kannte ihn lange, ehe ich Dich kennen lernte," sagte sie mit Entrüstung.